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Autobombe in Bagdad tötet mehr als 100 Menschen

Bagdad Autobombe in Bagdad tötet mehr als 100 Menschen

Nach dem Verlust ihrer westirakischen Hochburg Falludscha gerät die IS-Terrormiliz militärisch unter Druck. Wie schon früher reagieren die Extremisten mit Anschlägen gegen Zivilisten.

Bagdad. Beim bislang blutigsten Terroranschlag in diesem Jahr sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 100 Menschen getötet worden.

Nach Angaben aus dem Innenministerium wurden 170 weitere teils schwer verletzt, als am frühen Morgen nur wenige Tage vor dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan in einem beliebten Einkaufsviertel eine Autobombe explodierte. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich im Internet zu der Tat und erklärte, es sei ein Selbstmordanschlag gewesen.

Die Zahl der Toten dürfte demnach weiter steigen, weil viele Verletzte am Abend in Lebensgefahr schwebten, Leichenteile noch nicht identifiziert waren und noch Tote unter den Trümmern zerstörter Häuser vermutet wurden. Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Das Attentat in Bagdad folgte nur wenige Tage auf die Attacke radikaler Islamisten in Bangladesch mit 22 Todesopfern und dem Angriff auf den Flughafen in Istanbul, der ebenfalls IS-Extremisten zugeschrieben wird.

Die Explosion war so stark, dass sie ein Einkaufszentrum und weitere Gebäude in dem Stadtteil Karada fast völlig zerstörte. Fernsehbilder zeigten ausgebrannte Autowracks und Trümmer auf der abgesperrten Straße. Bei vielen Irakern im Irak löste der Anschlag Wut aus. Aufgebrachte Menschen beschimpften Iraks Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, als er den Anschlagsort besuchte, wie Internetvideos zeigten. Auf seinen Autokonvoi flogen Steine und andere Gegenstände.

In der Stellungnahme erklärte der IS, der Attentäter habe Schiiten angegriffen. Die sunnitische Terrormiliz sieht Schiiten als Abtrünnige an. Die IS-Erklärung konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Schon in der Vergangenheit hatte sich die Miliz zu zahlreichen Attentaten im Irak bekannt. So starben im Mai bei einer Anschlagserie in Bagdad mindestens 86 Menschen.

Die Extremisten kontrollieren zwar immer noch große Teile des Landes, sind aber zuletzt stark unter Druck geraten. Ende Juni konnten die irakische Armee und schiitische Milizen die sunnitische Miliz aus ihrer Hochburg Falludscha im Westen des Landes vertreiben. Als einzige große Stadt im Irak bleibt den Extremisten nur noch Mossul im Norden. Immer wieder ist zu beobachten, dass der IS seine Terroranschläge verschärft, wenn er militärisch unter Druck gerät.

Schon vor Beginn des Ramadans, der in dieser Woche mit dem Fest des Fastenbrechens endet, hatten die Extremisten Attentate angekündigt. Im Irak verübt die Miliz ihre Anschläge meistens in Gegenden, die von Schiiten bewohnt werden. Damit will sie die Spannungen zwischen den beiden großen Strömungen des Islam im Irak weiter verschärfen.

Der Stadtteil Karada gilt als Hochburg des Obersten Islamischen Rates, einer führenden schiitischen Kraft im Land. In Karada liegen aber auch viele Restaurants, Hotels sowie die französische Botschaft. Im Ramadan sind die Straßen vor allem am späten Abend sehr voll, weil die gläubigen Muslime tagsüber nichts essen und trinken dürfen.

Regierungschef Al-Abadi kündigte bei seinem Besuch am Anschlagsort Vergeltung an, wie die Nachrichtenseite Al-Mada berichtete. Die Attentate des IS seien „verzweifelte Versuche“, nachdem die Terrororganisation „auf dem Schlachtfeld vernichtet worden ist“.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die „grauenhafte Tat“. Einmal mehr zeige sich, „dass die Terroristen des sogenannten IS nicht davor zurückschrecken, unschuldige Kinder, Mütter und Väter im Namen ihrer hasserfüllten Ideologie zu ermorden“, erklärt er. Der UN-Gesandte im Irak, Jan Kubiš, sprach von einem „feigen und abscheulichen“ Terrorangriff.

Widersprüchliche Angaben gab es zu einer zweiten Explosion im Norden Bagdads, bei der neun Menschen getötet und elf verletzt wurden. Lokale Medien berichteten von der Detonation einer Bombe in dem vor allem von Schiiten bewohnten Stadtteil Al-Schaab. Das Innenministerium erklärte hingegen, in der Gegend sei ein Feuer ausgebrochen und habe eine Explosion in einem Laden ausgelöst.

dpa

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