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Appell an Venezuelas Militär: „Nicht mit Titanic untergehen“

Neuwahlen gefordert Appell an Venezuelas Militär: „Nicht mit Titanic untergehen“

Kann es noch einen friedlichen Ausweg geben im ölreichsten Land der Welt? Tränengaswolken, brutale Attacken, die Stimmung schaukelt sich hoch. Ein Demonstrant bittet in Caracas nackt um ein Ende der Gewalt.

Demonstranten protestieren gegen die Regierung des Landes.

Quelle: Fernando Llano

Caracas. Im blutigen Machtkampf in Venezuela hat die Opposition das Militär zum Bruch mit dem sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro aufgerufen.

„Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter“, sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Der Vizepräsident des Parlaments kündigte für Montag neue Massenproteste im Land mit den größten Ölreserven an, das nach Jahren des Niedergangs vor dem Ruin steht. Demonstranten nannten Maduro einen „Mörder“, weil er Soldaten und Milizen zum rücksichtlosen Vorgehen aufrufe. Bisher starben bei den Protesten neun Menschen, es gab rund 1000 Festnahmen.

Angesichts dramatischer Szenen in Caracas fordert auch die internationale Gemeinschaft von Maduro ein Zurückziehen der brutal agierenden Milizen. Bilder zeigten, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Es gab brennende Straßenbarrikaden, Molotowcocktails flogen - die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Maduro bezeichnete die Demonstranten als Terroristen, erklärte sich aber zugleich zum Dialog bereit. „Es wird nie einen Bürgerkrieg in unserem Vaterland geben“.

Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro sagte, die Demokratie in Venezuela sei „tödlich verletzt“. Seit Tagen demonstrierten Hunderttausende für Neuwahlen und gegen ein Abdriften in die Diktatur - Auslöser war die zeitweise Entmachtung des Parlaments und die zunehmende Repression.

„Wir verurteilen vor allem, dass das Regime die Colectivos bewaffnet hat, damit sie unkontrolliert Repression ausüben“, sagte der frühere uruguayische Außenminister Almagro. Als Colectivos werden mit den seit 1999 regierenden Sozialisten sympathisierende Milizen bezeichnet, die mit Waffen und Schlagketten Gegner attackieren.

Bilder von einer Frau, die sich einem gepanzerten Fahrzeug inmitten von Tränengas entgegenstellt oder von einem nackten Mann, der einen Panzerwagen besteigt und ein Ende der Gewalt fordert, gingen um die Welt. Der Mann hatte sich zuvor - nur mit Schuhen bekleidet - mit ausgestreckten Armen und einer Bibel in der Hand zwischen schwer bewaffnete Polizisten gestellt, die sich auf ihren Motorrädern mit Gasmasken gegen Tränengas schützten. „Werft keine Bomben mehr“, rief er mit Blick auf den massiven Tränengaseinsatz.

Maduro klassifizierte die Aktion als lächerliche Show. „Zum Glück ist ihm kein Stück Seife hingefallen, das hätte ein komisches Foto gegeben“, lästerte er von Anhängern. Er fordert die Verteidigung der von Hugo Chávez begonnenen sozialistischen „Revolution“ - dank der Öleinnahmen wurde lange massiv in Sozialprogramme und Wohnungsbau investiert. Aber Misswirtschaft ließ das Land zuletzt abstürzen.

Wegen der Bedienung milliardenschwerer Auslandsschulden und der höchsten Inflation der Welt können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Maduro macht den niedrigen Ölpreis und einen „Wirtschaftskrieg“ verantwortlich. 2016 brach die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent ein. Antibiotika, Diabetes- oder Epilepsie-Medikamente sind kaum noch zu bekommen. Die Kindersterblichkeit stieg deutlich an. Auf Müllkippen in Caracas suchen Menschen, gestört von Geiern, nach Essensresten.

dpa

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