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Analyse: Flüchtlinge finden nur schwer einen Job

Nürnberg/Frankfurt Analyse: Flüchtlinge finden nur schwer einen Job

Viele sind jung, hoch motiviert und zu fast jedem Job bereit - trotzdem sind viele Flüchtlinge ein Jahr nach Merkels „Wir schaffen das!“ arbeitslos. Zu hoch sind die Hürden, wenn man kaum Deutsch spricht und es an einer Berufsausbildung fehlt.

Nürnberg/Frankfurt. Ihnen mag es an Deutschkenntnissen fehlen, an Schulbildung oder an beruflichem Know-how - eines aber bringen Flüchtlinge nach Beobachtungen von Migrationsforscher Herbert Brücker in hohem Maß mit: Motivation.

„Wenn eines bei ihnen dominant war, dann das: Sie wollen alle arbeiten, sie wollen alle schnell arbeiten“, berichtete Brücker nach einer Befragung von 123 Flüchtlingen aus allen Bildungsschichten unlängst bei einer Tagung der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Und hohe Motivation - das sei nicht eben wenig.

Trotzdem fällt Brückers Bilanz ein Jahr nach Angela Merkels „Wir schaffen das!“ eher ernüchternd aus: „Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten erfolgt langsamer als bei anderen Migranten - und sie wird längere Zeit in Anspruch nehmen“, bilanzierte der Forscher in der jüngsten Bilanz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Brücker steht damit nicht allein. Viele andere Ökonomen sehen den deutschen Arbeitsmarkt in der Flüchtlingsfrage vor einer Herkulesaufgabe.

Brücker und seine IAB-Kollegen haben festgestellt: Bis Ende Juli 2016 hatte etwa ein Achtel bis ein Zehntel der zuletzt als arbeitssuchend gemeldeten Flüchtlinge eine Arbeit gefunden. Das bestätigt ältere Erfahrungen bei der Jobsuche von Flüchtlingen. Von den nach 1995 nach Deutschland gekommenen Asylsuchenden hatte, so zeigen Untersuchungen, erst nach sechs Jahren rund die Hälfte einen Job gefunden, erst nach 15 Jahren waren es 70 Prozent.

Ganz so optimistisch, was die Jobintegration von Flüchtlingen angeht, ist inzwischen auch Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise nicht mehr. Dass viele von ihnen in Betrieben unterkommen, davon geht er schon aus. „Aber es wird viel Geld kosten und lange dauern“, sagte der Bundesagentur-Chef am Mittwoch bei der Veröffentlichung der August-Arbeitslosenzahlen.

Skeptischer ist hingegen Ifo-Präsident Clemens Fuest. Er verweist auf die aktuell niedrige Beschäftigungsquote bei Flüchtlingen. „In Deutschland gibt es sehr hohe Sozialleistungen und einen Mindestlohn, deshalb klappt Integration in den Arbeitsmarkt nur mit einem gewissen Ausbildungsniveau. Viele Zuwanderer werden sich schwer tun, dieses Niveau zu erreichen.“

Im Februar zog das Ifo Institut nach einer Umfrage unter mehr als 1000 Personalleitern eine ernüchternde Bilanz: Nur sieben Prozent der deutschen Unternehmen beschäftigten demnach damals Flüchtlinge. Für das laufende Jahr und das Jahr 2017 plante ein Drittel dieser Unternehmen (34 Prozent), Flüchtlinge einzustellen. Als größtes Hemmnis wurden fehlende Sprachkenntnisse genannt.

Darin sieht auch die Commerzbank einen der Gründe, dass Flüchtlinge „bisher wenig vom Schwung am deutschen Arbeitsmarkt profitiert haben“. Das Fazit der Commerzbank-Volkswirte: „Der größere Teil der Asylbewerber dürfte nur schwer in Arbeit zu vermitteln sein.“ Eine Rolle spiele dabei auch der Umstand, dass mindestens 40 Prozent der Zuwanderer keine Schulbildung mit grundlegenden Kenntnissen aufwiesen.

In diesem Punkt zeichnet das Nürnberger IAB, die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit, allerdings ein etwas differenzierteres Bild. Von jenen, die gute Chancen haben, in Deutschland bleiben zu können, hätten immerhin 46 Prozent ein Gymnasium oder sogar eine Hochschule, 27 Prozent eine Mittel- oder Fachschule, 19 Prozent allerdings nur eine Grundschule besucht, heißt es jüngst in einer IAB-Studie. Was sich freilich als hohe Jobhürde erweist: Nur die allerwenigsten Flüchtlinge haben eine Berufsausbildung vorzuweisen.

Was nach IAB-Einschätzung bisweilen übersehen wird: Die im Vorjahr nach Deutschland gekommenen Schutzsuchenden hätten wegen des Engpasses beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ungleich schwierigere Bedingungen vorgefunden als Flüchtlingsgruppen vor ihnen. Ihre Asylverfahren dauerten ungewöhnlich lang, die damit verbundene Ungewissheit erschwerte die Jobsuche. Zudem stünden die Ende Juli 345 000 anerkannten Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter in einem viel stärkeren Wettbewerb um die wenigen geeigneten Jobs als frühere Flüchtlinge.

Was die angeblichen Konjunktureffekte im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszustrom betrifft, da gehen bei Volkswirte derweil die Meinungen auseinander. So ist Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise überzeugt davon, dass die staatlichen Ausgaben zur Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen schon in diesem Jahr für einen Konjunkturimpuls sorgen - und einige Zehntel zum Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr beigetragen haben. Dagegen hält Ifo-Präsident Fuest solche Impulse für überflüssig: „Die deutsche Wirtschaft ist ausgelastet, da braucht man keine zusätzlichen Konjunkturprogramme.“

dpa

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