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Analyse: Wie effizient ist der Luftkrieg gegen IS?

Washington/Moskau Analyse: Wie effizient ist der Luftkrieg gegen IS?

Weit streckt sich die Wüste in Syrien, und IS-Kämpfer finden immer neue Schlupflöcher. Zwar hat die Terrormiliz Gebiete verloren und kann sich nicht mehr frei bewegen. Doch 15 Monate nach Beginn des Kriegs ist klar, dass er nur aus der Luft nicht gewonnen werden kann.

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Ein Luftbild des russischen Militärs zeigt - laut russischen Angaben- Stellungen des IS in Syrien. An der Koalition gegen die Terrormiliz IS, die von den USA angeführt wird, beteiligen sich 65 weitere Länder.

Quelle: Russian Defence Ministry Press/archiv

Washington. Es sollte das größte Militärbündnis seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden. Doch die 65 Länder, die US-Präsident Barack Obama in seiner Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz IS hinter sich hat, sind mit Blick auf ihren militärischen Beitrag ein recht bunter Haufen.

Wer trägt zu den Bombardements bei, und wie wirkungsvoll sind die Angriffe? Fast täglich listet das US-Zentralkommando attackierte IS-Ziele auf: Hier eine Kampfeinheit, dort eine Ölquelle, einige Fahrzeuge, Bunker, Depots, Trainingslager. Doch Berichte über Mangel an Munition wecken Zweifel, wie effizient die Attacken sind.

„Die Luftwaffe braucht ihre Munition schneller auf, als wir sie auffüllen können“, teilte US-General Mark Welsh kürzlich mit. In „Rekordzahl“ hätten B-1-Maschinen Bomben abgeworfen, F-15-Kampfflugzeuge seien wegen ihrer „großen Bandbreite an Waffen“ im Einsatz. Die Menge an Munition liege „unterhalb unserer gewünschten Ziele“, sagt ein hochrangiger Vertreter der Luftwaffe dem Sender CNN.

Auch US-Heeresoberst Steve Warren, der vor zwei Wochen von einem Luftangriff auf IS-Tanklaster berichtete, gestand ein: „Ihre Munition war leer, bevor sie soweit kamen, aber Ziel war, jeden einzelnen Lastwagen zu zerstören.“ Schätzungen zufolge hat die Luftwaffe im Irak und in Syrien mehr als 20 000 Raketen und Bomben abgefeuert.

Mehr als 8500 Bombardements des Bündnisses zählen die USA seit Beginn der Angriffe vor 15 Monaten, rund ein Drittel davon in Syrien. 95 Prozent der Luftschläge gehen auf das Konto der Vereinigten Staaten, im Irak schultern sie knapp 70 Prozent der Angriffe. Die Operation hat Washington bereits 5,2 Milliarden Dollar (4,8 Mrd Euro) gekostet.

Profitiert von diesen Luftangriffen haben - zum Verdruss der Türkei - vor allem Kurden. So gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), syrischer Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK, die lange umkämpfte Grenzstadt Kobane zu befreien. Zudem rückten sie in weitere nordsyrische Gebiete vor, die unter IS-Kontrolle standen, eine empfindliche Niederlage für die Extremisten. Auch Iraks Kurden konnten die IS-Miliz aus größeren Regionen zurückdrängen.

So hat der IS Gebiete verloren, auch die Bewegungsfreiheit seiner Kämpfer wurde eingeschränkt. Entscheidend schwächen aber konnten ihn die Luftangriffe nicht. Noch immer erstreckt sich die IS-Herrschaft über weite Teile Syriens und des Iraks. Die Extremisten fördern und schmuggeln weiterhin Öl. Auch der Zustrom ausländischer Kämpfer ist nicht gestoppt. Ihre Zahl soll sich nach Einschätzung von US-Analysten seit Mitte 2014 sogar mehr als verdoppelt haben.

Schwierig ist die Bekämpfung des IS aus der Luft, weil die Extremisten große Wüstengebiete kontrollieren, in denen sie sich verstecken können. Immer wieder gibt es zudem Berichte, dass IS-Kämpfer versuchen, bei der lokalen Bevölkerung unterzutauchen. Weil es der Allianz sowohl im Irak als auch in Syrien an einer guten Aufklärung fehlt, fällt es ihr schwer, Ziele zu identifizieren.

Russland brüstet sich, dass jede Bombe die „Terroristen“ schwäche. Als Ziele nennt Moskau etwa Munitionslager, Kommandostände oder Lastwagen mit geschmuggeltem Erdöl. Moskau unterstreicht die Angaben oft mit Drohnenvideos, die den „Erfolg“ angeblich dokumentieren. Doch eine unabhängige Prüfung ist in Russland nicht möglich. Vorwürfe, Geschosse hätten zivile Ziele in Syrien getroffen oder seien etwa versehentlich im Iran eingeschlagen, weist der Generalstab zurück.

Moskau kämpft offiziell gegen IS - räumt aber ein, in Syrien auch andere Gegner von Machthaber Baschar al-Assad als „Terroristen“ einzustufen und zu attackieren. Dabei schießen russische Kriegsschiffe vom Kaspischen Meer oder wie jüngst das U-Boot „Rostow am Don“ vom Mittelmeer aus auch Marschflugkörper nach Syrien. Dem Verteidigungsministerium zufolge besitzt Moskau „exakte Angaben“ über die Position der „Feinde“ - unter anderem erhält Russland Informationen vom syrischen Geheimdienst und der Armee.

Die russischen Staatsmedien stricken das Engagement des Riesenreichs zu einer einzigen Erfolgsgeschichte zusammen. Rüstungsbetriebe müssten bereits Sonderschichten fahren, um die enorme Nachfrage des Militärs nach Bomben und Raketen zu befriedigen, heißt es etwa. Doch die USA kontern diese Lesart immer wieder. Bei einer russischen Attacke, bei der laut Moskau 500 Tanklaster zerstört wurden, seien vermutlich nur weniger als 100 der Lastwagen vernichtet worden, sagt US-Oberst Warren. „Außer wenn die Russen platte Reifen und angekratzte Farbe mitzählen, ist es schlicht unmöglich, dass sie 500 Laster zerstören konnten.“ Grund sei die veraltete russische Technologie.

Auch die französische Luftwaffe intensivierte ihre Angriffe, zudem begab sich kurz nach den Pariser Terroranschlägen erneut der einzige französische Flugzeugzeugträger „Charles de Gaulle“ in die Region. Dies war allerdings schon vorher geplant gewesen. Das brachte die Zahl der gegen den IS eingesetzten Kampfflugzeuge auf 38. Die mehr als 300 Angriffe sind nur ein kleiner Teil der gesamten Luftschläge.

Mehr als 50 Verbündete waren am Luftkrieg unterdessen noch überhaupt nicht direkt beteiligt. Im Fall von Kuwait, Tunesien, Albanien und Schweden reichten offenbar strengere Maßnahmen gegen Extremisten im eigenen Land, um ins US-Bündnis aufgenommen zu werden. Luxemburg, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, der Kosovo und Lettland zählen ebenso dazu wie Island, Taiwan und Singapur. Diese Länder seien nicht aus militärischer, sondern aus politischer Sicht wichtig, meint der ehemalige US-Botschafter im Irak, James Jeffrey.


Pentagon zur "Operation Inherent Resolve" (Englisch)
Infos zur Operation "Chammal" (Englisch)

dpa

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