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Müllabfuhr gegen Weltraumschrott geplant

Esa-Konferenz Müllabfuhr gegen Weltraumschrott geplant

Alter Weltraumschrott muss weg, neuen Müll soll es möglichst nicht geben. Europas Raumfahrtagentur Esa will sich nun auch selbst einen Überblick verschaffen, was da oben los ist.

Das computergenerierte Bild der ESA zeigt Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten um die Erde kreist.

Quelle: ESA

Darmstadt. Mit einer Art Müllabfuhr im All wollen Raumfahrtagenturen Weltraumschrott aufräumen. Greifarme und Netze zum Einfangen etwa ausgedienter Satelliten „sollen in wenigen Jahren im All demonstriert werden“, sagte Holger Krag zum Ende einer internationalen Konferenz der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

Krag leitete das viertägige Treffen zum Thema Weltraumschrott. „Wir müssen zeigen, dass wir es können. Vorher wird niemand die Technologie einsetzen.“

Die Beseitigung großer Teile sei „notwendig, selbst wenn die Strategie zur Vermeidung von neuem Weltraumschrott konsequent umgesetzt wird.“ Eine Müllabfuhr im All soll das nach dem US-Experten Donald Kessler benannte Kessler-Syndrom verhindern. Bezeichnet wird damit eine unkalkulierbare Kettenreaktion durch Kollisionen, die die Raumfahrt lahmlegen könnte: Trümmerteile stoßen gegeneinander und erzeugen noch mehr Trümmerteile.

Im Esa-Satelliten-Kontrollzentrum diskutierten rund 400 Teilnehmer aus allen wichtigen Raumfahrtnationen über Müll im All. Die Veranstaltung gilt als weltweit größte und wichtigste zu dem Thema. Das Treffen gibt es seit 1993 alle vier Jahre.

„Das wichtigste Ergebnis war, dass dies eine globale Herausforderung ist“, sagte Esa-Chef Jan Wörner. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), zugleich Beauftragte der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, verwies auf Zusammenarbeit: „Beim Thema Weltraumschrott kann man nur gemeinsam vorankommen.“

Neben Beseitigung und Vermeidung von Müll im All sind auch Mega-Konstellationen ein Thema: Schon bald wollen Unternehmen mit einer großen Zahl von kleineren Satelliten etwa für Internet überall auf der Welt sorgen. Damit werden die Bahnen im All immer voller. „Das scheint eine große Herausforderung zu sein, selbst wenn die Unternehmen sich korrekt verhalten“, meinte Krag. Noch fehle „ein internationales Regelwerk, dass Weltraumschrott innerhalb von 25 Jahren wieder in die Erdatmosphäre eintauchen und verglühen muss“, sagte Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die Esa will sich auch einen eigenen Überblick über die Gefahr im All verschaffen. Etwa 18 000 Trümmerteile seien groß genug, um überwacht werden zu können, sagte Krag. Bisher gebe es nur Daten aus den USA. „Wenn wir es in Europa schaffen, zu einem einheitlichen Ansatz zu gelangen, haben wir mittelfristig die Chance, hier zu einer europäischen Autonomie zu kommen.“

Per Radar und Teleskop soll darüber hinaus auch das Ausmaß der kleinen Trümmerteile erfasst werden, über deren Zahl es bisher nur Schätzungen gibt. Laut Esa wird davon ausgegangen, dass es rund 166 Millionen Trümmerteile gibt, die zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter groß sind. „Die kleinen Teile sind auch gefährlich“, sagte Krag. Etwas größere, die geschätzten über 750 000 Objekte zwischen einem und zehn Zentimetern Durchmesser, können bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 40 000 Stundenkilometer die Wucht einer Handgranatenexplosion haben.

dpa

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