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Von Königinnen und Eintagsfliegen

Berlin Von Königinnen und Eintagsfliegen

Vor 125 Jahren fand die erste Miss-Wahl Europas statt. Knochenarbeit mit Charme, Schärpe und Krönchen. Ein Blick zurück.

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Petra Schürmann brachte Glamour in die Nachkriegswelt. Sie wurde 1956 zur „Miss World“ gekürt.

Quelle: dpa

Berlin. Oberweite, Umfang Taille, Umfang Hüfte und bitte keine Nacktfotos: Wer heute Miss Germany werden möchte, muss ein langes Formular ausfüllen. Datenschützern mag es Schweißperlen auf die Stirn treiben, jungen Frauen nicht. Rund 5000 wollen jedes Jahr Titel, Schärpe und Krönchen erobern. Sie stehen in einer langen Tradition. Im September 1888 gab es im mondänen belgischen Badeort Spa den ersten Schönheitswettbewerb Europas.

Mit diesem Bild bewarb sich Hildegard Kwandt im Jahr 1927 in Berlin bei der Wahl zur Miss Germany. Am 5. März 1927 wurde sie aus 22 Bewerberinnen zur ersten Miss Germany gewählt.

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Die erste Schönste des Kontinents hieß Marthe Soucaret, und ihre Pose erinnert an eine griechische Statue nur mit Dekolleté. Die Wahl im Kursaal gehörte damals zu den gesellschaftlichen Top-Ereignissen und erinnerte an die Krönung einer Königin. Wer heute Miss-Germany-Wahlen in Einkaufszentren beobachtet, wird diesen glamourösen Anfang kaum erahnen. In Berlin waren sie mit so illustren Namen wie Marlene Dietrich oder Heinrich Mann verknüpft, die sich für den Titel Miss Germany stark machten. Und auch das „Wir-sind-wieder-wer“-Gefühl der westdeutschen 1950er Jahre, als es Petra Schürmann (1933-2010) zum Nationalsymbol brachte, war beachtlich. Alles Vergangenheit.

Totsagen wollen Soziologen die Miss Wahlen trotzdem nicht. Allerdings seien sie heute nur ein Unterhaltungsformat von vielen, sagt Veit Didczuneit, Forscher am Berliner Museum für Kommunikation. Gegen die Casting- und Talentshows im Fernsehen wirkten sie sogar eher altbacken. „Da geht es um mehr als 90-60-90“, ergänzt Didczuneit. Das Prinzip sei aber immer gleich, ob nun züchtige, hausbackene oder sexy Kandidatinnen gefragt seien: Der Siegerin winken Anerkennung und Preise, den Veranstaltern Gewinn.

Wer kennt schon Caroline Noeding, die amtierende Miss Germany? Ralf Klemmer, der sich die Marke „Miss Germany“ gesichert hat und das dazugehörige Unternehmen betreibt, sieht das naturgemäß anders. „Caroline studiert Mathematik und hat schon George Clooney getroffen“, sagt er. Doch auch Klemmer räumt ein, dass Miss-Wahlen heute eine „Kleinstadt-Sache“ seien. Das Motiv der Bewerberinnen? „Viele Mädchen wollen dem Alltag entfliehen“, antwortet er. Die Landessiegerinnen bekämen einen Computer, die Miss Germany ein Auto.Misswahlen waren immer Produkte der Unterhaltungs- und Werbeindustrie“, weiß Didczuneit.Doch gerade deshalb passten sie manchmal nicht ins System. In der Nazi-Zeit mit dem Frauenideal des Heimchens am Herd wagte niemand eine solche Kür. Auch die junge DDR lehnte Misswahlen ab und setzte auf die „Heldin der Arbeit“.

Nach der Blüte in den westdeutschen 50er und 60er Jahren bekamen Miss Wahlen einen neuen Gegner: die Frauenbewegung, die gegen die „Fleischbeschau“ zu Felde zog. Später machten sich in Deutschland konkurrierende Veranstalter das Leben schwer. Und die Siegerinnen mussten sich gegen ein „Friseusen-Image“ zur Wehr setzen. Einzelne schaffte es trotzdem, ihren Titel als Sprungbrett zu nutzen. Am besten mag Verona Feldbusch in Erinnerung bleiben, Miss Germany 1993.

Skurille Schönheitswettbewerbe

Miss Plastic: Wer an dieser Wahl in Ungarn teilnehmen will, muss ordentlich manipuliert haben – chirurgisch. Vorgeführt werden dann die schönsten Plastikbrüste, künstlichen Nasen und gelifteten Gesichter. Weitere Voraussetzung für die Teilnahme: Die Damen müssen ihre Tuningmaßnahmen mit einem ärztlichen Attest und einem Vorher-Nachher-Bild nachweisen können.

Miss Schwiegermutter: Mama ist für italienische Männer die Beste. 2007 rief der mittelitalienische Ort Gatteo Mare zur Wahl der liebsten Schwiegermutter auf. Es gewann die 95-jährige Maria Kostenbaumer.

Miss Atom: Die Kür sollte den Ruf der russischen Atomindustrie nach der Katastrophe von Tschernobyl aufpolieren. 2003 startete der Wettbewerb, in dem sich hübsche Mitarbeiterinnen aus Atommeilern zur Wahl stellen. Auch andere russische Branchen haben den Werbefaktor entdeckt. So gibt es auch die schönste „Miss Öl und Gas“.

Miss Unfrei: Litauen wählte 2012 die schönste Kriminelle. Die Fernsehshow fand in einem Frauengefängnis statt, acht Inhaftierte kandidierten. Die Siegerin wünschte sich, so schnell wie möglich in Freiheit zurückzukehren. Haftverschonung gab es nicht.

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