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Notstand in den Notaufnahmen

Braunschweig/Berlin Notstand in den Notaufnahmen

Viele Notaufnahmen arbeiten an der Belastungsgrenze: Die Ambulanzen sind zu Stoßzeiten so überfüllt, dass Ärzte mit der Versorgung kaum hinterherkommen. Dabei ist längst nicht jeder Patient ein Notfall.

Viele Patienten kommen mit nur leichten Erkrankungen in die Notaufnahmen an Deutschlands Kliniken.

Quelle: dpa

Braunschweig/Berlin. Ob zur Auffrischung des Impfschutzes, mit entzündetem Insektenstich oder schlicht mit einem dickem Schnupfen - millionenfach bevölkern Patienten mit leichten Erkrankungen die Notaufnahmen an Deutschlands Kliniken. Die Ersatzkassen wie Techniker, Barmer GEK oder DAK-Gesundheit schlagen nun Alarm. Folge der Missstände seien nicht nur lange Wartezeiten - sondern auch wachsende Risiken für die Versorgung von Schwerkranken, warnt ihr Verband vdek.

Insgesamt gehen Patienten laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) mehr als 20 Millionen mal jedes Jahr in die Notaufnahme - davon bleiben rund elf Millionen Fälle ambulant, also ohne dass die Patienten in der Klinik bleiben müssten. Mindestens jeder dritte dieser Patienten könnte genauso gut in die Praxis eines niedergelassenen Arztes gehen. Dies ergab ein bundesweites Gutachten.

Joachim Szecsenyi, der für den Ersatzkassenverband vdek federführend eine neue Studie zum Run auf die Ambulanzen geschrieben hat, meint, das Problem fange bei schwindendem Bewusstsein der Menschen zur eigenen Gesundheit an. „Die Patienten müssten besser informiert werden: Wann muss ich überhaupt zum Arzt?“ Wo früher bei einem fiebernden Kind ein Wadenwickel erstmal ausreichte, ist heute am Wochenende, wenn der Arzt geschlossen hat, oft die Klinik die erste Anlaufstelle.

Die Klinik steht mit dieser Situation nicht allein da. „Wenn ich mich international mit Ärzten unterhalte, dann sind die prinzipiellen Probleme in der Notfallversorgung überall gleich“, sagt Martin Möckel, der an der Berliner Charité drei Notaufnahmen in verschiedenen Bezirken vorsteht. Pro Jahr kommen dort 120 000 Patienten. Zu Wartezeiten und der Zahl der Patienten pro Arzt gibt es zwar keine Daten. In mehreren Studien gehen Forscher des Uniklinikums aber der zunehmenden Überfüllung auf den Grund.

Auffallend ist, dass unter den Notfall-Patienten überproportional viele Menschen mittleren Alters sind. Und die kommen nicht etwa dann zum Krankenhaus, wenn die Arztpraxen geschlossen haben. Den höchsten Zulauf haben die Kliniken tagsüber. Die Erwartungshaltung habe sich verändert, meinen Praktiker. Manche Patienten wollen nicht lange auf einen Facharzttermin warten, wenn sie im Krankenhaus das Komplettprogramm bekommen. Die Rundum-Diagnose in der Klinik werde teils auch von Hausärzten empfohlen, sagt Möckel.

Für die Krankenhäuser sind ambulante Fälle in der Notfallaufnahme finanziell ein Verlustgeschäft. Pro Patient entstehen im Durchschnitt etwa 100 Euro Kosten. Rund 40 Euro bekommen die Krankenhäuser anschließend erstattet. Experten gehen davon aus, dass wirkliche Notfälle oft später als möglich behandelt werden, weil in den Ambulanzen so viel los ist.

Eine Szene aus einer Braunschweiger Notaufnahme: Eine Patientin wartet und wartet und wartet - seit vier Stunden. Wegen eines Schwindelgefühls war sie bereits beim Hausarzt, der hat sie ins Krankenhaus überwiesen. „Ich verstehe das Problem“, sagt sie, „aber gerade, wenn man sich nicht gut fühlt, ist die Warterei unangenehm“. Doch was tun?

Der Ersatzkassenverband vdek wartet mit einem Vorschlag auf - der Kliniken und der niedergelassenen Ärzteschaft aber viel Kooperationswillen abverlangt. Dreh- und Angelpunkt sollen Portalpraxen sein, also Anlaufstellen in allen Kliniken mit Notaufnahme. Hier soll fachkundiges Personal entscheiden, ob ein Patient sofort in der Notaufnahme behandelt werden muss - oder die Sache etwas mehr Zeit hat. Dann sollen die Patienten in von niedergelassenen Ärzten betriebenen Notdienstpraxen behandelt werden. Die gibt es heute schon, aber laut vdek-Gutachter Szecsenyi arbeiten viele heute nicht so gut, wie es sein sollte.

Ist ein Leiden aber gar nicht akut, dann sollen Patienten auch in normale Praxen verwiesen werden - selbst wenn sie bereits in der ersten Anlaufstelle des Krankenhauses sind. Spannend dürfte werden, wie das bei den Betroffenen ankommt.

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