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Forscher nehmen Seeberge unter die Lupe

Expedition zu Giganten Forscher nehmen Seeberge unter die Lupe

Gebirge mit Matterhorn-Qualität, aber teils Hunderte Meter unter dem Meeresspiegel: Seeberge bieten eine einzigartige Artenvielfalt und sind fast völlig unerforscht. Jetzt bricht eine Expedition auf.

Eine Kalamar-Art, entdeckt auf der IUCN-Seeberg-Expedition im November 2009 im südlichen Indischen Ozean.

Quelle: Sarah Gotheil/iunc

Gland. Es ist ein komfortables Boot, die Gefilde sind tropisch, und ein französischer Küchenchef ist an Bord. Trotzdem wird es keine Luxus-Kreuzfahrt, wenn das französische Schiff „Marion Dufresne“ am 23. April von La Réunion im Indischen Ozean aus in See sticht.

Das Forschungsschiff bringt mehr als zwei Dutzend Wissenschaftler in eine unwirtliche Meeresregion, an einen 3000 Meter hohen unterseeischen Berg.

„Diese Seeberge sind ein bisschen wie Oasen“, sagt Aurelie Spadone, Meeresforscherin und Projektmanagerin der Weltnaturschutzunion (IUCN). Sie betreut die Expedition vom Sitz der IUCN in Gland bei Genf aus. „Das Meer ist zwar nicht wie eine Wüste, aber an diesen Bergen entwickeln sich ganz eigene, oft sehr artenreiche Ökosysteme.“ An Bord der „Marion Dufresne“ sind Wissenschaftler des französischen Museums für Naturgeschichte. Sie erforschen Wasserqualität, Salzgehalt, Fische, Quallen und andere Lebewesen.

Unterseeische Gebirge sind gigantische zerklüftete Landschaften. „Da haben schon einige Matterhorn-Qualität“, sagt der Seeberg-Spezialist Bernd Christiansen von der Universität Hamburg. Manche Gipfel sind um die 5000 Meter hoch, es gibt riesige Plateaus, Tausende Meter abfallende Kliffs und steile Hänge. Mindestens 200 000 Berge über 1000 Meter hoch gibt es, schätzen Experten. Nur ein Bruchteil davon ist je untersucht worden. Drei Prozent, schätzt Spadone.

Die Expedition der „Marion Dufresne“ geht an die Walters-Untiefen gut 800 Kilometer südlich von Madagaskar. Die Gipfel ragen dort bis zu 4750 Meter aus dem Meeresgrund. Zum Vergleich: das Matterhorn ist 4478 Meter hoch. Das Besondere ist hier, das manche Bergspitzen kaum 20 Meter unter der Meeresoberfläche liegen. So können Forscher mit normaler Ausrüstung die Hänge untersuchen, auch wenn Hochseetauchen wegen oft unberechenbarer Strömungen gefährlich sein kann.

„Seeberge sind besonders interessant, weil sie anders als der meist mit Schlick bedeckte Meeresboden Fels, Geröll, Algen und oft Seetang haben und dort ganz andere Lebensgemeinschaft leben“, sagt Christiansen. Plankton, Algen, Nesseltiere wie Korallen - das alles lockt kleine Fische an, die wiederum große Fische anlocken.

Bei den Vereinten Nationen wird gerade über neue Regeln beraten, um das Seerechtsübereinkommen von 1994 zu stärken. Es bestimmt etwa, wie viele Kilometer Küstengewässer Länder als exklusive Wirtschaftszonen beanspruchen können. „Aber in den internationalen Gewässern ist es ein bisschen wie im Wilden Westen“, sagt Spadone. Jeder mache, was er wolle. Im Sommer ist das nächste Expertentreffen in New York. Da will die IUCN mit den Expeditionsergebnissen belegen, wie einzigartig und deshalb schutzwürdig Seeberge sind.

„In diesen Ökosystemen gibt es Fische, die erst mit 30, 40 Jahren fortpflanzungsfähig sind“, sagt Spadone. „Und es gibt Korallenbäume, die in 1000 Jahren nur eineinhalb Meter groß geworden sind.“ Dieses Zeitlupentempo bedeute, dass eine Erholung praktisch unmöglich sei, wenn die Habitate einmal durch Schleppnetze zerstört oder die Lebewesen durch Überfischung dezimiert seien.

An den Walters-Untiefen ist das besonders brisant. Weil die Bergspitzen nur wenige Meter unter der Meeresoberfläche sind, tummeln sich dort Fische und sogar Seevögel. Kommerzielle Hochseeflotten haben schon mitbekommen, dass dort reiche Fischgründe sind. 

Bei der Ausbeutung der Meere sind aber auch die Seeberge selbst im Visier, sagt Biologe Christiansen. Im Pazifik gebe es in etwa 1000 Meter Tiefe Berge mit Plateau, die einen Mineralienabbau möglich machten. Manche Berge hätten Ferromangankrusten. Bei einem Abbau würden alle Organismen in Bodennähe zerstört.

dpa

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