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Wolf vermehrt sich weiter in Deutschland

46 Rudel nachgewiesen Wolf vermehrt sich weiter in Deutschland

Der Wolf ist um die Jahrtausendwende aus Polen nach Deutschland zurückkehrt. Inzwischen sind die Tiere in mehreren Bundesländern heimisch - Experten sehen aber noch Luft nach oben und warnen vor unbegründeten Ängsten.

Die wenigsten Wölfe in Deutschland sterben eines natürlichen Todes.

Quelle: Bundesforstbetrieb Grafenwöhr/lfu

Berlin/Bonn. Knapp ein halbes Jahr nach der Debatte um „Problemwolf“ Kurti hat der Ruf von Wölfen nach Experteneinschätzung gelitten.

Der Fall des verhaltensauffälligen Tieres in Niedersachsen habe dem Ansehen „massiv geschadet“, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Professorin Beate Jessel, in Berlin. Mit Blick auf den nach aktuellen Daten starken Anstieg der Population in Deutschland betonte Jessel, dass bislang sehr wenig auffälliges Verhalten beobachtet werde. Künftig soll ein neues Konzept Behörden bundesweit helfen, das Verhalten von Wölfen einzuschätzen.

Kurti war im April erschossen worden, nachdem er sich mehrfach Menschen genähert hatte. Er war vermutlich von Menschen angefüttert und deshalb zutraulich geworden, wie Jessel sagte.

In Deutschland leben nach den neuesten Daten von BfN und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) immer mehr Wölfe. Es gibt Nachweise für 46 Rudel, 15 Paare und 4 sesshafte Einzeltiere. Das entspricht 120 bis 130 erwachsenen Wölfen. „Wir haben es mit einer deutlichen Steigerung zu tun“, sagte Jessel. Im vergangenen Beobachtungsjahr war man noch von etwa 110 erwachsenen Wölfen und nur 31 Rudeln ausgegangen. Jungtiere spielen in den Daten eine untergeordnete Rolle, da sie oft nicht überleben. Insgesamt sprach Jessel von einer „Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“.

Gleichwohl wissen die Experten um Ängste in der Bevölkerung und Vorbehalte bei Tierhaltern. Für von Wölfen getötete Nutztiere wurden nach BfN-Angaben 2015 knapp 108 000 Euro Ausgleichszahlungen geleistet. Bürger sichten Wölfe gelegentlich auch in Orten und auf Straßen in besiedelten Gebieten. Die Tiere legten große Strecken zurück und gingen Menschen möglichst aus dem Weg, betonte Ilka Reinhardt, Projektmitarbeiterin der Anfang 2016 gegründeten DBBW. „Sie können sich aber nicht unsichtbar machen.“

„Es ist nicht problematisch, wenn ein Wolf aus 50 Meter Entfernung nicht sofort vor einem Auto wegläuft“, so die Expertin. Menschen im Auto seien für Wölfe nicht erkennbar. Wenn sich ein Tier näher als 30 Meter an Fußgänger herantraue, gelte es, genauer hinzusehen. Jede Beobachtung werde ernstgenommen.

„Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren“, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), Leif Miller, am Freitag. Er appellierte an alle Bundesländer, sich auf die Rückkehr des Wolfs vorzubereiten.

Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte dann erstmals ein Wolfspaar aus Polen zu. Die meisten Tiere leben nun in Sachsen und Brandenburg. Aktuelles nachweisliches Verbreitungsgebiet ist ein noch lückenhaftes Band von der Lausitz im Osten bis ins westliche Niedersachsen. Von dort könnten sich die äußerst anpassungsfähigen und mobilen Tiere möglicherweise in ganz Deutschland ausbreiten, sagte Jessel: „Potenziell ist ganz Deutschland Wolfserwartungsland.“ Rein rechnerisch könnten maximal 440 Wolfsrudel Platz finden. „Ich glaube aber nicht, dass wir das jemals erreichen werden“, sagte Jessel.

Denn trotz der positiven Entwicklung der streng geschützten Tiere sprechen Experten noch von einer „ungünstigen Erhaltungssituation“. Es lauern noch viele Gefahren: Größter Feind sei nach wie vor der Mensch, so Jessel. Nur 14 der 147 Wölfe, die seit 2000 in Deutschland tot aufgefunden wurden, seien nachweislich eines natürlichen Todes gestorben. Der Großteil wurde überfahren, einige andere erschossen. Erst kürzlich wurde in Brandenburg zum wiederholten Mal ein toter Wolf mit abgetrenntem Kopf gefunden.

dpa

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