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Die Hochzeit von Bodo und Karl

Eheschließung nach 38 Jahren Die Hochzeit von Bodo und Karl

Das Rathaus Schöneberg war am Sonntagmorgen Schauplatz einer Premiere. Das Paar Karl Kreile und Bodo Mende trat vor den Standesbeamten. Als eins der ersten verheirateten schwulen Paare erfüllt sich für sie ein Generationentraum.

Karl Kreile (r) und Bodo Mende zeigen im Rathaus Berlin-Schöneberg ihre Urkunde zur Eheschließung.

Quelle: Britta Pedersen

Berlin. Seit 38 Jahren sind Bodo Mende und Karl Kreile schon ein Paar, am Sonntagmorgen durften sie in Berlin endlich ganz offiziell heiraten.

Gefeiert wurden sie als erstes gleichgeschlechtliches Paar Deutschlands, das dies tat. Ihnen könnten jedoch zwei Männer aus Frechen bei Köln zuvorgekommen sein. Denn nach einem Bericht des WDR begann dort die Zeremonie für die Eheleute Bernd Göttling (61) und Dieter Schmitz (66) eine Viertelstunde früher.

Das kleine Wettrennen um Platz eins in der Statistik ist letzlich Nebensache. „Wir hoffen, dass von dieser Hochzeit eine Signalwirkung ausgeht und viele andere gleichgeschlechtliche Paare ebenfalls heiraten werden“, sagte Bodo Mende nach der Trauung im Berliner Rathaus Schöneberg.

Das Ja-Wort fiel nicht im Trausaal des Standesamtes, sondern in einem etwas größeren Festsaal, wegen der vielen Zuschauer. Rund 100 Gäste und Gratulanten hatten die Zeremonie in dem mit Regenbogenfahnen geschmückten Saal verfolgt. Beide Partner bestätigten, dass sie ihre bisherigen Nachnamen behalten wollen. Nachdem der Standesbeamte die Ehe für geschlossen erklärte, fielen zum Abschluss die berühmten Worte: „Sie dürfen sich jetzt küssen.“ Das frische Paar wurde mit einem lang anhaltenden Applaus gefeiert.

Karl Kreile und Bodo Mende verliebten sich im Sommer 1978 auf einer Party in Berlin-Schöneberg ineinander. Den ersten - vergeblichen - Gang vors Standesamt traten sie schon vor 25 Jahren an. Schwule und lesbische Paaren deutschlandweit bestellten bei der „Aktion Standesamt“ 1992 das Aufgebot - wohl wissend, dass es hoffnungslos war. Abgewiesen wurden alle, die Nachricht von der Aktion aber schaffte es an die Spitze der ARD-„Tagesschau“.

„Ich empfand mich als zurückgesetzt und gekränkt, dass man unsere Beziehung nicht als wert erachtet, so gesehen zu werden wie die anderen Beziehungen auch“, erzählte Kreile der dpa. „Es wurde so getan, als ob wir nur Individuen sein dürfen, Sex-Individuen, das war's“, fügt Mende hinzu. „Dass wir soziale Beziehungen haben, das wurde tabuisiert, das war der Skandal eigentlich. Deshalb ist unsere Generation dadurch geprägt, diesen Skandal beenden zu wollen.“

Ein Jahrzehnt später kam der Durchbruch: Im Juli 2002 bestätigte das Bundesverfassungsgericht, dass das ein Jahr zuvor verabschiedete Lebenspartnerschaftsgesetz mit dem Grundgesetz vereinbar war. Kreile und Mende traten ein zweites Mal vor Standesbeamte, verließen das Rote Rathaus als Mann und Mann und schmissen „zur Hochzeit von Bodo und Karl“ eine Riesenparty, wie viele andere auch. 2015 lebten laut Mikrozensus 43 000 „verpartnerte“ Paare in Deutschland, fast die Hälfte aller 94 000 zusammenlebenden homosexuellen Paare.

Für sich und ihr Umfeld galten Mende und Kreile ab dem Tag als verheiratet, doch rechtlich eben nicht: Von Mietrecht bis Erbrecht und Steuerrecht, zur Adoption leiblicher Kinder kam die Angleichung an die Rechte heterosexueller Eheleute erst nach Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. „Die Pflichten waren vom ersten Tag an wie bei Ehepaaren, aber die Rechte waren minimal. Jedes Zugeständnis der Politik war durchgeklagt und dauerte Jahre“, sagt Kreile. „Also es war ein mühseliger, erbärmlicher Prozess, das muss man so sagen, den die Politik da veranstaltet hat.“

Nun haben die beiden erneut geheiratet. Als Ende Juni innerhalb weniger Tage ein scheinbar beiläufiger Satz Angela Merkels zur historischen Abstimmung im Bundestag führte, seien sie bei den Nachrichten vom Sofa aufgesprungen, erzählt Kreile. Statt einer zweiten Riesenparty ist diesmal zweisame Ruhe im Grünen geplant. Keine drei Wochen nach Umwandlung ihrer Lebenspartnerschaft zur Ehe steht der fünfzehnte Hochzeitstag an.

Viel ändern wird sich in ihrem Leben nicht: Kinder adoptieren, das bedeutendste Recht, das gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt blieb, wollen die beiden nicht. Aber überall in ihrem Umfeld machten sich jetzt schwule und lesbische Paare in den Dreißigern über das Kinderkriegen Gedanken, erzählen sie. Die neue Generation könne sich jetzt endlich anderen Problemen widmen und über die gleichen Dinge nachdenken wie heterosexuelle Mittdreißiger.

Nun sei die staatliche Diskriminierung vorbei - gesellschaftlich sei die gleiche Anerkennung noch lange nicht selbstverständlich, noch immer gebe es Anfeindungen auf der Straße, betont Mende. Aber: „Jetzt haben wir eine Situation erreicht, wo wir das erste Mal sagen können: Wir sind gleichberechtigt. Und an diejenigen, die uns angreifen, auf der Straße ganz alltäglich: Ihr habt unrecht.“

Auch in Hannover gab es Jubel, Luftballons in Regenbogenfarben und jede Menge Gratulanten: Hier heirateten Claudia und Dorle Göttler sowie Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre. Die beiden Homo-Paare waren schon bundesweit die ersten, die am 1. August 2001 in der niedersächsischen Landeshauptstadt eingetragene Lebenspartnerschaften eingingen.

„Es war aufregend, sehr emotional“, sagte Dorle Göttler (53) im Blitzlichtgewitter. „Das ist das dritte Mal, dass wir geheiratet haben, aber es ist immer wieder aufregend. Nun sind wir tatsächlich Frau und Frau.“ 1998 ließen sich die beiden kirchlich segnen und 2001 als Lebenspartnerinnen eintragen.

dpa

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