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Analyse: Das Botschaftsdach bleibt tabu

Berlin Analyse: Das Botschaftsdach bleibt tabu

John Bellon Emerson, man muss das gleich mal sagen, ist ein freundlicher Mann. Blick in die Augen, kräftiger Händedruck, immer gut für einen Scherz.

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Der US-amerikanische Botschafter, John Emerson, spricht mit Journalisten in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin. John Bellon Emerson, man muss das gleich mal sagen, ist ein freundlicher Mann. Blick in die Augen, kräftiger Händedruck, immer gut für einen Scherz.

Und zu normalen Zeiten hätte einen der neue US-Botschafter in Deutschland an einem solch perfekten Spätherbsttag vielleicht auch auf die Dachterrasse gebeten, wo man das Pferdegespann des Brandenburger Tors so nah vor sich hat wie nirgendwo sonst. So aber findet man sich in einem dunklen Zimmer im Erdgeschoss wieder.

Das hat seinen Grund darin, dass die Dinge zwischen Deutschland und Amerika derzeit nicht so sind, wie sie sein sollten. Augenblicklich zeigen die Amerikaner ihre Vertretung nicht so gerne vor wie sonst. Schon gar nicht den merkwürdigen Aufbau oben auf dem Dach, wo sich hinter grauem Stein und Sichtblenden angeblich eine Abhör-Einrichtung befindet: Von hier oben soll eine Sondereinheit der US-Geheimdienste namens „Special Collection Service“ (SCS) das Handy von Angela Merkel abgehört haben.

Der „Spiegel“, der die ganze Angelegenheit ins Rollen brachte, hat die mutmaßliche Spionagezelle sehr passend das „Nest“ getauft. Emerson selbst spricht nur vom „Fourth Floor“, der vierten Etage. Mehr sagt der Botschafter nicht. Eine ganze Woche lang hat der Diplomat geschwiegen, seit er wegen der Spionagevorwürfe ins Auswärtige Amt einbestellt worden war - praktisch die Höchststrafe zwischen befreundeten Staaten. Aus der ganzen Botschaft gab es zu all den Verdächtigungen keinerlei Kommentar.

Am Donnerstag ließen die Amerikaner dann doch wieder einige ausgewählte Presseleute in ihre Vertretung - in eine Art Vorzimmer gleich hinter dem Eingang. Der Rest der Botschaft blieb tabu. Emerson machte deutlich, dass das zunächst einmal so bleiben soll.

Den Vorschlag, die vierte Etage zur Besichtigung freizugeben - als Beweis dafür, dass dort nicht zu verbergen ist -, wies er mit einem einfachen „No“ strikt zurück. Das Recht hat er dabei auf seiner Seite: Nach dem Wiener Übereinkommen sind alle diplomatischen Vertretungen weltweit „unverletzlich“.

Emerson wollte auch keinerlei Auskunft darüber geben, was sich in dem Aufbau befindet. „Ich werde mich zur Struktur des Gebäudes nicht äußern.“ Als Botschafter wisse er natürlich sehr genau Bescheid, was die Vertretung so alles unternehme. Nur so viel: Umbesetzungen habe es seit Bekanntwerden der Affäre keine gegeben. Damit reagierte der US-Statthalter in Berlin auf Spekulationen, dass die Amerikaner einige Geheimdienstler vorzeitig nach Hause schicken, bevor die Bundesregierung sie zum Verlassen des Landes bittet.

Was den eigenen Umgang mit der Technik angeht, zeigte sich der Multimillionär - der 59-Jährige war früher einmal Investmentbanker - auskunftsfreudiger. Emerson ist mit Blackberry und iPhone ausgestattet, hat eine E-Mail-Adresse bei Google und ein Konto bei Facebook - das angeblich aber nur, um seine Tochter      im Blick zu behalten, eine Schauspielerin („Die Tribute von Panem“) mit größerer Fan-Gemeinde. Die beiden Handys sollen unverschlüsselt sein.

Aber zurück zum Kern der Dinge: Emerson geht ebenfalls davon aus, dass die Affäre die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf längere Zeit belasten wird. Er äußerte auch Verständnis für die Empörung, die die Spitzelaktion in Deutschland ausgelöst hat. Washington nehme die Angelegenheit „sehr ernst“.

Zu einer Entschuldigung wollte aber auch er sich nicht durchringen. „Wir haben mit dem Handeln begonnen. Es geht nicht um Wörter. Es geht um Taten.“ Mit höherem Besuch aus Washington rechnet er aber erst, wenn die neue Bundesregierung steht.

Abschließend zeigte der neue US-Botschafter, dass er das diplomatische Geschäft nach zweieinhalb Monaten bereits einigermaßen beherrscht. „Von Zeit zu Zeit können Freunde einander enttäuschen“, meinte Emerson in versöhnlichem Ton. „Aber in einer echten Freundschaft arbeitet man dann hart. Man sieht sich die Fakten an, man kämpft sich durch und man geht weiter. Und hinterher kann man stärker sein als zuvor. Ich bin zuversichtlich, dass das hier der Fall sein wird.“

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dpa

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