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Aufatmen in Madaja: Nahrung für Hungernde eingetroffen

Damaskus Aufatmen in Madaja: Nahrung für Hungernde eingetroffen

Monatelang mussten die teilweise bis auf die Knochen abgemagerten Bewohner Madajas auf die lebensrettende Lieferung warten. Nun kamen tonnenweise Nahrung und Medizin in der belagerten Stadt an. Doch nicht für alle Bewohner kam die Hilfe rechtzeitig.

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Ein Hilfskonvoi des internationalen Roten Kreuzes auf dem Weg in die belagerte Stadt Madaja in Syrien.

Quelle: Icrc/pawel Krzysiek/dpa/archiv

Damaskus. Eine lebensrettende Hilfslieferung hat Tausende vom Hungertod bedrohte Bewohner der belagerten syrischen Stadt Madaja erreicht.

Die ersten Lastwagen des Konvois mit insgesamt 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten fuhren am Montagnachmittag in den seit einem halben Jahr von Regierungstruppen eingeschlossenen Ort, wie Pawel Krzysiek, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das gezielte Aushungern von Zivilisten gilt völkerrechtlich als Kriegsverbrechen.

Die Hilfe besteht neben Nahrung unter anderem aus Medikamenten für chronische Krankheiten, Schwangere und Säuglinge. Dem Syrischen Halbmond zufolge reicht sie aus, um die bis zu 40 000 Menschen in der westsyrischen Stadt 40 Tage lang zu versorgen. Es wurde damit gerechnet, dass es bis in den späten Abend dauern könnte, bis alle Laster ihre Ladung in den von Rebellen gehaltenen Ort gebracht haben.

Insgesamt starben in Madaja seit Dezember nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 28 Menschen wegen Mangelernährung - darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren. Erst am Sonntag bestätigte MSF fünf Todesfälle. Neben den Zivilisten befinden sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 125 Kämpfer der Rebellen in der Stadt. Spannungen zwischen ihnen und der Bevölkerung gebe es nicht.

Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja traf eine Lieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens ein. Diese Dörfer werden von Regierungstruppen gehalten, auch dort war nach Angaben von Menschenrechtlern eine Person infolge der Blockade gestorben. Die Hilfslieferungen in Madaja und den beiden Dörfen gehen auf eine von den Vereinten Nationen vermittelte Abmachung zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und Rebellen zurück.

Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. Bilder von bis auf die Knochen abgemagerten Menschen hatten international Entsetzen ausgelöst.

„Uns wurde gesagt, dass Essen geliefert wird, das wir fast drei Monate lang nicht hatten (...). Ich hoffe, es wird auch Brot dabei sein, weil ich den Geschmack vergessen habe“, sagte der zehnjährige Rami aus Madaja am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der acht Jahre alte Hassan erzählte, er und seine Familie hätten in der vergangenen Woche nur von Wasser, Pfeffer und Salz gelebt: „Ich möchte Eier und Kartoffeln zum Abendessen haben.“

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass sich bis zu 40 000 Menschen in Madaja aufhalten. Ärzte ohne Grenzen spricht von mehr als 20 000 Menschen. Eigentlich hat der Ort nur einige Tausend Einwohner, doch infolge von heftigen Kämpfen um die nahe Stadt Sabadani flohen viele Menschen nach Madaja.

Frankreich forderte eine rasche Öffnung der Stadt. Es sei eine „absolute Notwendigkeit, dass Syrien und Russland ihre militärischen Operationen gegen die Zivilbevölkerung beenden“, sagte Außenminister Laurent Fabius in Paris.

Die Grünen verlangten von der Bundesregierung, auch den Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft zu prüfen.

Ärzte ohne Grenzen hatte am Sonntag regelmäßige Hilfseinsätze für Madaja und die anderen eingeschlossenen Orte gefordert. „Eine einzelne Lieferung wird das Problem nicht lösen“, sagte der stellvertretender medizinische Direktor Tammam Aludat.

Auch Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit brachen am Montag nach Madaja auf. Die Organisation World Vision International berichtete unter Berufung auf die Vereinten Nationen, insgesamt benötigten rund 400 000 Menschen in Syrien dringend Lebensmittel, Trinkwasser und Medizin.

dpa

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