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Die kalte Hölle im Vier-Sterne-Hotel

Hotel wird zur Todesfalle Die kalte Hölle im Vier-Sterne-Hotel

Sie denken, sie hätten das Schlimmste schon überstanden. Doch erst nach dem Beben kommt die tödliche Naturgewalt - der Schnee. Eine Lawine überrollt ein Hotel in den Abruzzen und begräbt viele Menschen unter sich. War eine fatale Verspätung schuld am Ausmaß der Tragödie?

Rom/Farindola. Die schweren Erschütterungen der Erdbeben in Italien spüren auch die Gäste im Vier-Sterne-Hotel „Rigopiano“. Hier, in Farindola in den Abruzzen herrscht wahrscheinlich Aufregung, wie überall dort, wo sich plötzlich der feste Boden in Bewegung setzt.

Dann rollen Schneemassen heran: Mit enormer Wucht bahnt sich eine Lawine ihren Weg ins Innere des Hotels, reißt das Gebäude einige Meter mit, begräbt es schließlich unter sich. Das „Rigopiano“ im bergigen Erdbebengebiet ist für Gäste und Personal zur Todesfalle geworden. Eigentlich ist das Haus inmitten malerischer Landschaft vier Stockwerke hoch, nun steckt es fast bis zum Dach im Schnee.

Vieles deutet daraufhin, dass die Katastrophe im Hotel am Ende einer fatalen Verkettung von Umständen steht. Medien zitieren den Bruder eines Vermissten, der am Mittwoch das letzte Lebenszeichen von seinem Bruder gegen 16.30 Uhr per Whatsapp erhielt. „Und da war die Lawine noch nicht abgegangen“, sagt er. „Er hat mir geschrieben, dass sie gerade abfahren wollten, aber dass es Verzögerungen wegen des Schnees gab.“

Weil die Straßen blockiert gewesen seien, verspätete sich die Ankunft eines Schneepflugs, die Gäste blieben noch im Hotel, so der Angehörige. „Er war wegen des Erdbebens verängstigt, aber nicht wegen des schlechten Wetters.“ Das war das letzte Lebenszeichen seines Bruders.

„Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte“, habe ein Paar als Hilferuf per SMS aus dem verschütteten Hotel am Mittwochabend abgesetzt, berichten Medien. Hat tatsächlich eine Verspätung zahlreiche Menschenleben gekostet? Dass die Staatsanwaltschaft in Pescara wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, könnte darauf hindeuten.

Was klar ist: In Italien haben am Mittwoch zwei gefährliche Naturgewalten gemeinsam zugeschlagen. Massen von Schnee waren eigentlich schon genug für die Region, die unter den Folgen schwerer Erdbeben im August und Oktober leidet. Dann folgten vier schwere Erdstöße, alle mit einer Stärke über 5, binnen weniger Stunden.

Mindestens zwei Menschen überleben die Lawine - sie halten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Freien auf. Giampiero Parete (38) habe für seine Frau Medikamente gegen Kopfschmerzen aus dem Auto holen wollen, heißt es. Der Mann bangt um seine Frau und zwei Kinder. „Ich habe Lärm und Knirschen gehört, und ich habe den Berg auf das Gebäude stürzen sehen“, wird Parete von der Nachrichtenagentur Ansa zitiert.

Helfer des Zivilschutzes, der Feuerwehr und der Bergrettung machen sich noch in der Nacht auf Donnerstag auf den Weg zu dem Hotel - doch der Weg durch die verschneiten Abruzzen ist schwierig, dazu kommt die Dunkelheit. Die Rettung wird zur Zerreißprobe, auch Krankenwagen bleiben stecken.

Die Bergretter erreichen den Unglücksort mitten in der Nacht - auf Skiern. Ihnen bietet sich ein dramatischer Anblick. Es sind nicht nur Trümmer, zwischen denen sie nach Opfern suchen müssen. Eine dicke, feste Decke aus Schnee hat das Hotel auf 1200 Metern einfach verschluckt. Mit Schaufeln und Stirnlampen arbeiten sie sich in das Hotel vor, finden mehrere Tote, aber keine Lebenszeichen.

Alle Augen sind auf das Hotel „Rigopiano“ gerichtet - doch auch in den anderen Orten im Erdbebengebiet laufen die Rettungsarbeiten auf Hochtouren. „Es kann nicht schlimmer kommen“, sagt ein Mann im Fernsehen, der gerade Schnee schippt. Er habe weniger Angst vor den Beben, als vor der Eiseskälte und den Massen an Schnee. Die Erdstöße und die seit Jahrzehnten nicht da gewesenen Schneefälle hätten eine beispiellose „Kneifzange“ gebildet, sagt Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Seit Tagen sind einige Haushalte von der Außenwelt abgeschnitten, Tausende Menschen sind ohne Strom.

Seit fünf Monaten suchen das bergige Gebiet immer wieder schwere Beben heim, im August starben rund um die Stadt Amatrice fast 300 Menschen. Viele Orte sind deshalb schon verwaist, weil nur noch Trümmer stehen.

dpa

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