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Analyse: Große Party, harte Arbeit

Philadelphia Analyse: Große Party, harte Arbeit

Hillary Clinton hat ein Etappenziel erreicht. Nach ihrer Nominierung in Philadelphia kann erstmals eine Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Vorher muss sie ein gespaltenes Land einen und Vertrauen zurückholen.

Philadelphia. Es begann mit Chaos und endete in einer riesigen Party: Feuerwerk, Luftballons, Familienfest auf der Bühne, mit Ehemann Bill und Tochter Chelsea.

Hillary Clinton hat dem Nominierungsparteitag der US-Demokraten am Ende ihren Stempel aufgedrückt und aus Philadelphia eine historische Botschaft gesandt: Erstmals kann eine Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. „Amerika ist großartig, weil Amerika gut ist“, rief sie in den Saal.

Es war die fast perfekt durchchoreographierte Menschwerdung eines Politik-Roboters. Vier Tage lang haben die US-Demokraten ihren neuen Superstar Hillary Clinton von allen Seiten beleuchtet: Als Mutter, als Ehefrau, als Außen- und als Innenpolitikerin, als zähe Kämpferin für das Gute und als standfeste Führungsfigur mit einem geraden Rücken. Die Lampen, die die Partei auf die häufig als unterkühlt und machthungrig porträtierte Kandidatin richteten, strahlten ein warmes Licht aus. Noch nie sei jemand so gut auf das Weiße Haus vorbereitet gewesen, wie Hillary Clinton, lobte Amtsinhaber Barack Obama.

Doch nach den Luftballons, dem Feuerwerk, dem Jubel von Philadelphia beginnt ein neues Kapitel. Clinton hatte sprichwörtlich die Kavallerie ausrücken lassen. Von hochrangigen Generälen wie dem Irak-erfahrenen John Allen ließ sie sich die Tauglichkeit für das Amt der Oberkommandierenden bescheinigen, von Müttern und Töchtern von Verbrechensopfern die menschliche Komponente. Die Delegierten, oft patriotisch-fantasievoll in Kostüme in den Farben der Stars and Stripes gehüllt, dankten es. 

Vier Tage des Schulterklopfens, des Zunickens und Sich-gegenseitig-Mut-machens in Philadelphia sind nun vorüber. Die Scheinwerfer des Wahlkampfes gegen Donald Trump werden in den kommenden drei Monaten grell leuchten, es könnte die schmutzigste Kampagne seit langer Zeit werden.

Und eine sehr schwierige für die Demokraten um Clinton und ihren Vize Tim Kaine. Selten zuvor in der Geschichte der US-Wahlen hat ein Amtsinhaber nach acht Jahren den Staffelstab an einen Bewerber der eigenen Partei übergeben können. Die Zustimmung zu Obamas Arbeit in der Bevölkerung zum Ende seiner zweiten Amtszeit ist nicht so schlecht wie etwa bei George W. Bush 2008, mit um die 50 Prozent aber auch nicht berauschend.

Clinton muss in den nächsten gut 100 Tagen nicht mehr nur Parteifreunden erklären, warum sie das Zeug hat, die Nummer eins im wohl noch immer bedeutendsten Land der Erde zu werden. Sie muss es auch den Wählern beibringen, jenen 77 Prozent der Amerikaner, die einen Wandel wollen, die nicht mehr an die alten politischen Eliten in Washington glauben.

Auch jenen von Meinungsforschern ermittelten 68 Prozent der US-Bürger, die sie, die seit 50 Jahren politisch aktiv ist, persönlich für nicht mehr glaubwürdig halten, die Nase voll haben vom altbekannten und mitunter skandalträchtigen „System Clinton“. Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen - das ist die wohl größte Herausforderung für Clinton, prophezeit die „New York Times“.

„Es gibt sicher einen Anteil von Menschen, die von dem Aufschwung seit der Finanzkrise nichts mitgekriegt haben“, sagt etwa Rose Jackson vom Think Tank Secure Partnerships Initiative und früher Politikberaterin im US-Außenministerium. Und soziale Ungleichheit sei überall auf der Welt die Wurzel, aus der Populismus erwachse. Auch der Zulauf, den der Mega-Populist Donald Trump derzeit erfährt.

In Umfragen liegt er mit Clinton Kopf-an-Kopf, mit weiterhin leichten Vorteilen für die Ex-Außenministerin. Pennsylvania, Florida, Virginia, Ohio - insgesamt rund ein Dutzend Staaten haben die Wahlforscher als Swing States und damit wahlentscheidend definiert. Dort werden die Wahlkampfschlachten der nächsten Wochen geschlagen.

Clinton tut in dieser Gemengelage etwas Überraschendes: Sie versucht es mit Kontinuität. Häufig in der Geschichte von US-Wahlen hatten sich Präsidentschaftskandidaten vom scheidenden Amtsinhaber distanziert. Im Jahr 2000 tat Al Gore im Wahlkampf alles, um dem skandalgeschüttelten Bill Clinton möglichst selten über den Weg zu laufen. George W. Bush durfte 2008 nicht einmal aufs Parteitagspodium der Republikaner, sondern musste seine Rede an John McCains Nominierungskonvent per Videoübertragung halten.

Barack Obama hatte auf dem Parteitag dagegen deutlich gemacht: In fast acht Jahren demokratischer Regentschaft im Weißen Haus und nach den als düster in Erinnerung gebliebenen Bush-Jahren wurde viel erreicht: Die Aussöhnung mit Kuba, die Lösung des Iran-Problems, der Kampf aus der Finanzkrise zurück zu Wachstum und Wohlstand. „Doch wir haben auch noch viel Arbeit vor uns“, sagte Obama und machte wenig überraschend klar: „Sie wird den Job zu Ende bringen.“ Clinton ist opitmistisch: „Wenn es keine Decken gibt, dann steht uns der Himmel offen.“

dpa

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