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Autobauer holen Alt-Diesel von der Straße

Gut für Absatz und Umwelt? Autobauer holen Alt-Diesel von der Straße

Mit einer Abwrackprämie von bis zu 10 000 Euro für alte Dieselwagen will Volkswagen den Umweltschutz verbessern - und den eigenen Absatz ankurbeln. Andere Hersteller legen ähnliche Programme auf. Haben auch die Autofahrer etwas davon?

Auch mit einem ausgetauschten, neuen Diesel ist man nicht unbedingt vor möglichen Fahrverboten sicher.

Quelle: Marijan Murat

Frankfurt/Main. Beim Diesel-Gipfel haben die deutschen Autohersteller nicht nur Hardware-Lösungen abgewehrt und sich zu Software-Updates für jüngere Dieselmodelle verpflichtet.

Mit Verkaufsförderprogrammen sollen zudem besonders alte Dieselwagen mit hohem Schadstoffausstoß von der Straßen geholt werden. Ob damit das eigentliche Ziel - nämlich Fahrverbote in einzelnen deutschen Städten zu verhindern - erreicht werden kann, bleibt aber fraglich.

Was bieten die einzelnen Hersteller an?

Mit einer Abwrackprämie von bis zu 10 000 Euro für alte Dieselautos der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4 klotzt der VW-Konzern und hat sich an die Spitze der Hersteller gesetzt. Der bis zum Jahresende befristete Preisnachlass ist bei den Konzernmarken nach der Größe des gewünschten Neuwagens gestaffelt: Beim Geländewagen VW Touareg gibt es 10 000 Euro Nachlass, beim kleinen Polo sind es nur 3000 Euro.

Der Neue muss nicht zwingend ein Diesel sein. Mit einer zusätzlichen „Zukunftsprämie“ von bis zu 2380 Euro beim Kauf eines Vollstromers legen die Wolfsburger als Verursacher des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte noch einen oben drauf. Daimler hat bislang 2000 Euro Prämie ausschließlich für Mercedes-Alt-Diesel ausgelobt, BMW zahlt die gleiche Summe ohne Ansehen der in Zahlung gegebenen Marke. Andere Hersteller wie Ford oder Toyota haben ihre schon zuvor laufenden Prämienprogramme um eine Diesel-Komponente aufgestockt.

Für wen lohnen sich die neuen Kaufanreize?

Sie könnten sich für die rund 6,4 Millionen Besitzer alter Diesel lohnen, sofern diese ohnehin gerade über die Anschaffung eines Neuwagens nachdenken. Das sind vielleicht gar nicht so viele, mutmaßt zumindest der Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Eine Kaufprämie, die nur einen Bruchteil des Preises für ein neues Fahrzeug ausmacht, führt doch nicht zum Neukauf und ist damit völlig absurd“, sagt ihr Mobilitätsexperte Gregor Kolbe. Allerdings können 5000 Euro für einen Golf oder 8000 Euro für einen Passat durchaus schon ein Viertel des Listenpreises ausmachen. Interessenten sollten die Angebote daher genau prüfen und miteinander vergleichen.

Werden die neuen Rabatte zusätzlich zu bestehenden Angeboten gewährt?

Das ist Verhandlungssache. Händler könnten zunächst versuchen, die bisherigen Rabatte zurückzufahren und stattdessen die von den Herstellern finanzierte Prämie in den Vordergrund zu stellen. Ob darüber hinaus dann noch Verhandlungsspielraum besteht, muss letztlich jeder Käufer selbst herausfinden, wobei auch der tatsächliche Restwert des eigenen Alt-Autos zu berücksichtigen ist. Die Preishoheit habe letztlich der Händler, sagt VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Bei dafür qualifizierten Elektroautos kann auch weiterhin die von Staat und Herstellern gemeinsam finanzierte „Umweltprämie“ von bis zu 4000 Euro in Anspruch genommen werden.

Ist man denn mit einem neuen Diesel vor Fahrverboten sicher?

Das ist keineswegs ausgemacht. Nach Messungen des Umweltbundesamtes wie auch des klagefreudigen Vereins Deutsche Umwelthilfe (DUH) stoßen auch aktuelle Euro-6-Diesel im realen Betrieb ein Vielfaches der von der EU erlaubten Grenzwerte gesundheitsschädlicher Stickoxide aus.

Sofern es sich um Modelle deutscher Hersteller handelt, sollen sie wie die Euro-5-Diesel lediglich mit einem Software-Update etwas sauberer gemacht werden. Ein neuer Diesel sei derzeit überhaupt kein Garant dafür, von drohenden Fahrverboten nicht betroffen zu sein, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die DUH will nach Aussagen ihres Chefs Jürgen Resch den Klageweg weiter verfolgen, er rechnet mit Fahrverboten etwa in Stuttgart und München bereits im kommenden Jahr. Dann wird auch das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob eine Kommune überhaupt ein Verbot aussprechen darf.

Wenn es aber dennoch ein neuer Diesel sein soll?

Wer erwägt, ein Diesel-Neufahrzeug zu kaufen, sollte darauf achten, dass dieses auch im realen Betrieb niedrige Stickoxid-Emissionen aufweist, rät der ADAC-Experte Stefan Gerwens. „Das ist bei Einhaltung der ab September für neue Modelle vorgeschriebenen neuen Euro-6d-TEMP-Norm oder der ab 2020 gültigen Euro-6d-Norm der Fall.“

Was bringt die Rabattaktion für die Umwelt?

Das kommt in der noch offenen Gesamtrechnung darauf an, für welche Modelle sich die Kunden entscheiden. Werden alte Diesel-Stinker aus dem Verkehr gezogen, sinkt die Umweltbelastung durch Stickoxide wie auch durch CO2, wenn an ihrer Stelle wirklich saubere Neufahrzeuge genutzt werden. Nicht gerade hilfreich ist es dabei, dass VW für das größte Modell Touareg die höchste Prämie von 10 000 Euro anbietet, findet Autoexperte Stefan Bratzel. Die VW-Offerte hat aber mit der „Zukunftsprämie“ für Elektro-, Hybrid- und Gasfahrzeuge auch eine echte Umwelt-Komponente. Beim Abwracken noch fahrbereiter Alt-Diesel muss zumindest ein Teil des Energieaufwandes gegengerechnet werden, der einmal für die Produktion dieser Autos entstanden ist und nun durch das vorzeitige Abwracken nicht mehr genutzt wird.

Und was bringen die Rabattprogramme der Industrie?

Die Erfahrung mit der Abwrackprämie nach der Finanzkrise 2009 zeigt: Plakative und zeitlich begrenzte Rabatte können den Verkauf durchaus anheizen. VW werde sicherlich eine bessere Auslastung seiner Werke erreichen, glaubt Bratzel. Für eine echte „Renaissance“ des Diesels seien hingegen die Unwägbarkeiten rund um das Thema Fahrverbote groß und die bislang eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichend. Wie sich die Verschrottung tausender Alt-Diesel auf die Restwerte von Diesel-Gebrauchtwagen auswirkt, muss sich erst noch zeigen.

dpa

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