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Dauerspannung: Neue Rivalität zwischen Riad und Teheran

Kairo/Teheran Dauerspannung: Neue Rivalität zwischen Riad und Teheran

Saudi-Arabiens König lässt einen prominenten Schiiten hinrichten. Die Folge sind internationale Proteste und Gewalt. In Teheran wird die saudische Botschaft gestürmt. Die Rivalität der beiden Regionalmächte wirft auch Schatten auf den Konflikt in Syrien.

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Aufgebrachte Demonstranten verbrennen vor der Saudi-Arabischen Botschaft in Teheran Bilder des saudischen Königs Salman.

Quelle: Mohammad Reza Nadimi

Kairo. Noch im November sah es so aus, als könnte die Rivalität zwischen dem sunnitisch geprägten Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran einer vorsichtigen Annäherung weichen.

Bei den großen Syrien-Gesprächen in Wien saßen Vertreter beider Staaten an einem Tisch, ohne sich bei der Einigung auf einen ehrgeizigen Fahrplan für das Bürgerkriegsland gegenseitig zu blockieren.

Keine zwei Monate später steuert das Verhältnis der Rivalen auf einen neuen Tiefpunkt zu. Das saudische Königshaus lässt neben 46 weiteren Verurteilten den Regime-Kritiker Nimr al-Nimr, einen Geistlichen der schiitischen Minderheit, hinrichten. Im schiitischen Iran entfacht das ungezügelte Gewalt.

In der Nacht zum Sonntag stürmen wütende Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran. Fernsehbilder zeigen, wie Brandsätze in die Fenster der Auslandsvertretung geworfen werden. Andere Teile des Gebäudes sind verwüstet. Stunden später kommt es nahe der nun weiträumig abgeriegelten Botschaft wieder zu Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei. Hunderte Menschen skandieren „Tod der saudischen Königsfamilie“. Auch in Bahrain, dem Irak und dem indischen Teil Kaschmirs kommt es zu Protesten.

„Zweifellos wird das zu Unrecht geflossene Blut dieses Märtyrers Folgen haben, und die saudischen Führer werden die Rache Gottes spüren“, drohte der oberste geistliche Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Anders der iranische Präsident Hassan Ruhani: Er wendet sich gegen die Gewalt seiner Landsleute und spricht von einer „hässlichen Aktion“.

Kein Wunder, denn Irans Regierungschef hat einiges zu verlieren. Erst durch den Abschluss des internationalen Atomabkommens im Juli konnte er das Land aus der politischen Quarantäne führen - seine größte diplomatische Errungenschaft. Nun ist Ruhanis Land wieder ein internationaler Player. Das Image eines „wilden Irans“ kann er sich nicht erlauben.

Das ultrakonservative Saudi-Arabien dagegen hat seit der Verständigung Teherans mit dem Westen mehr Angst denn je, seinen Einfluss in der Region an den Iran zu verlieren. Beide versuchen, ihre dominante Rolle in der islamisch-arabischen Welt auszubauen. Auch in anderen Ländern stehen sie sich gegenüber, etwa im jemenitischen Bürgerkrieg. Die verheerende Massenpanik bei der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch im saudischen Mekka mit Hunderten von iranischen Opfern heizte die Spannungen zusätzlich an.

Und nun also Nimr al-Nimr. Ein Geistlicher der schiitischen Minderheit, die vor allem im Osten des Landes lebt - dort, wo auch der Ölreichtum des Königreichs zu Hause ist. In den 80er Jahren lebte Al-Nimr lange Zeit im Iran, wo er den schiitischen Islam studierte. Wegen seiner feurigen Reden gegen die Unterdrückung durch die sunnitische Regierung wurde er unter seinen schiitischen Landsleuten schnell populär - zum wachsenden Mißfallen des Königshauses in Riad, galt er doch als treibende Kraft hinter den Demonstrationen gegen die Regierung. Wegen Schürens religiöser Konflikte und „Ungehorsams gegenüber dem Herrscher“ wurde er schließlich verurteilt - und hingerichtet.

Je nachdem wie hoch die Wellen nach Al-Nimrs Tod noch schlagen werden, könnten sie auch Einfluss auf den schwierigen Friedensprozess in Syrien haben. Am 25. Januar sollen neue Gespräche in Genf beginnen. Feindseligkeiten zwischen dem Iran als engstem Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und der Ölmonarchie, die ihrerseits Rebellen unterstützt, würden die Verhandlungen enorm erschweren. „Ich bin sicher, dass meine Verhaftung oder mein Tod Auslöser von Handlungen sein werden“, hatte Nimr al-Nimr vor seiner Verhaftung gesagt. Er sollte Recht behalten.

dpa

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