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„Das erste, was ich dachte, war: Terroristen“

Terror im Süden Manhattans „Das erste, was ich dachte, war: Terroristen“

Terror kennen die Menschen im Süden Manhattans nur zu gut. 16 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center kommt es ganz in der Nähe wieder zu einer Attacke: Diesmal rast ein Kleinlaster in Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Stadt hält dagegen.

Endstation nach 20 Häuserblocks und vielen Toten: Polizisten untersuchen den Pick-up-Truck des Attentäters.

Quelle: Bebeto Matthews

New York. Mit dem World Trade Center im Blick will Eugene Duffy am Dienstagnachmittag seine Arbeitsschicht als Koch in einem Restaurant im Süden Manhattans beenden.

Er will rausfahren auf die Halbinsel Rockaway, um mit seinem Vater das Baseball-Endspiel der World Series zu gucken, die Mütze der Houston Astros trägt er schon. Doch als Duffy eine Kreuzung überquert und eine Frau schreien hört, wird ihm klar: Da stimmt etwas nicht. Er sieht einen Kleintransporter, der mit hohem Tempo über einen Fahrradweg rauscht, dann zwei Fahrradfahrer, die bewegungslos am Boden liegen. „Das erste was ich dachte, war: Terroristen.“

Von einem „Terrorakt“ spricht wenig später auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio. Da ist klar: Mindestens acht Menschen sind tot, elf verletzt. Mit einem gemieteten Kleinlaster ist ein 29 Jahre alter Mann über den Fahrrad- und Fußgängerweg im Südwesten Manhattans gerast und mitten durch die Menschen gepflügt. Die Gegend gehört zu den geschäftigsten der Stadt - Tausende Menschen arbeiten hier, Touristen bummeln und gehen einkaufen, die nahegelegene Stuyvesant High School besuchen mehr als 3300 Schüler. Dazu ist Halloween, Tausende Familien sind bei strahlendem Sonnenschein auf dem Weg zum traditionellen Süßigkeiten-Sammeln.

Gleichzeitig ist die Gegend mit Terrorismus nur allzu gut vertraut. Am 11. September 2001 starben fast 3000 Menschen bei den Terroranschlägen mit Flugzeugen auf die Türme des World Trade Centers. Heute stehen an der Stelle ein neuer World-Trade-Center-Turm sowie ein Denkmal, das täglich Tausende Menschen besuchen.

Schon damals hat sich die Stadt als widerstandsfähig erwiesen und auch diesmal wird diese Parole ausgegeben: „Seien Sie New Yorker!“, fordert New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo die Menschen auf. „Leben Sie ihr Leben, lassen Sie ihr Leben nicht von anderen bestimmen.“ Und die New Yorker folgen ihm, gehen noch am selben Abend auf Halloween-Umzüge, Parties oder ihrem ganz normalen Alltag nach. „Man muss sein Leben leben“, sagt die 37-jährige Alexandra Colon dem „Guardian“ - verkleidet als Kate Winslets Paraderolle in dem Film „Titanic“ auf der Halloween-Parade im Greenwich Village.

„Er fuhr sehr schnell, vielleicht 40 oder 50 Meilen pro Stunde“, sagt Augenzeuge Duffy der Deutschen Presse-Agentur über den Wagen, den er aus ein, zwei Blocks Entfernung sah. Trotz der rund 70 Stundenkilometer habe es gewirkt, als habe der Fahrer noch beschleunigt. „Wer fährt um drei Uhr nachmittags auf einem Fahrradweg?“, fragt sich Duffy. Der Verkehr auf der West Street, die am Hudson River entlang führt, sei völlig normal gewesen, kein Stau oder dergleichen. „Jemand muss mehr haben als eine aggressive Fahrweise, um so etwas zu tun.“ Der 43-Jährige ist aufgelöst, er hat sich vor Reportern den Mund fusselig geredet und kaum verarbeiten können, was er da gesehen hat.

Kurz nach dem Angriff sind die ersten Retter schon am Einsatzort. Die zwei Leichen, die er gesehen hat, beschreibt Duffy mit grauenvollen Details. Ein Notarzt sei bei ihrem Anblick weiter gelaufen, um nach weiteren Opfern zu suchen. Sah er ihnen an, dass es für lebensrettende Maßnahmen zu spät war?

Laut Schilderung von Polizei und Bürgermeister de Blasio kommt der von einem Heimwerkermarkt gemietete Lieferwagen bald darauf zum Stehen, als er einen Schulbus rammt - direkt vor der Stuyvesant High School. „Das ist ein schmerzhafter Tag für unsere Stadt“, sagt de Blasio. „Eine schreckliche Tragödie auf der Westside.“ Es handele sich um einen „Terrorakt“ der feigesten Art und Weise. Polizeichef James O'Neill spricht von einer „Tragödie größten Ausmaßes“.

John Williams ist mit seinem Skateboard gerade in einem Skate-Park, als ihm zwei Frauen mit Kindern entgegengerannt kommen. „Er hat eine Waffe“, habe jemand geschrien, sagt der 22-Jährige. Die „Waffen“ entpuppen sich später zwar als relativ ungefährlich - Williams und auch Duffy berichten trotzdem, bis zu zehn Schüsse gehört zu haben. Möglicherweise sind es die Kugeln des Polizisten, der dem 29-jährigen Fahrer in den Bauch schießt.

„Es ist schockierend“, sagt Duffy. „Ich wollte einfach nach Hause gehen und sehen, wie die Astros die World Series gewinnen. Es ist furchtbar.“ Die dunkelblaue Baseball-Cap trägt er immer noch. Das Spiel, das die Astros später gegen die Los Angeles Dodgers verlieren werden, wollte er trotzdem gucken. „Vielleicht wird mir das Spiel heute Abend helfen, es zu verarbeiten.“

dpa

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