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Brennpunkte Amerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis
Nachrichten Brennpunkte Amerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis
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23:12 21.08.2017
Der Mond verdeckt in der Nähe von Redmond im Bundesstaat Oregon während einer totalen Sonnenfinsternis vollständig die Sonne. Quelle: Ted S. Warren
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Washington

Vögel verstummen, Grillen zirpen. Der Himmel schimmert gleichzeitig seltsam blau und schwarz, und von der verdunkelten Sonne ist nur noch der leuchtende Strahlenkranz zu sehen. Menschen brechen in Jubel aus, lachen, weinen.

Die totale Sonnenfinsternis in Teilen der USA hat am Montag die Herzen von Millionen Betrachtern weltweit berührt.

Um 9.16 Ortszeit (19.16 Uhr deutscher Zeit) erreichte die vom Pazifik kommende totale Finsternis das US-Festland in Lincoln Beach an der Westküste. Vom Bundesstaat Oregon aus zog sie dann etwa 90 Minuten lang in einem rund 100 Kilometer breiten Streifen über den Kontinent, um sich in South Carolina in den Atlantik zu verabschieden. Jeweils etwa zwei Minuten lang knipste sie in dieser Kernzone sukzessive das Tageslicht aus und ließ die Temperaturen um bis zu fünf Grad Celsius sinken.

Bei einer totalen Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne und verdeckt diese vollständig. In anderen Teilen der USA, Nord- und Mittelamerikas sowie in Teilen Westeuropas war die Sonnenfinsternis partiell zu sehen: Der Mond verdeckte die Sonne nicht ganz, sondern nur teilweise.

Millionen Menschen wollten das Himmelsereignis miterleben und reisten teils schon Tage zuvor in die Kernzone. Ein solches Spektakel - eine totale Finsternis, die über den gesamten Kontinent verläuft - hatte es in den USA seit 99 Jahren nicht mehr gegeben. Obwohl der befürchtete Riesen-Verkehrskollaps ausblieb, erlebten viele von ihnen das Spektakel von der Autobahn aus, weil sie im dichten Verkehr feststeckten. Andere feierten das Ereignis entspannt auf „Total Eclipse“-Festivals, in Naturparks oder auf Campingplätzen.

Selbst im Mittleren Westen und an der Ostküste, wo die Wolken meist dichter war, erhaschten viele einen Blick auf das Spektakel, weil die Wolkendecke im letzten Moment kurz aufriss.

„Das Licht war so eigenartig, wie es noch niemand von uns zuvor erlebt hatte. Die Moskitos summten, die Hunde blieben eng bei uns“, berichtet Lacy Krahenbuhl aus Bend, Oregon. Joel Pollack twitterte aus Newport: „Die Korona war spektakulär. Wir haben geweint.“ Viele beschrieben das Erlebnis als kraftvoll und emotional und überfluteten die sozialen Netzwerke mit Fotos.

Astronauten fotografierten das Spektakel von der internationalen Raumstation ISS aus. US-Präsident Donald Trump verfolgte die Sonnenfinsternis auf dem Balkon des Weißen Hauses. Allerdings kam er nicht in den Genuss der totalen Finsternis. In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington war nur eine partielle Variante zu sehen, bei der die Sonne zu 81 Prozent vom Mond verdeckt war. Dabei trugen Trump und seine Ehefrau Melania, wie viele andere Schaulustige auch, Schutzbrillen.

Auch Zootiere reagierten auf die Sonnenfinsternis: „Unsere Nilpferde sind sich unsicher, wie spät es ist“, twitterte der Zoo Memphis (Tennessee) zum ungewöhnlichen Spielverhalten der Dickhäuter. Im Zoo Indianapolis machte sich Orang Utan Basan am hellen Tag nachtfertig: „Basan holt die Laken für sein Nest heraus“, hieß es dort.

Für manchen hatte die „Great American Eclipse“ als Gemeinschafts-Ereignis auch eine politische Bedeutung. US-Star-Astronom Neil deGrasse Tyson fasste dies auf Twitter in Worte: „Die geteilten Vereinigten Staaten von Amerika werden sich heute vereinen, indem sie ein kosmisches Ereignis teilen, das von wissenschaftlichen Methoden und Werkzeugen vorhergesagt wurde.“

Auch in Teilen Westeuropas konnten die Menschen zumindest theoretisch sehen, wie sich der Mond ein kleines bisschen vor die Sonne schob. Allerdings spielte das Wetter nicht immer mit. So lag fast ganz Großbritannien am Montagabend unter einer Wolkendecke.

Im äußersten Nordwesten Deutschlands, im Bereich der Ostfriesischen Inseln Borkum, Juist und Norderney, war bei leichter Bewölkung lediglich ein winziger Teil der Sonnenscheibe verdeckt, während diese unterging. Mit bloßem Auge sei das nicht zu sehen, sagte Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst. Selbst für Experten mit guter Ausrüstung dürfte es eine große Herausforderung gewesen sein.

In Deutschland war eine totale Sonnenfinsternis zuletzt am 11. August 1999 im Süden zu sehen. Die nächste in unseren Breiten erwarten die Astronomen erst am 3. September 2081. Weltweit gesehen findet die nächste totale Finsternis am 2. Juli 2019 im Pazifik-Raum und in einigen Städten Chiles und Argentiniens statt.

dpa

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