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Abschied in Schwarz-Rot-Gold: König Bhumibol wird verbrannt

Ganz Thailand trauert Abschied in Schwarz-Rot-Gold: König Bhumibol wird verbrannt

Thailand trägt wieder schwarz. Mehr als ein Jahr nach seinem Tod wird der Leichnam des beliebten Königs Bhumibol eingeäschert. Zur Trauerfeier sind Hunderttausende in Bangkok auf den Straßen - ein Spektakel auch mit Deutschland-Bezügen.

Thailands König Maha Vajiralongkorn (M.) beim feierlichen Trauerzug anlässlich der Einäscherung des verstorbenen Königs Bhumibol. 

Quelle: Sakchai Lalit

Bangkok. Natürlich ist es für jeden Thai eine große Ehre, beim Abschied von König Bhumibol in Bangkok dabei zu sein. 70 Jahre und 126 Tage war er ihr Oberhaupt, so lange wie noch nie ein Monarch zuvor.

Mehr als 100 000 Königstreue beugen sich nieder, so tief es nur geht, als die Prozession mit der mannshohen königlichen Urne an ihnen vorbeizieht. 7500 Priester, Soldaten und Höflinge dürfen selbst mitmarschieren. Bei all der Trauer, all dem Pomp, all dem Prunk gibt es aber auch Jobs, um die man sich vielleicht nicht unbedingt reißt.

Wie zum Beispiel die Aufgabe, die 280-Kilo-Urne am Donnerstag auf den rund 225 Jahre alten Streitwagen zu bringen, mit dem sie transportiert wird, und diese Urne auf dem goldenen Gefährt dann an genau die richtige Stelle zu rücken. Dem zuständigen Höfling gelingt die Sache perfekt - zum Glück. Vermutlich hatte er sich doch einige Gedanken gemacht, was alles schief gehen könnte.

Der endgültige Abschied vom König, der schon vor mehr als einem Jahr starb, mit 88 Jahren, als dienstältester Monarch der Welt, ist ein weltweit einmaliges Spektakel. Fünf Tage zieht er sich hin, bis Sonntag noch. Das alles folgt einem uralten Ritual, einer Mischung aus buddhistischen und hinduistischen Traditionen, wie es hier schon seit vielen Jahrhunderten nach dem Tod von Regenten üblich ist.

Allerdings hat das Land seit 1950 keine solche Bestattung mehr gesehen. Damals wurde Bhumibols Bruder Ananda Mahidol eingeäschert, der unter rätselhaften Umständen durch eine Kugel getötet wurde. Für Bhumibol - bekannt auch als Rama IX. - wurde nun eigens ein Tempelkomplex mit einem 58 Meter hohen Krematorium errichtet, ein goldener Nachbau des mythischen Berges Meru, der für Buddhisten und Hindus Mittelpunkt des Universums ist.

Zehn Monate zogen sich die Arbeiten hin. Geschätzte Gesamtkosten: 75 Millionen Euro. Geschmückt ist der Bau mit 622 Skulpturen von Göttern wie Indra, Brahma, Narayana oder Shiva, mit Fabelwesen wie dem Vogelmenschen Garuda, dem Löwen Hemmarat, der den Kopf eines Schwanes hat, oder dem Elefantenvogel Kotchapaksa. Aber auch die lebensgroßen Abbildungen von Bhumibols beiden Lieblingshunden sind dabei.

Wie überhaupt, bei aller Tradition, auch immer wieder Anklänge an die Moderne gemacht werden. Dazu gehört, dass neben alter Thai-Musik (die für europäische Ohren auf Dauer dann doch eher schwer zu ertragen ist) beim Trauermarsch auch Kompositionen des Königs gespielt werden. Bhumibol war als großer Jazz-Liebhaber bekannt.

Drei Farben sind bei dem Spektakel vorherrschend: das Schwarz, das die Trauernden am Straßenrand tragen, das Rot der Uniformen, welche viele Höflinge und auch der neue König Maha Vajiralongkorn (Rama X.) anhaben, sowie all das Gold der Bauten. Ein Abschied in Schwarz-Rot-Gold gewissermaßen.

Für Deutschland ist - inmitten von Königinnen, Königen, Kronprinzen aus allen möglichen internationalen Häusern - der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff in Bangkok dabei. Viel Prominenz, aber nicht über die Maßen. Dass Thailand nach einem Putsch 2014 immer noch vom Militär regiert wird, ohne dass es einen sicheren Termin für Wahlen gibt, spielt dabei durchaus eine Rolle.

Im Mittelpunkt der Zeremonie: die königliche Urne, die über zwei Kilometer vom Großen Palast zum Krematorium gebracht wird. Bei dieser Urne handelt es sich allerdings nicht um ein Gefäß, in das die Asche kommt. Es ist eine Art Schrein, mit dem eigentlich der Leichnam zur Einäscherung gebracht wird. Und bei Bhumibols Bestattung hat die Urne zudem nur symbolischen Wert - sie ist leer. Die Leiche des Monarchen, den man ein Jahr lang nach allen Regeln der Kunst konserviert hatte, wurde bereits am Abend zuvor in aller Stille aus dem Großen Palast in einem Sarg zum Sanam-Luang-Feld gefahren, dem Ort der Einäscherung.

Im Thailändischen nennt man dies Luk Phra Sop - wörtlich übersetzt: den königlichen Körper stehlen. Wobei damit natürlich kein echter Diebstahl gemeint ist. Aber man hat das auch schon früher gemacht, um Probleme bei der eigentlichen Prozession zu vermeiden. Bekannt ist bereits ein Fall von 1886, als der Leichnam eines Prinzen sogar mit dem Boot vorab nach Sanam Luang transportiert wurde.

Bhumibol verfügte nun allerdings als erster Thai-Monarch überhaupt, im Sarg verbrannt zu werden. Viele Landsleute sehen darin einen weiteren Beweis dafür, wie nahe er trotz seines immensen Reichtums (geschätztes Vermögen: mehr als 35 Milliarden Euro) den kleinen Leuten war. Innerer Teil der Urne und Sarg sollten am Abend gemeinsam verbrannt werden. Wie üblich, sollte der neue König den Scheiterhaufen selbst in Brand setzen.

Dem Glauben nach steigt Bhumibols Seele mit der Verbrennung dann in den Himmel auf. Seine Asche soll in einem Tempel aufbewahrt werden, der zum Großen Palast gehört. Der Tempelkomplex von Sanam Luang kann im November noch besichtigt werden, bevor er wieder abgebaut wird.

Und dann? Viele Thai verbinden mit dem Abschied von Bhumibol eine ungewisse Zukunft. Die 64-jährige Saengjan Klantanon, eine der vielen Frauen am Straßenrand, weint: „Unsere Majestät war alles für mich. Jetzt ist mein Herz gebrochen.“ Der Künstler Apichai Klapiput fasste die Gefühle vieler, die nicht wissen, wie es weitergeht, so zusammen: „Das ist unser Lady-Di-Moment.“

Erwartet wird, dass das politische Klima in Thailand jetzt wieder härter wird. Zudem dürfte der neue König, der sich bislang noch oft in seiner Villa am Starnberger See aufhält, zuhause mehr in Erscheinung treten. Mit seiner Krönung wird bald gerechnet. Und was am Donnerstag noch auffiel: wie oft er seinen Sohn Dipangkorn Rasmijoti (12) an der Seite hatte, der in Deutschland zur Schule geht - ein Hinweis darauf, wer einst König Rama XI. werden könnte.

dpa

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