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Der Bundestag debattiert - Böhmermann dreht wieder auf

Berlin Der Bundestag debattiert - Böhmermann dreht wieder auf

Einen Monat lang hatte Jan Böhmermann Fernsehpause. Jetzt ist er wieder da. Gleichzeitig debattiert der Bundestag über die Folgen der Böhmermann-Affäre. Der Satiriker kommentiert das genüsslich.

Berlin. Jan Böhmermann ist zurück im Fernsehen. Und ausgerechnet an dem Tag, an dem seine Satire-Show „Neo Magazin Royale“ nach einem Monat Pause wieder zu sehen sein sollte, debattierte der Bundestag über die Folgen der Böhmermann-Affäre.

Thema ist die Abschaffung des Paragrafen 103, der die Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder unter Strafe stellt. Eine Steilvorlage für den Satiriker, der sich auf Twitter und Facebook sofort mit spitzen Kommentaren zu Wort meldet.

Auf Twitter veröffentlicht Böhmermann (35) ein Foto von sich beim Verfolgen der Debatte am Fernseher. Ein Retweet gilt dem Redebeitrag des CDU-Abgeordneten Detlef Seif, der Böhmermanns Gedicht „Schmähkritik“ zitiert. Der Satiriker hatte es Ende März in seiner Sendung vorgelesen und damit viel Wirbel ausgelöst, inklusive möglicher rechtlicher Konsequenzen für den TV-Moderator und Grimmepreis-Träger.

Böhmermanns Kommentar auf Twitter dazu: „Ich weiß nicht, was ich als Wähler schlimmer finde: wenn ein MdB Crystal Meth nimmt oder das Schandgedicht öffentlich im Parlament vorträgt!“ Und gleich noch zwei weitere Spitzen: „Detlef Seif hat das Schmähgedicht aus dem Kontext gehoben und im Deutschen Bundestag vorgetragen. Beschämend, würde- und geschmacklos!“, twittert der Satiriker. „Ich beantrage hiermit die Aufhebung der Immunität des CDU-Abgeordneten Detlef Seif wegen Verstoßes gg. §103 StGB.“

Alles vielleicht nur ein Fake oder ein gefakter Fake? So wie beim Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Giannis Varoufakis? Nein: Der Abgeordnete Detlef Seif, Jurist aus dem CDU-Kreisverband Euskirchen bei Aachen, las das Gedicht tatsächlich komplett vor.

Auf Facebook zeigte Böhmermann schon einmal seinen Gesprächspartner für die neue Sendung, Gregor Gysi (68), in einem Video-Clip unter der Überschrift „Words don't come gysi to me...“. Gysi und Böhmermann plaudern darin unter anderem über Drogenerfahrungen des Linken-Politikers, darüber, was in der Bundestagskantine so los ist oder über die Kosten für den Fall, dass Gysi Böhmermann demnächst als Anwalt vertreten sollte. Die beiden wirkten dabei entspannt und gut gelaunt. Aber: „Die Sendung heute Abend steht unter großem Druck“, sagte Böhmermann.

Gysi hatte den Satiriker für dessen Schmähgedicht kritisiert. Er habe das Gedicht über Recep Tayyip Erdogan gelesen und finde es „nicht witzig“, sagte der Politiker vor seinem Auftritt in „Neo Magazin Royale“ der Zeitung „Freie Presse“ (Donnerstag). Es würden viele Vorurteile bedient. „Das ärgert mich. Es ist eine Schmähkritik.“

Über die neue Folge der Satire-Show sagte der Politiker der „Bild“: „Es ist eine schöne Jugendsendung. Die Witze darin waren so teils, teils.“ Böhmermann hatte zuvor angekündigt, diesmal nur Witze von Zuschauern vorzutragen. In Anspielung auf den Strafrechtsparagrafen 103 hatte er dafür 103 Euro ausgelobt.

„Außerdem habe ich Böhmermann gesagt, dass ich Merkels Reaktion daneben fand“, sagte Gysi. „Er soll noch bestraft werden und danach wird der Paragraph abgeschafft? Das geht gar nicht.“

Das strittige Gedicht sei rechtlich gesehen eine Beleidigung, sagte der promovierte Jurist der „Freien Presse“ weiter. Er sei zwar ein Verfechter der Kunstfreiheit. „Aber man sollte sie auch nicht missbrauchen. Jan Böhmermann hätte das so nicht sagen müssen“, sagte Gysi. „Er hatte zwar angekündigt, dass es sich um Schmähkritik handelt. Juristisch gesehen bleibt es aber eine Beleidigung.“

Die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Erdogans Strafverlangen gegen Böhmermann zugelassen hatte, missbilligte der frühere Chef der Linken im Bundestag: „Es ist höchst bedenklich, wie die Regierung vor jemandem kuscht, der massive Menschenrechtsverletzungen begeht.“ Was Böhmermann zu all den Gysi-Äußerungen sagt, war auf Twitter und Facebook noch nicht zu lesen.

dpa

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