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Resistente Keime: Was Ärzte, Kliniken, Patienten tun können

Wettlauf mit der Zeit Resistente Keime: Was Ärzte, Kliniken, Patienten tun können

Am Tag gegen Antibiotika-Resistenzen versuchen Gesundheitsexperten, das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit - aber nicht aussichtslos.

Eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien.

Quelle: Daniel Karmann/archiv

Brüssel. Es ist für viele eine erschreckende Vorstellung: Man kommt schwer krank, zum Beispiel mit einer Lungenentzündung, zum Arzt - und der kann nichts tun. Die bei Infektionen lange als Wunderwaffe eingesetzten Antibiotika schlagen immer häufiger nicht an, weil Erreger resistent dagegen geworden sind.

Dass überhaupt kein Mittel mehr hilft, ist zwar noch die Ausnahme - schon jetzt aber sind jährlich Tausende Patienten in Europa betroffen. Zum Tag gegen Antibiotika-Resistenzen mahnten Experten am Freitag in Brüssel Gegenmaßnahmen an. Wichtige Fragen und Antworten dabei:

Warum gibt es überhaupt Resistenzen?

Bakterien entwickeln sich ständig weiter, um zu überleben. Zufällig können bei diesen Prozessen auch Erbgutänderungen entstehen, die Killermittel wie Antibiotika wirkungslos machen. „Dass Resistenzen entstehen, ist eine natürliche Entwicklung“, erklärt Andrea Ammon, amtierende Direktorin des europäischen Präventionszentrums ECDC. „Das Einzige, was man tun kann, ist diese Entwicklung zu verlangsamen.“

Warum ist das gefährlich?

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Wenn alte Antibiotika nicht mehr helfen, müssen neue entwickelt werden, auf die sich die Bakterien noch nicht eingestellt haben. Doch die Mikroben sind derzeit schneller: „2015 nahm die Resistenz gegen Antibiotika bei den meisten beobachteten Bakterien und Antibiotika weiter zu“, meldet das ECDC. Bis zu 25 000 Todesfälle jährlich werden in Europa mit Resistenzen in Verbindung gebracht.

Für den Atemwegs-Erreger Klebsiella pneumoniae gilt: In mehr als einem Drittel der Fälle waren die Bakterien gegen mindestens ein Antibiotikum resistent. In 8,1 Prozent der Fälle wirkten noch nicht einmal sogenannte Reserve-Arzneien, die sich Ärzte für absolute Notfälle aufheben. „Wenn jetzt diese letzte Linie auch nicht mehr wirkt, dann ist einfach nichts mehr da“, sagt Ammon. „Deswegen ist es so wichtig, dass jetzt Maßnahmen ergriffen werden.“

Was können Ärzte tun?

Kritiker bemängeln, dass Antibiotika verordnet werden, obwohl sie gar nicht nötig oder sinnlos sind, etwa bei Virusinfektionen. Der Hauptappell der Fachleute lautet deshalb: sehr genau prüfen, ob gleich die Wunderwaffe abgefeuert werden muss - und ob sie überhaupt treffen kann. Laut ECDC werden in Finnland, den Niederlanden und Schweden inzwischen weniger Antibiotika geschluckt als noch vor Jahren. In den Niederlanden entfielen im vergangenen Jahr 10,7 Tagesdosen pro Tag auf 1000 Einwohner. Dagegen waren es in Griechenland 36,1 Tagesdosen.

Was können Kliniken tun?

In die Krankenhäuser kommen Schwerkranke - und damit potenziell Patienten mit resistenten Keimen. Die Kliniken sollten deshalb vor allem darauf achten, dass sich die Erreger nicht ausbreiten, sagt Ammon. Schwerkranke sollten zunächst getrennt von anderen Patienten aufgenommen und getestet werden. Zudem sollten Hygienestandards strikt eingehalten werden, vor allem die Desinfektion der Hände.

Was können Patienten tun?

Viele Menschen wüssten heute besser über Antibiotika und Resistenzen Bescheid, sagt Ammon. „Aber da ist schon noch Raum für Verbesserungen.“ Bei einem Schnupfen, der aller Wahrscheinlichkeit auf ein Virus zurückgeht, solle man erst gar nicht erst zum Arzt gehen. Und wenn man sich doch untersuchen lässt, solle man akzeptieren, wenn der Mediziner von einem Antibiotikum abrät. Es sei durchaus möglich, die Ausbreitung resistenter Keime zu bremsen, so die ECDC-Chefin. „Es besteht überhaupt kein Anlass zu verzweifeln.“

dpa

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