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Brennpunkte Deutschland unter Dauerdruck
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22:46 30.10.2013
Ein Land unter Druck: Jeder Fünfte lebt sogar im Dauerstress. Quelle: dpa
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Berlin

Einfach mal abschalten, die Füße hochlegen und nach Feierabend das Handy zur Seite legen. Das können offenbar immer weniger Deutsche. Jeder Zweite sagt, in den letzten drei Jahren habe der Stress für ihn deutlich zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stressstudie „Bleib locker Deutschland“ der Techniker Krankenkasse (TK), die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Ein Land unter Druck, denn jeder Fünfte lebt sogar im Dauerstress. Für zehn Prozent ist der Alltag nur noch mit Beruhigungsmitteln zu ertragen. Das ist wohl eines der alarmierendsten Ergebnisse der Umfrage.

Kommentar: Einfach abschalten!

Am stärksten betroffen ist laut dem Meinungsforschungsinstitut Forsa, das die Studie im Auftrag der TK durchgeführt haben, die Sandwichgeneration der Mitte 30- bis Mitte 40-Jährigen. Sie reiben sich zwischen Karriere, Familienplanung, Haushalt, Freunden und Eltern auf. Frauen dieser Generation (63 Prozent) spüren den Stress sogar noch stärker als Männer des gleichen Alters (52 Prozent). „Eine Erklärung könnte der höhere Anspruch sein, den Frauen an sich haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Blaas.

Grundsätzlich gilt: Je älter, desto entspannter. Denn der Hauptfaktor für das Gefühl der Stresszunahme ist immer noch die Arbeit. Nur 30 Prozent der 66-Jährigen empfinden eine Zunahme an Leistungsdruck. Dagegen stimmen 93<TH>Prozent aller 18- bis 25-Jährigen der Aussage zu, der Stress habe sich für sie in den letzten Jahren vervielfacht.
An zweiter Stelle der Stressfaktoren geben 48 Prozent aller Frauen die hohen Ansprüche an sich selbst an. 35 Prozent aller Männer kennen das Gefühl, sich selbst nicht gerecht zu werden. Private Konflikte sind für 33 Prozent aller Befragten stressfördernd. Krankheiten von Verwandten oder Freunden empfinden 32 Prozent als belastend. Geldsorgen quälen 27 Prozent aller Deutschen.

Bei der Frage nach den jobbedingten Stressfaktoren landen Konflikte mit Kollegen oder dem Arbeitgeber überraschenderweise auf dem letzten Platz (21 Prozent). Dagegen dominiert bei vielen Menschen das Gefühl, in Arbeit regelrecht zu ersticken (65 Prozent). Auch Termindruck (62 Prozent) und Störungen im Arbeitsprozess (54 Prozent) sind für viele Arbeitnehmer belastend. 2009 klagten nur 28 Prozent aller Arbeitnehmer über zu viel Arbeit.

Dabei lassen sich drei Stresstypen unterscheiden: 59 Prozent gehören zu den „Durchhaltern“. 17 Prozent versuchen Stress wie auch immer zu vermeiden, 17 Prozent gehören zu den „Loslegern“, die erst dann zur Höchstform auflaufen, wenn andere längst aufgegeben hätten. Für diese letzte Gruppe wirkt sich Stress vor allem motivierend aus. 65 Prozent aller Berufseinsteiger zwischen 18 und 25 Jahren fühlen sich regelrecht angespornt, wenn der Druck steigt. Insgesamt kennt fast jeder zweite Berufstätige Arten von positivem Stress.

Dass sich negativer Stress auch auf die Gesundheit auswirkt, ist dabei nicht neu. Allerdings sind laut Krankenkassendaten nicht nur Symptome wie das Bournout, sondern auch Rückenschmerzen oder Ohrensausen häufig stressbedingt.

Sorgen bereitet der TK, dass vor allem viele Männer versuchen, den Stress in Alkohol zu ertränken. Vier von zehn Männern geben zu, dass für sie Wein oder Bier zur Entspannung beiträgt. 40 Prozent aller Frauen hingegen kompensieren den Druck in der Badewanne oder beim Shoppen. 45 Prozent gehen spazieren oder suchen Entspannung bei Gartenarbeit.

Nora Lysk

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