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Steinzeitliches Massaker: Knochen offenbaren Gewaltausbruch

Cambridge Steinzeitliches Massaker: Knochen offenbaren Gewaltausbruch

Am Ufer des Turkanasees müssen sich einst grausame Szenen abgespielt haben. Darauf lassen Verletzungen an gefundenen Skeletten schließen und ihre Lage im Sediment. Doch was löste das Gemetzel aus - und warum blieben kleine Kinder und Hochschwangere nicht verschont?

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Forscher haben Hinweise auf ein steinzeitliches Massaker beim Turkanasee entdeckt.

Quelle: Marta Mirazon Lahr

Cambridge. Nahe des Turkanasees im heutigen Kenia haben Forscher Hinweise auf ein steinzeitliches Massaker entdeckt. Eine Hochschwangere, deren Hände und Füße möglicherweise zusammengebunden waren, sowie sechs Kinder.

Die Knochen weisen auf ein schauerliches Gemetzel hin. Insgesamt seien Überreste von mindestens 27 Menschen gefunden worden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“. Zwölf Skelette waren demnach recht gut erhalten, zehn davon wiesen klare Zeichen von heftiger, wohl sofort tödlicher Gewalt auf.

Eingeschlagene Schädel und Jochbeine zählten dazu, gebrochene Rippen, zertrümmerte Hand- und Kniegelenke sowie - wohl von steinernen Spitzen herrührende - Verletzungen, berichtet das Team um Marta Mirazón Lahr von der Universität Cambridge (Großbritannien). In einem Schädel und einem Oberkörper steckten insgesamt drei steinerne Spitzen: zwei aus in der Region seltenem, aus Lava entstehendem Obsidian und eine aus Feuerstein. Bei einigen Skeletten wies die Lage der Knochen darauf hin, dass die Opfer möglicherweise gefesselt waren.

Die Getöteten seien nicht begraben worden, schreiben die Forscher. Mehrere von ihnen seien damals in eine Lagune des Sees gefallen oder gestoßen worden, die inzwischen längst ausgetrocknet sei. Im Sediment seien die Knochen der 21 Erwachsenen - darunter mindestens acht Frauen - und sechs Kinder bis zu ihrer Entdeckung 2012 konserviert worden. Die Überreste lagen in der Ausgrabungsstätte Nataruk westlich des Turkanasees im Norden Kenias.

Wahrscheinlich sei eine Gruppe des Jäger-und-Sammler-Volkes, vielleicht ein Familienverband, am Ufer der Lagune von einem rivalisierenden Clan angegriffen worden, mutmaßen die Wissenschaftler. Ob dies bei einem zufälligen Aufeinandertreffen oder wegen eines Streits um Ressourcen wie Land oder Nahrung geschah, sei unklar. Die Stelle war demnach wohl ein guter Platz zum Leben - mit Trinkwasser und Fischen direkt am Lager. Gefundenes Töpfergut weise darauf hin, dass Nahrungsmittel gehortet wurden.

Funde wie diese sind demnach selten - und besonders rar sind Belege für Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen von Jäger-und-Sammler-Gesellschaften. Sie erlaubten daher wertvolle Rückschlüsse auf die Ursprünge von Kriegen und die Entwicklung der Beziehungen zwischen frühen Menschen.

Kriegerische Auseinandersetzungen habe es wohl nicht erst bei den sesshaften Ackerbau-Gesellschaften gegeben, schreiben die Forscher. Ungewöhnlich sei allerdings, dass auch die Frauen und Kinder getötet wurden. Üblicherweise seien sie in die Gruppe der Sieger integriert worden, nur die unterlegenen Männer wurden getötet.

Im vergangenen Jahr hatten Forscher im Fachmagazin „PNAS“ über ein Massengrab im hessischen Schöneck-Kilianstädten in der Nähe von Frankfurt am Main berichtet. Überreste von 26 Menschen waren dort entdeckt worden, die während der Jungsteinzeit vor etwa 7000 Jahren gefoltert und erschlagen wurden.

Die Funde ließen sich allerdings nur bedingt vergleichen, sagt der Anthropologe Christian Meyer, der die Studie damals gemeinsam mit Kollegen an der Universität Mainz durchführte: Während die Überreste aus Schöneck-Kilianstädten von sesshaften Menschen stammten, gehe der nun vorgestellte Fund auf einen Konflikt zwischen Jäger-Sammler-Gruppen zurück.

„Aus der Ethnologie weiß man, dass solche relativ kleinen und mobilen Gruppen einander bei Konflikten eher aus dem Weg gehen“, so Meyer. Umso bemerkenswerter sei nun der Fund in Kenia, auch wegen seines Alters. Allerdings lasse sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich um einen Konflikt zwischen zwei Gruppen oder um eine Auseinandersetzung innerhalb einer größeren Gruppe handele.

Meyer überzeugt die Studie vor allem durch die Pfeilspitze, die in einem der Knochen steckte. „Das ist der sicherste Beleg für gezielte Gewalt oder kriegsähnliche Geschehnisse in diesem Kontext.“ Dass es sich um eine gewaltsame Auseinandersetzung gehandelt habe, sei eine logische Schlussfolgerung. „So lange es Menschen gibt, die Gruppen bilden und eine Gruppenidentität haben, so lange wird es auch Konflikte geben - egal ob vor 10 oder 10 000 Jahren.“


Studie (nach Ablauf der Sperrfrist)

dpa

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