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Analyse: Obamas „technischer Sieg“ am Ende zu wenig?

Wahlen Analyse: Obamas „technischer Sieg“ am Ende zu wenig?

Barack Obama fackelte nicht lange. Gleich zu Anfang fiel der US-Präsident über seinen Kontrahenten Mitt Romney her - ein Rezept, das beim zweiten TV-Duell aufgegangen war.

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Obama greift an - Romney zeigt sich friedlich

Der relativ friedliche Verlauf der dritten TV-Debatte könnte Obama geschadet haben.

Quelle: Michael Reynolds

Washington. Barack Obama fackelte nicht lange. Gleich zu Anfang fiel der US-Präsident über seinen Kontrahenten Mitt Romney her - ein Rezept, das beim zweiten TV-Duell aufgegangen war.

Mal mit Witz und Ironie, aber häufiger mit Schärfe versuchte der Demokrat in dieser Nacht in Boca Raton (Florida), seine wohl größte Trumpfkarte auszuspielen - seine eigene Erfahrung in der Außenpolitik. Und so tat er alles, um seinen Gegner als „Greenhorn“ mit keinen, falschen oder veralteten Ideen darzustellen.

„Die 1980er Jahre rufen an, um ihre Außenpolitik zurückzuverlangen, denn der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei“, schrieb er dem Republikaner bei der dritten und letzten Debatte dieses Wahlkampfes ins Stammbuch. Und was Romneys Qualifikation als Weltpolitiker betreffe: „Jedes Mal, wenn Sie Ihre Meinung sagen, liegen Sie falsch.“

Aber auch Romneys Strategie wurde schnell klar. Nach Kritik an bisher eher kriegerischen Tönen in außenpolitischen Fragen hielt sich der Ex-Gouverneur deutlich zurück, bemühte sich sichtlich, staatsmännisch zu erscheinen - eben wie ein besonnener Commander-in-Chief, der nicht aus der Hüfte schießt, dem man die Sicherheit der Nation anvertrauen kann.

So verzichtete Romney gleich am Anfang darauf, die Chance zu nutzen, erneut seine Kritik an Obamas Reaktion auf den tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi anzubringen. Stattdessen gratulierte er dem Präsidenten zur Tötung von Terroristenchef Osama bin Laden und hatte auch sonst das eine oder andere Lob für den Amtsinhaber übrig.

Die bei den Demokraten umstrittenen Drohnenangriffe auf Terroristen? Hat der Präsident richtig gemacht, sagte Romney. Ein US-Militäreinsatz in Syrien? Fände er auch zu gefährlich, stimmte der 65-Jährige zu. Die ambivalente Haltung des Weißen Hauses zu Pakistan? Muss so sein, denn das instabile Land „hat 100 Atomsprengköpfe“.

So milde hatte sich der Republikaner noch nie gezeigt. „Mitt Romney came in peace“, Mitt Romney kam friedfertig, überschrieb die „New York Times“ eine Analyse und meinte damit offensichtlich sowohl den Debatten-Stil als auch den Inhalt der Äußerungen des Kandidaten.

Auch TV-Kommentatoren fanden, Romney habe wohl in der außenpolitischen Debatte mehr wie ein richtiger Präsident wirken wollen - sachlich im Ton, moderat in den Aussagen. So griff er auch häufig zu Standard-Formulierungen aus dem Handbuch der US-Konservativen. „Wir haben die Chance zu einer echten Führungsrolle in der Welt“, sagte Romney. Obama dagegen habe die USA in den vergangenen vier Jahren in den Augen der Feinde geschwächt.

Und was ist Romneys eigenes Ziel? „Die Prinzipien des Friedens weiterhin verfolgen, die die Welt zu einem besseren Platz machen“, verkündete Romney. Das klang so gar nicht nach einem Kriegstreiber, wie ihn Obama in der Debatte wohl gern porträtiert hätte.

Aber hatten innenpolitische Positionsänderungen Romneys den Präsidenten in der ersten Debatte offensichtlich überrascht, schien er diesmal gut vorbereitet. Wiederholt prangerte Obama seinen Herausforderer als „Flip-Flopper“, als Wendehals, an. „Gouverneur, das Problem ist, dass Sie in einer ganzen Reihe von Fragen, sei es der Nahe Osten, sei es Afghanistan, der Irak oder jetzt Iran, überall und nirgends waren“, sagte er mit Blick auf Romneys Positionsänderungen.

Und wessen Strategie geht auf? Nach Schnellumfragen unter Fernsehzuschauern hat Romney das Duell mit seiner defensiven Haltung verloren. Doch viele Experten meinen, dass sich dieses dritte Aufeinandertreffen mit dem für Amerikaner weniger interessanten Thema Außenpolitik sowieso nicht allzu sehr auf die Wahl auswirken werde. Außerdem waren sich schon vor der Debatte Politikbeobachter einig: Viel wichtiger als ein technischer Debatten-Sieg würde es für Romney sein zu zeigen, dass er das Zeug zum Commander-in-Chief - zum Oberbefehlshaber - habe.

Das dürfte gelungen sein, meinten viele Medien am Dienstag. „Das ist alles, was er benötigte“, hieß es etwa in einem Kommentar des öffentlichen Rundfunksenders NPR. Auch das unabhängige „National Journal“ sah es so: „Obama gewann das dritte Spiel, aber Mitt Romney gewinnt die ganze Serie.“

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