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Wie viel Kevin steckt in Ihrem Vornamen?

Umstrittene App Wie viel Kevin steckt in Ihrem Vornamen?

Ein Namensforscher aus Schleswig-Holstein will Eltern bei der Suche nach dem richtigen Vornamen für ihr Kind helfen. Er hat dafür eine App herausgebracht – sie berechnet das angebliche Risiko, dass Kinder später wegen ihres Vornamens gehänselt werden. Die größte Wahrscheinlichkeit haben demnach Kevin und Chantal.

Namensforscher Knud Bielefeld.

Quelle: dpa

Ahrensburg. Der Name Kevin stammt aus dem Altirischen und bedeutet „hübsch, anmutig von Geburt“. Seitdem hat er sich in der Einschätzung vollkommen geändert und steht heute als Synonym für bildungsfern und verhaltensauffällig. Wer sein Kind Kevin nennt, legt ihm die Vorurteile gleich mit in die Wiege.

Um das zu vermeiden, hat der Ahrensburger Namensforscher Knud Bielefeld jetzt eine App entwickelt – das Kevinometer. „Man tippt einen Namen ein, und das Kevinometer zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf der Kevinskala ist, dass der Name mit Vorurteilen behaftet ist“, erläutert Knud Bielefeld.

Reaktion auf Sorgen von Eltern

Er wählt Eric, und der Name liegt auf der Skala des Kevinometers mit 21 Prozent im grünen Bereich. Bei Maddox springt die Anzeige auf rote 51 Prozent und signalisiert damit, dass hier Vorurteile wie beim Kevinismus mitschwingen können.

„Mich haben immer wieder Eltern gefragt, weil sie Angst hatten, ihrem Kind einen Namen zu geben, der Vorurteile auslösen könnte“, erzählt Knud Bielefeld, der seit Jahren deutsche Vornamen erforscht und jedes Jahr eine Hitliste der beliebtesten Vornamen veröffentlicht.

Kevin und Chantal als Maßeinheit

„Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, eine App dazu zu entwickeln.“ Bielefeld las wissenschaftliche Studien, wertete Umfragen aus und ließ nach seinem System eine App programmieren, die er Kevinometer taufte.

In der Maßeinheit Kevin – mit Abstand der am meisten mit Vorurteilen behaftete Name – misst die App nach Geschlechtern getrennt den Wert des Vornamens. Das weibliche Gegenstück zu Kevin in Bielefelds Programm ist Chantal. Die App kostet einmalig 99 Cent.

Umfrage unter Lehrern

„Auslöser der Kevin-Verachtung war 2009 eine Umfrage unter Lehrern zu ihren Assoziationen zu Vornamen, die eine Studentin der Universität Oldenburg für ihre Master-Arbeit gemacht hat“, erläutert Knud Bielefeld Kevins Niedergang.

„1991 war Kevin noch der häufigste Jungenname. Die Umfrage ergab, dass die Lehrer mit Kevins schlechte Erfahrungen gemacht hatten.“ Die Studie gipfelte in der Aussage: Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.

Seitdem ist der Name mit negativen Eigenschaften verbunden, dabei war er ursprünglich positiv besetzt. 1974, so Knud Bielefeld, habe es eine TV-Serie namens „Black Beauty“ gegeben, in der der junge Hauptdarsteller Kevin hieß.

Früher war Kevin beliebter

„Danach konnte man einen Anstieg des Namens in der Hitliste beobachten“, sagt Knud Bielefeld. Fußballspieler Kevin Keegan vom HSV verstärkte 1977 den Trend, und Kevin Bacon („Footloose“) sowie Kevin Costner und „Kevin allein zu Haus“ gaben dem Namen weiter Auftrieb.

Dann kam die Wende, die sich zuvor schon in einer Süßigkeit abgezeichnet hatte. „2005 hatte ein Hersteller das Gesicht auf seiner populären Schokoladentafel ausgetauscht“, berichtet Bielefeld.

„Danach hat sich eine Gruppe gebildet, die unter dem Motto ’Weg mit Kevin’ die Rückkehr zum vorherigen Kindergesicht gefordert hat. Dabei hieß das neue Kind gar nicht Kevin.“

Auf Platz 280 abgerutscht

Der Vorname erhielt damit einen schlechten Beigeschmack, der sich mit den Jahren verstärkte und in der Umfrage 2009 gipfelte. „Kevin und Adolf sind die beiden Namen, die in Deutschland gar nicht gehen“, erklärt Bielefeld.

Dennoch, so der Namensforscher, gebe es auch heute noch Eltern, die ihren Sohn Kevin nennen, allerdings liege der Name bei der Beliebtheit mittlerweile auf Rang 280. Auch Adolf gibt es noch. „Aber meist als Zweitnamen, weil er in der Familie Tradition ist.“

Kevin bringt 100 Prozent im Kevinometer, Maddox oder Lennox haben ebenfalls den Vorurteilsfaktor. Franz und Ben erreichen dagegen Ergebnisse zwischen 1 und 25 Prozent. Mia landet bei 60 Prozent.

„Nicht zu ernst nehmen“

Knud Bielefeld hat schon viele Rückmeldungen erhalten, auch von Eltern, die seine Einschätzung der Namen nicht teilen. Deshalb hat er bereits eine zweite, verbesserte Version auf den Markt gebracht. „Man darf das Kevinometer nicht zu ernst nehmen“, sagt er. „Es ist noch experimentell und kein wissenschaftlich abgesichertes Ergebnis. Aber es macht Spaß.“

Sein eigener Vorname ist erst spät bekannt geworden: „Den Namen Knud kannte kaum jemand, ich habe früher oft Post an Herrn Knud in Bielefeld bekommen. Seit dem Eisbär mit Namen Knud kennt ihn jeder.“

Kevinometer-Test für bestimmte Vornamen

Die App des Namensforscher Knud Bielefeld berechnet nach dessen Angaben die sogenannten Kevin-Wahrscheinlichkeit für mehr als 60.000 Vornamen. Das Ergebnis wird in Prozent angegeben. Mit Kevin-Wahrscheinlichkeit meint Bielefeld die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Name Vorurteile auf sich zieht. Er stützt seine Ergebnisse auf sprachwissenschaftliche Analysen, soziologische Forschungen und historische Erhebungen sowie Ranglisten, wie er sagt. Unter den Benutzern der App (iOS und Android) ist das Programm umstritten: Einige loben die Anwendung und nennen sie „nützlich“, andere kritisieren sie und bezeichnen die Ergebnisse als „fragwürdig“.

Wie funktioniert die App? Der Benutzer gibt einen Vornamen und das Geschlecht dazu ein – kurz darauf erfährt er die von Bielefeld berechnete Kevin-Wahrscheinlichkeit. Hier eine Auswahl:

Weibliche Vornamen

Sophie: 3 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Marie: 3 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Alexandra: 21 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Chantal: 46 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Mia: 24 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Emma: 3 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Mandy: 24 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Elisabeth: 4 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Männliche Vornamen

Maximilian: 17 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Alexander: 3 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Markus: 10 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Kevin: 100 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Ben. 25 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Paul: 2 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Maik: 26 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Pascal: 14 Prozent Kevin-Wahrscheinlichkeit

Von Bettina Albrod/LN/RND

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