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Bundeswehr erhöht Sicherheitsmaßnahmen für Soldaten in Türkei

/Istanbul Bundeswehr erhöht Sicherheitsmaßnahmen für Soldaten in Türkei

Nach der Aufkündigung des Friedensprozesses mit der kurdischen PKK wächst die Furcht vor Anschlägen in der Türkei. Auch die dort stationierte Bundeswehrtruppe geht auf Nummer sicher. Die Soldaten dürfen die Kaserne nicht mehr in Uniform veranlassen.

KahramanmaraşAngesichts der jüngsten Gewalteskalation in der Türkei hat die dort stationierte Bundeswehrtruppe ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Für die Raketenabwehr-Soldaten in Kahramanmaraş wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Sie dürfen ihre Kaserne nur noch zu dienstlichen Zwecken und in Zivil verlassen. Zudem wurde die Bewachung der Kaserne durch türkische Kräfte verstärkt.

Bei Gefechten und einem Anschlag in der Türkei kamen allein am Donnerstag sechs Menschen ums Leben, darunter drei türkische Soldaten. Die türkische Luftwaffe flog neue Angriffe auf Stellungen der kurdischen PKK im Nordirak.

Das Auswärtige Amt rät angesichts der angespannten Situation in der Türkei bei Reisen über Land zu besonderer Umsicht und Vorsicht. „Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul“, heißt es aktuell in den Reise- und Sicherheitshinweisen auf der AA-Homepage.

Die Polizeidirektion in Istanbul teilte auf Anfrage mit, es liege zurzeit keine Sicherheitswarnung von türkischer Seite für die Metropole vor. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aber offensichtlich erhöht. So wurden zuletzt in einem Einkaufszentrum an der zentralen Geschäftsstraße Istiklal Besucher durchsucht, bevor sie eingelassen wurden.

Über die Schutzmaßnahmen der deutschen Soldaten informierte das Verteidigungsministerium die Fachleute der Bundestagsfraktionen in einem Schreiben. „Es liegen derzeit keine konkreten Hinweise vor, dass die in Kahramanmaraş stationierten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einer erhöhten Gefährdung ausgesetzt wären“, heißt es darin. Dennoch seien zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen veranlasst worden. Dazu zähle auch die Beschränkung von Fahrten „auf das absolut notwendige Maß“.

Die Stimmung unter den deutschen Soldaten in der Türkei ist nach Angaben ires Kommandeurs Michael Hogrebe weiterhin gut. Sie erfüllten „unaufgeregt und professionell ihren Auftrag“, sagte der Oberst der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichwohl, die berühmte hundertprozentige Sicherheit, die man gern immer hätte, gibt es nun mal leider nicht.“

In Kahramanmaraş sind rund 260 deutsche Soldaten mit „Patriot“-Abwehrraketen stationiert. Der Nato-Partner Türkei hatte vor zweieinhalb Jahren um die Unterstützung zum Schutz vor Angriffen aus Syrien gebeten. Die Bundeswehrtruppe ist in einer türkischen Kaserne stationiert.

Die Skepsis gegenüber dem Einsatz wächst. Der Bundeswehrverband forderte eine Bundestagsdebatte über einen vorzeitigen Abzug der Soldaten aus der Türkei. Ein solcher Schritt dürfe kein Tabu sein, sagte Verbandschef André Wüstner der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

Er wies wie der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels darauf hin, dass die Soldaten in der Türkei überlastet seien. Bartels sagte der „Nordwest-Zeitung“ (Donnerstag): „Je länger der Einsatz läuft, desto schwieriger wird es. Vielleicht ist die Flugabwehr im Zuge der Bundeswehrreform doch zu klein geworden.“

Im vergangenen September musste das Verteidigungsministerium einräumen, dass bei gut einem Viertel (28 Prozent) der seit Anfang 2013 eingesetzten Soldaten die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei vier- bis sechsmonatigen Einsätzen nicht eingehalten werden konnte.

Nach mehreren Terroranschlägen mit Dutzenden Toten fliegt die türkische Luftwaffe seit vergangener Woche Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und der PKK im Nordirak. Das Vorgehen gegen die Kurden, deren Kämpfer den IS in Syrien zurückschlagen und somit Verbündete der USA sind, ist international höchst umstritten. Die türkische Regierung und die PKK erklärten den 2013 eingeleiteten Friedensprozess für nichtig.


"Patriot"-Einsatz der Bundeswehr
Hinweise des Auswärtigen Amtes

dpa

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