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Mit „Wetten, dass..?“ stirbt ein Teil der großen TV-Kultur

Berlin Mit „Wetten, dass..?“ stirbt ein Teil der großen TV-Kultur

Das ZDF zieht die Reißleine: Ende des Jahres ist Schluss mit dem Sorgenkind „Wetten, dass..?“ - Neue Ideen sind in der TV-Unterhaltung gefragt. Doch kaum jemand weiß, woher die kommen sollen.

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Frank Elstner hat mit "Wetten, dass..." TV-Geschichte geschrieben.

Quelle: dpa

Berlin. Das Jahr 2014 wird mit Sicherheit als ein Wendepunkt in der deutschen Fernsehgeschichte in Erinnerung bleiben. Wenn nämlich am 13. Dezember das große ZDF-Paradepferd „Wetten, dass..?“ vom Bildschirm verschwindet, stirbt ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Fernsehkultur. Das letzte Lagerfeuer elektronischer Unterhaltungskunst erlischt, sieht man einmal vom RTL-Spektakel „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ aus dem australischen Dschungel ab.

Zumindest handelt es sich bei „Wetten, dass..?“ um das letzte Lagerfeuer nach altem Strickmuster. Sein Erfinder, Frank Elstner, der im Februar 1981 mit der Sendung beim ZDF loslegte, dokumentierte sein Bedauern sogleich beim Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten: „Wetten, dass Ende! Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen! Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!“.

Und damit hat der 71-jährige Elstner, der sein Leben lang sein Gespür für den Zeitgeist und neue Trends bewahrt hat, gleich das Kernproblem beim Namen genannt: Die Unterhaltung aus der Röhre lässt das junge Publikum kalt. Es lechzt zwar auch nach Entertainment, doch das klassische Fernsehen kann diese Wünsche mit seinen antiquierten und verstaubten Formen im Stil von „Wetten, dass..?“ nicht erfüllen.

Lanz hat viel Spott und Hohn für einige linkische Aktionen im Verlauf seiner 13 Ausgaben seit Oktober 2012 einstecken müssen, doch nicht allein sein Auftreten ist verantwortlich für den Niedergang deutscher TV-Unterhaltung. Auch andere Sender müssen mittlerweile erkennen, dass ihre Shows nur noch selten über die 6-Millionen-Zuschauer-Marke springen - und wenn, besteht die Zuschauerschaft vorwiegend aus der reiferen Generation.

Dass das klassische Unterhaltungsfernsehen mit seinen Ursprüngen aus den sechziger bis achtziger Jahren nicht mehr gefragt ist, zeigen auch die Neuauflagen alter Formate: Die ARD übernahm vom ZDF die Hans-Rosenthal-Legende „Dalli Dalli“ unter anderem Titel („Das ist Spitze!“), fuhr zunächst auch gut damit, doch dann rutschte Moderator Kai Pflaume auch unter die Vier-Millionen-Marke. Beim Neuaufguss von Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“ beließ es die ARD kürzlich vorsichtshalber bei einer Ausgabe.

Für das ZDF, so stellte Intendant Thomas Bellut jüngst in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ klar, rechnet sich so eine Show nicht mehr. Mitunter fallen bis 2,5 Millionen Euro Kosten für eine Ausstrahlung an. Ein Samstagabendkrimi ist deutlich billiger und wird gesehen: Anna Loos und ihr Krimi „Helen Dorn“ erreichte jüngst locker acht Millionen Zuschauer. Das hatte Bellut einst als Vorgabe für Markus Lanz ausgegeben, als dieser „Wetten, dass..?“ übernahm.

5,85 Millionen Zuschauer hatten „Wetten, dass..?“ noch im Februar eingeschaltet - Minusrekord. Trotzdem ein ordentlicher Wert im Vergleich zu anderen Unterhaltungsprodukten. Doch ob nett gemeinte Einlagen wie am Samstag der Hochzeitswalzer mit Hape Kerkeling und Veronica Ferres oder biedereWetten wie Bogenschießen auf Toastscheiben so ein Format retten können, ist zu bezweifeln.

Symbolisch war eines der letzten Bilder von Lanz am Samstagabend: Auf einem Trampolin stehend sprang er wie ein aufgeregtes HB-Männchen auf seinen Moderationskärtchen herum. Papiermüll für die Geschichte.

Von Carsten Rave, dpa

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