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Brennpunkte Aktienmärkte weltweit brechen ein
Nachrichten Brennpunkte Aktienmärkte weltweit brechen ein
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00:43 25.06.2016
Ein Journalist hält am 24.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin ein Mobiltelefon in der Hand auf dem die aktuelle Kurve des Kurses des britischen Pfund abgebildet ist. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
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Frankfurt/Main

Weltweit sind die Aktienmärkte nach dem Votum der Briten für einen EU-Ausstieg eingebrochen. Der erste Schock wich zwar nach einem Kursbeben im Handelsverlauf - für den deutschen Leitindex Dax zum Beispiel stand am Freitagabend aber immer noch ein Abschlag von 6,82 Prozent auf 9557,16 Punkten auf der Anzeigetafel. Auch andere Börsen reagierten mit Verlusten.

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Kurz nach Handelsstart war der Dax noch um rund 10 Prozent oder gut 1000 Punkte eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit Februar gefallen. Solch massive Verluste hatte es das letzte Mal während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gegeben. Ursprünglich hatten Anleger auf einen Verbleib der Briten in der EU spekuliert, was den Aktienmarkt zuvor kräftig angetrieben hatte. So blieb unter dem Strich auf Wochensicht ein Minus von 0,77 Prozent im Dax übrig.

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Auch die Finanzmärkte in Ostasien und Australien reagierten am Freitag mit heftigen Verlusten auf die Brexit-Entscheidung der Briten. Die stärksten Kursabschläge verzeichnete der Nikkei-Index in Tokio, der mit einem Minus von 7,9 Prozent bei 14 952 Punkten aus dem Handel ging. Auch die Aktienkurse an der Börse in Seoul brachen angesichts der Sorge um die globalen Folgen des Brexit ein. Der Kospi-Index fiel um rund drei Prozent auf 1925,24 Zähler.

Auch in den USA trieb das britische Votum Anleger zu Verkäufen. Allerdings hielt sich die Wall Street zum Börsenstart deutlich besser als die meisten europäischen Aktienmärkte. Der Dow Jones Industrial rutschte am Freitag um 2,09 Prozent auf 17 635,34 Punkte ab. Tags zuvor hatte der US-Leitindex noch die Marke von 18 000 Punkten zurückerobert, da die Mehrheit der Investoren offenbar fest mit einem Verbleib der Briten in der EU gerechnet hatte.

Die Mehrheit der Briten stimmte bei einem Referendum für den Austritt aus der EU. Die unerwartete Entscheidung habe für große Unsicherheit gesorgt und entsprechend heftige Marktreaktionen ausgelöst, hieß es am Markt. Im Laufe des Tages hätten dann aber bereits erste Schnäppchenjäger zugeschlagen.

Auch die übrigen europäischen Börsen erlebten am Freitag einen Kursrutsch: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rauschte um 8,62 Prozent in die Tiefe auf 2776,09 Zähler. Ähnlich steil ging es für den Pariser CAC-40-Index nach unten, während sich die Verluste im Londoner FTSE 100 in Grenzen hielten.

Gleichzeitig flüchteten viele Investoren in als sichere Häfen geltende Anlagen wie Gold und Anleihen. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1313,85 (1262,15) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 37 370,00 (35 180,00) Euro. Aber auch der Schweizer Franken und der japanische Yen hoben ab. Im Gegenzug fiel das britische Pfund zeitweise auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren. Auch der Euro kam stark unter Druck: Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1066 Dollar fest, nachdem es am Donnerstag noch 1,1389 Dollar waren. Der Dollar kostete damit 0,9037 nach 0,8780 Euro.

Führende Notenbanken kündigten bereits vor dem Wochenende an, gemeinsam die Finanzmärkte beruhigen zu wollen. Die britische Notenbank stellte 250 Milliarden Pfund zur Stützung der Märkte in Aussicht. Auch die EZB und die japanische Notenbank betonten ihre Handlungsbereitschaft. Die Schweizerische Nationalbank schritt umgehend zur Tat und griff am Devisenmarkt ein.

Als größte Leitragende eines Brexit gelten die Banken, deren Kurse europaweit einbrachen. Anteilsscheine von Deutsche Bank und Commerzbank standen am Dax-Ende mit einem Verlust von 14,13 Prozent beziehungsweise 12,99 Prozent.

Die Papiere der Deutschen Börse büßten 9,26 Prozent ein, und auch in London sackten die Aktien des britischen Börsenbetreibers LSE deutlich ab. Trotz des Brexits wollen die beiden Konzerne an ihrem Fusionsplan festhalten. Da allerdings der rechtliche Sitz des Gemeinschaftsunternehmens London sein soll, wird das Vorhaben am Finanzmarkt zunehmend kritisch gesehen.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Verzinsung deutscher Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief: Die Umlaufrendite fiel von minus 0,07 Prozent am Donnerstag auf minus 0,20 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,59 Prozent auf 143,68 Punkte. Der Bund Future schoss mit plus 1,33 Prozent auf 165,82 Punkte in die Höhe.

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