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Die Geschichte vom Mann, dem Status und vielen Kindern

Richmond/Atlanta Die Geschichte vom Mann, dem Status und vielen Kindern

Dschingis Khan ist nicht nur in Geschichtsbüchern präsent. Der Mongolen-Herrscher gab seine Gene an unzählige Menschen weiter. Fördert hoher Status in allen Gesellschaften die Nachkommenschaft?

Richmond/Atlanta. Viel Macht, viele Nachkommen: Der Status von Männern spielt in der Menschheitsgeschichte einer Studie zufolge eine noch größere Rolle als gedacht. US-Forscher fanden heraus, dass ein hohes Ansehen in allen nicht-industriellen Gesellschaftsformen eine größere Nachkommenschaft fördert.

Damit widerlegen sie Annahmen, dass der Status vor allem bei sesshaften Völkern, die Nahrungsmittel anbauen oder Tiere halten, ein entscheidender Faktor ist. Heutzutage verliert das Statusprinzip Experten zufolge aber seine Wirkung.

Es gibt berühmte Beispiele für mächtige Männer mit außerordentlichem Reproduktionserfolg. So zeigen Millionen heute lebender Männer eine genetische Abstammung zu Dschingis Khan. Biologen nahmen aber bisher an, dass der Status des Mannes erst an Bedeutung gewann, als die Menschen sesshaft wurden.

Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte lebten Männer und Frauen als Jäger und Sammler. Diese Gesellschaften galten als egalitärer, da sie mehr auf Kooperation angewiesen waren, es gab weniger Besitzunterschiede und die Mitglieder der meist nomadenhaft lebenden Gruppen wechselten häufig.

Die Anthropologen Christopher von Rueden von der University of Richmond und Adrian Jaeggi von der Emory University in Atlanta analysierten 46 Studien über 33 heutige nichtindustrielle Gesellschaften, in denen ein Zusammenhang zwischen Ansehen und Reproduktionserfolg untersucht wurde. Der Status wurde dabei mit Hilfe verschiedener Kriterien gemessen - dazu zählten etwa körperliche Merkmale, Jagdfähigkeit, materieller Reichtum und politischer Einfluss.

Die Forscher aus den USA stellten fest, dass der Zusammenhang gleich groß war, egal ob die Gesellschaften vom Jagen und Sammeln oder von der Landwirtschaft oder Tierhaltung leben. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Der Reproduktionserfolg beruht zum einen auf der Fähigkeit viele Kinder zu zeugen, zum anderen auf der Fähigkeit, diese am Leben zu erhalten. Die Meta-Studie bestätigte die Vermutung, dass der Status besonders zu ersterem beiträgt. In monogamen Gesellschaften wird dies, so die Forscher, dadurch unterstützt, dass ein Mann mit hohem Status die aus biologischer Sicht bessere Partnerin bekommt - zum Beispiel eine junge Frau, die oft gebärt.

Auch in der heutigen Gesellschaft spielt der Status Experten zufolge, die nicht an der Meta-Studie beteiligt waren, eine große Rolle. Allerdings ergibt sich kaum mehr der ursprüngliche Effekt.

So meint der Humanethologe Wulf Schiefenhövel, dass in modernen industriellen Gesellschaften der Status des Mannes fast nur noch entscheidend für die Partnerwahl, nicht aber für die Anzahl der Kinder sei. Aus Sicht der Evolutionsbiologie sei das damit zu erklären, dass es nicht primär auf die Zahl der geborenen, sondern auf die Zahl der überlebenden Kinder ankomme. „Wir können heute von einem Abriss der ursprünglich sinnvollen Kopplung männlicher Status - reproduktiver Erfolg sprechen. Ob die Abkopplung evolutionär adaptiv, in anderer Weise sinnvoll, unerheblich oder ungünstig ist, wird die Zukunft zeigen“, sagte der Max-Planck-Forscher.

Ulrich Kutschera vom Institut für Biologie der Universität Kassel sieht ebenfalls im Status ein wichtiges biologisches Merkmal. So gelte auch in modernen Gesellschaften das Hypergamieprinzip, nach dem Frauen die evolutionär herausgebildete Tendenz haben, ranghöhere Männer zu bevorzugen - auch Hochheiraten genannt.

Die Suche nach einem Mann mit hohem Status führe heute allerdings gerade nicht dazu, dass die Kinderzahl steige: „Eine naturwidrige Bevölkerungspolitik führt dazu, dass gebildete Frauen erst spät an Nachwuchs denken, wenn die qualifizierten Männer schon vergeben sind. Frauen eliminieren dann manchmal lieber ihr Genom über die natürliche Selektion aus dem Genpool, als sich mit einem Durchschnittstypen fortzupflanzen.“

dpa

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