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Ende der Gastfreundschaft für Kim Dotcom in Neuseeland?

Wellington Ende der Gastfreundschaft für Kim Dotcom in Neuseeland?

Der Internet-Unternehmer Kim Dotcom soll an die USA ausgeliefert werden. Dagegen wehrt er sich vor Gericht in seiner Wahlheimat Neuseeland. Viele dort wären den Ex-Kieler aber lieber los.

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Inzwischen wünschen sich viele Neuseeländer, Kim Dotcom würde ihr Land verlassen.

Quelle: dpa

Wellington. Das Leben von Kim Dotcom lässt jeden Drehbuchschreiber einer Seifenoper vor Neid erblassen. Der umstrittene aus Kiel stammende Internet-Unternehmer hatte scheinbar alles erreicht: Den rasanten Aufstieg zum Millionär, die Luxusvilla in seiner Wahlheimat Neuseeland, den Helikopter, die Partys. Doch dann kam der Fall: Ein Polizeieinsatz im Morgengrauen, die Handschellen klickten. Die Ehefrau verschwand eines Nachts.

Und mittendrin war da noch eine Giraffenstatue namens Karl: „Meine Giraffe hat alles gesehen. Partys. Bürgermeister in Hubschraubern. Razzia im Morgengrauen. Den Launch von Mega. Die Flucht der Prinzessin. Spielende Kinder. Tschüss Karl“ - so verabschiedete sich der 42-Jährige auf Twitter von seinem Luxusanwesen in Auckland.

Dotcom stammt aus Kiel und wurde unter seinem ursprünglichen Namen Kim Schmitz in der deutschen Hackerszene bekannt, bevor er ihn offiziell ändern ließ. Seine Tauschplattform Megaupload wurde 2012 nach FBI-Ermittlungen abgeschaltet. Über das Portal wurden laut Vorwürfen der US-Ankläger massenhaft illegale Kopien von Filmen und Musik verbreitet. Dotcom hatte den Ermittlern zufolge 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar.

Ein neuseeländisches Gericht stimmte der Auslieferung in die USA zu, dort droht ihm eine langjährige Haftstrafe. In einer Anhörung am 29. August will Dotcom dagegen angehen. Er weist die Vorwürfe zurück. Er habe nur eine Plattform betrieben und keine Kontrolle darüber gehabt, was Nutzer speicherten. Zudem kündigte er einen Neustart von Megaupload für 2017 an.

Mit seiner neuen Partnerin lebt Dotcom jetzt in einem Penthouse im Hafenviertel von Auckland. Er nennt es „das Piratenschiff“. Für den Journalisten David Fisher, Autor des Buches „The Secret Life of Kim Dotcom“ (dt: „Das geheime Leben von Kim Dotcom“), hat die Dotcom-Saga Suchtfaktor: „Da ist Dotcom, der mehr Geld hat als Gott, mit einer wunderschönen Frau, die ihn verlässt, ersetzt durch eine Jura-Studentin, die halb so alt ist wie er. Und ein Haufen hübscher Kinder, die in diesem tollen Apartment leben.“ Ihn fasziniert der wuchtige, immer schwarz gekleidete Deutsche: „Ihm fehlt nur noch eine flauschige weiße Katze zum Superschurken aus einem James-Bond-Film.“

Die Neuseeländer seien indes der Dotcom-Show überdrüssig, sagt Fisher. Anfangs hätten sie ihn noch für seinen Widerstand gegen „die da oben“ bewundert, aber als der Deutsche 2014 versuchte, mit der von ihm gegründeten Internet-Partei groß in die Politik einzusteigen, sei es mit der Sympathie vorbei gewesen. „Plötzlich hatten wir da diese sehr bombastische Person, die noch nicht mal ein Staatsbürger war, der versucht hat, sich in die Wahlkabinen der Menschen zu drängeln.“ Die Partei errang keinen einzigen Parlamentssitz.

Seitdem mehren sich die Stimmen, dass Neuseeland ohne Dotcom besser dran wäre. Die Faszination von Dotcom und seinem Lifestyle sei vorübergehend gewesen - etwa wie ein „Freak der Woche“, so Fisher.

Die Regierung jedenfalls wäre wohl froh, wenn Dotcom nicht mehr ihr Problem wäre. Nach den Wahlen 2014 sagte der sichtlich erleichterte Regierungschef John Key, die Wähler hatten sich gegen Ausländer ausgesprochen, die den Urnengang beeinflussen wollten. Es sei Zeit, dass der Fall Dotcom die Gerichtsinstanzen durchschreite. Doch die Wellen, die der Fall schlug, ziehen weite Kreise: Nach Enthüllungen, Dotcom sei Ziel illegaler Überwachung gewesen, kommen nun Gesetze, die die Arbeit der Geheimdienste transparenter machen sollen, erklärt der Sicherheitsexperte Rhys Ball.

Dotcom selbst rechnet damit, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Gerichte über seine Auslieferung entscheiden: „Ich werde niemals an das Land der korrupten Politiker und manipulierten Gerichte ausgeliefert werden“, twitterte er.

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