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Forensiker: Arafat vergiftet - Todesursache aber offen

Lausanne/Wien/Tel Aviv Forensiker: Arafat vergiftet - Todesursache aber offen

Die genauen Todesumstände von Palästinenserführer Jassir Arafat bleiben auch neun Jahre nach dessen Ableben weiter unklar.

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Nach Aussage von Schweizer Experten wurde Arafat im Jahr 2004 mit Polonium 210 vergiftet. Foto: Gerry Penny

Lausanne. Die genauen Todesumstände von Palästinenserführer Jassir Arafat bleiben auch neun Jahre nach dessen Ableben weiter unklar. Arafat wurde zwar nach Aussage von Schweizer Experten im Jahr 2004 mit Polonium 210 vergiftet.

Nicht mit letzter Sicherheit habe sich jedoch noch feststellen lassen, dass er daran auch gestorben sei, sagte François Bochud, Chef der Strahlenphysik am Institut für Radiophysik der Uni-Klinik von Lausanne (CHUV) am Donnerstag.

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Starb der frühere PLO-Chef Arafat (hier mit seiner Frau Suha im Oktober 2004 in Ramallah) nach einem Giftanschlag? Das legen Laborergebnisse Schweizer Experten nahe. Foto: Hussein Hussein/Palästinensische Behörden

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Erwiesen sei, dass Arafat eine abnormal hohe Dosis des radioaktiven Stoffes im Körper gehabt habe, sagte Bochud. „Können wir Polonium als Todesursache ausschließen? Die Antwort ist definitiv "Nein". War es die sichere Todesursache? Die Antwort ist leider "Nein".“ Bislang gibt es auch keine Erklärung dafür, wie das Polonium zu Arafat kam.

Bereits unmittelbar nach seinem Tod am 11. November 2004 in einem französischen Militärkrankenhaus hatte es in den Palästinensergebieten erste Spekulationen gegeben, der damals 75-Jährige sei Opfer eines Giftanschlages geworden.

Im Juli 2012 erstattete Arafats Witwe Suha in Frankreich dann Anzeige gegen unbekannt wegen der Ermordung ihres Mannes. Sie stimmte einer Exhumierung des Leichnams im November 2012 zu.

Die Mediziner untersuchten danach Proben von Beckenknochen und Rippen sowie Kleidung Arafats. Für Gewissheit würden noch viel mehr Informationen gebraucht, sagte Bochud weiter. Die Analysen seien besonders schwierig gewesen, da acht Jahre zwischen dem Tod Arafats und dem Beginn der Untersuchungen nach der Exhumierung Arafats im vergangenen November gelegen hätten.

Der arabische TV-Sender Al-Dschasira hatte am Donnerstag einen 108 Seiten langen Bericht der Schweizer Experten veröffentlicht, den nun auch das Institut ins Netz stellen will. Arafats Witwe war mit den Worten zitiert worden, damit sei klar, dass ihr Mann einem Giftmord zum Opfer gefallen sei. Sie sprach laut Al-Dschasira von einem „Verbrechen des Jahrhunderts“. Die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah kündigte für diesen Freitag eine Stellungnahme an.

In Gewebeproben Arafats hatten die Schweizer Experten eine 18 Mal so hohe Konzentration von Polonium 210 gefunden wie normal. Diese „signifikant“ hohe Dosis, wurde an der Weste des Toten gefunden. „Darüber waren wir überrascht“, sagte Bochud. Auch die hohe Menge an Blei in den Proben komme ihnen sehr verdächtig vor. Das Institut habe von Anfang an gezielt nach Polonium gesucht. Mit dieser radioaktiven Substanz war auch der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet worden.

Dagegen hatten russische Experten Mitte Oktober erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Poloniumvergiftung bei Arafat finden können. Ein französisches Gutachten steht noch aus.

Der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor wies die Giftmord-Theorie als unseriös zurück. „Diese Theorie hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse“, sagte Palmor der Nachrichtenagentur dpa. Im übrigen habe Israel nichts mit dem Tod Arafats zu tun. Auch Vertraute des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon wiesen aber eine Verantwortung Israels zurück.

„Nach meinem besten Wissen gab es während meiner Zeit im Büro des Regierungschefs keinerlei Absicht, Arafat zu vergiften oder ihm Schaden zuzufügen“, sagte Scharons ehemaliger Kanzleichef Dov Weissglass der Nachrichtenseite „ynet“. Scharons früherer Berater Raanan Gissin sagte: „Es ist immer am leichtesten, Israel zu beschuldigen.“ Er sprach von einem möglichen innerpalästinensischen Machtkampf als Hintergrund für Arafats Tod.

dpa

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