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Brandanschlag auf Josefsgrab in Nablus

Nablus/Jerusalem Brandanschlag auf Josefsgrab in Nablus

Palästinensische Jugendliche liefern sich im besetzten Westjordanland Straßenschlachten mit dem israelischen Militär. In Nablus setzen sie das Grab des biblischen Josef in Brand. Eskaliert die Gewalt?

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Ist zu einem Treffen mit Palästinenserpräsident Abbas bereit: Israels Ministerpräsident Netanjahu.

Quelle: Abir Sultan

Nablus. Die Gewalt in Nahost zieht nun selbst biblische Stätten in Mitleidenschaft: Radikale palästinensische Jugendliche warfen in der Nacht zum Freitag Molotow-Cocktails gegen das Josefsgrab in Nablus und setzten es in Brand.

Nach der Überlieferung ist das Josefsgrab die letzte Ruhestätte der biblischen Gestalt Josef, Sohn des Patriarchen Jakob. Es wird von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen verehrt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Brandstiftung am Josefsgrab scharf. Das palästinensische Volk lehne derartige Gewaltakte ab, die dem palästinensischen Kultur- und Religionsverständnis fremd seien, sagte Abbas an seinem Amtssitz in Ramallah.

Der Schaden sei erheblich, berichtete die israelische Webseite ynetnews.com. Menschen wurden nicht verletzt. Einheiten der palästinensischen Polizei vertrieben die Randalierer und löschten das Feuer, bevor israelische Truppen eintrafen. 

Bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär wurden am Freitag im besetzten Westjordanland Dutzende Palästinenser verletzt. Radikale Palästinenser-Gruppen hatten zuvor zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen. Ein palästinensischer Attentäter verletzte in einer jüdischen Siedlung bei Hebron einen israelischen Soldaten mit Messerstichen und wurde daraufhin erschossen.

Die radikal-islamische Hamas hatte für den Freitag zu einem „Tag des Zorns“ im Westjordanland aufgerufen. An zahlreichen Orten, so in Ramallah, Hebron, Bethlehem, Nablus and Tulkarem, griffen palästinensische Demonstranten israelische Militärposten mit Steinen an. Die Israelis erwiderten die Attacken mit Gummigeschossen und Tränengas. Dutzende Demonstranten wurden verletzt.

Auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem blieb es hingegen friedlich. Hunderte Muslime, denen Israel den Zugang verwehrt hatte, verrichteten das Freitagsgebet auf der Straße. Die Behörden hatten wegen der angespannten Lage verfügt, dass am Freitag nur Männer über 40 auf den Tempelberg durften. Für Frauen galt keine Altersbeschränkung.

Indes ging auch die Serie von Messerattacken, die Einzeltäter auf Israelis verüben, weiter. Ein als Reporter getarnter Palästinenser griff in der jüdischen Siedlung Kiriat Arba bei Hebron einen israelischen Soldaten an. Dieser wurde durch Messerstiche leicht verletzt. Der Angreifer wurde erschossen, bestätigte das israelische Militär am Freitag.

Die Proteste hauptsächlich jugendlicher Palästinenser richten sich gegen angebliche israelische Pläne, die Verhältnisse auf dem Juden wie Muslimen heiligen Tempelberg in Jerusalem zu verändern. Auf dem Tempelberg, der drittheiligsten Stätte im Islam, stehen der Felsendom sowie die Al-Aksa-Moschee. Palästinenser werfen Israel vor, die Kontrolle der Muslime über ihre Heiligtümer aushöhlen sowie immer mehr Juden den Zugang auf das Plateau gestatten zu wollen. Israel bestreitet derartige Pläne.

Auch die jüngste Serie palästinensischer Messerattacken auf Israelis wird auf den Streit um die heilige Stätte zurückgeführt. Seit Monatsbeginn fielen der Gewalt sieben Israelis und mehr als 30 Palästinenser zum Opfer. Knapp die Hälfte der getöteten Palästinenser waren Attentäter, die im Zuge ihrer Anschläge erschossen wurden. Die anderen starben bei Unruhen im Westjordanland oder bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär am Grenzzaun zum Gazastreifen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Donnerstagabend, sich mit Palästinenser-Präsident Abbas und anderen arabischen Führern treffen zu wollen, um die Gewalt zu stoppen. Zudem bestätigte er, dass die USA angeboten hätten, Gespräche in Jordanien zu vermitteln. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich später am Freitag mit der Lage im Nahen Osten beschäftigen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich indes „zutiefst besorgt über die anhaltende Gewalt“ in Israel und den Palästinensergebieten. Beide Seiten müssten alles vermeiden, was die Spannungen anheize. „Wir brauchen den Wiedereinstieg in einen politischen Prozess, der eine Perspektive auf eine nachhaltige Lösung des Konflikts schafft“, erklärte der SPD-Politiker in Berlin.


Bericht der Zeitung Haaretz, kostenpflichtig
Bericht des israelischen Rundfunks, hebräisch
Äußerungen des US-Außenministeriums
Bericht des Armeesenders, hebräisch
Gespräch mit Jaalon, hebräisch
Haaretz zu Netanjahu, Englisch

dpa

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