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Analyse: VW öffnet Vorständen ein Boni-Hintertürchen

Wolfsburg Analyse: VW öffnet Vorständen ein Boni-Hintertürchen

Rekordverlust, Mini-Dividende, Jobs in Gefahr - doch die Vorstände schnallen den Gürtel nur vorübergehend ein Stück enger. Während die Abgas-Krise den Gewinn auffrisst, sind die Top-Manager fein raus.

Wolfsburg. Zumindest auf den Konten der Vorstände ist die historische Krise von Volkswagen noch nicht richtig ankommen. Nach langem Streit hinter den Kulissen segnete der VW-Aufsichtsrat die nächsten Millionen-Vergütungen für die neun Mitglieder der Chefetage ab.

Der symbolische freiwillige Verzicht ist genau betrachtet nur ein scheinbarer. Am Ende kann die Krise gar ein Boni-Turbo sein. Die Macht der einflussreichen Arbeitnehmervertreter, die sich einen klaren Schnitt gewünscht hatten, hat beim Geld eine Grenze gefunden.

Über die millionenschweren Prämien der VW-Vorstände war in den vergangenen Wochen heftig gerungen worden. Eine Allianz aus dem Land Niedersachsen, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall hatte von den Managern einen maximalen Verzicht verlangt - bis hin zur Nullrunde. Ohne großen Erfolg. Denn auch wenn die absoluten Zahlen noch nicht auf dem Tisch liegen, ist schon klar: Von der variablen Vergütung behält der Konzern zwar zunächst 30 Prozent ein. Doch das Geld ist nicht futsch, es gibt keinen endgültigen Verzicht.

Im Gegenteil: Das Geld wird in virtuelle Aktien umgewandelt und auf Halde geparkt. Nach Ablauf von drei Jahren wird dann der Aktienkurs überprüft. Liegt der 2019 um ein Viertel über dem jüngst wegen der Diesel-Krise niedrigen Niveau, wird das Geld voll ausbezahlt. Liegt der Kurs der Papiere darüber, gibt es sogar entsprechend mehr Geld. Eine Deckelung greift bei 200 Prozent. Liegt der Kurs unter den 125 Prozent, sinkt das einbehaltene Geld entsprechend gestaffelt ab.

Die Krise als möglichen Vergütungs-Turbo erklärte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) so: „Darüber hinaus kann noch etwas kommen, wenn das Ergebnis besser wird.“

Weil betonte bei einer Stellungnahme in Wolfsburg auch den Fakt, dass es schließlich gültige Vereinbarungen mit den Top-Managern gab, die nicht vom Tisch zu wischen gewesen wären: „Wir mussten abwägen zwischen berechtigen Erwartungen der Öffentlichkeit einerseits und vertraglichen Verpflichtungen andererseits“, sagte der Politiker. „Ich denke, wir haben eine angemessene Regelung gefunden.“

Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen mussten die Vertreter von Land und Arbeitnehmerseite beim Verkaufen des Kompromisses gute Miene zum bösen Spiel machen. Eigentlich hätten sie sich weitaus größere Einbußen gewünscht, vor allem freiwilliger und endgültiger Natur, ohne ein Hintertürchen. Das sollte als ein Symbol nach außen gewertet werden. Denn nach der Diesel-Krise sind schon weit mehr als 1000 Verträge von Leiharbeitern ausgelaufen. Mehr als 3000 Bürojobs in der VW-Stammbelegschaft sollen wegfallen, wenn auch sozialverträglich etwa über Altersteilzeit oder das Zuweisen neuer Aufgaben. Bei den Aktionären beträgt die Einbuße bei der Dividende mehr als 96 Prozent.

Angesichts dieser Gemengelage scheinen die Vorstände wohl einen guten Schnitt zu machen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach am Freitag von einem „mühsam gefundenen Kompromiss“. Aus Kreisen der 20 Kontrolleure waren hinter vorgehaltener Hand auch deutliche Worte der Kritik zu hören. Von einer „Mogelpackung“ war die Rede. „Es ist sicher nicht die Ideallösung, die wir uns gewünscht hätten. Aber so ist das mit Kompromissen nun einmal“, sagte ein Insider der Allianz aus Gewerkschaft, Betriebsrat und dem Land Niedersachsen.

Wie schwer die Abgas-Krise Europas Branchenprimus aus der jahrelangen Erfolgsspur geworfen hat, zeigen die Eckzahlen der Bilanz: Mit einem Minus von 1,6 Milliarden Euro muss Volkswagen nicht weniger als den größten Verlust der Konzerngeschichte verkraften. Mehr als 16 Milliarden Euro Rückstellungen für die ersten Folgen der Affäre hat der Autokonzern 2015 gebildet. Im Rekordjahr 2014 hatte noch ein Gewinn von knapp 11 Milliarden Euro in den VW-Büchern gestanden.

Weil verwies auch darauf, dass der milliardenteure Skandal um die weltweit elf Millionen manipulierten Diesel-Wagen allein schon wegen der Einbrüche in der Bilanz dazu führe, dass die Vorstandsvergütungen sich merklich verringerten. Mit dem Hintertürchen jedoch bleibt die Chance, die Lücke ein gutes Stück zu schließen und womöglich die Einbußen aus der bilanzabhängigen Komponenten teils auszugleichen.

VW-Konzernchef Matthias Müller hatte im Herbst noch gesagt: „Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen, auf allen Ebenen, vom Vorstand bis zum Tarif-Mitarbeiter.“ Nun ist klar: Beim Vorstand ist der Boni-Gürtel relativ flexibel.

dpa

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