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Forscher warnen: Ökologische Belastungsgrenze der Erde erreicht

Hamburg Forscher warnen: Ökologische Belastungsgrenze der Erde erreicht

Seit Montag sind nach Berechnungen von Forschern sämtliche Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde dieses Jahr ersetzen könnte.

Hamburg . Bildlich gesprochen ist damit für den Rest des Jahres 2016 das verfügbare natürliche Budget überzogen. Umweltschützer erklärten dieses symbolische Datum zum sogenannten Erdüberlastungs- oder Welterschöpfungstag. Er rückt immer weiter nach vorn. Fiel der Tag 2015 auf dem 13. August, war es dieses Jahr schon der 8. August. Machte die Menschheit weiter wie bisher, würde der Tag 2030 vor allem wegen steigender Kohlendioxidemissionen schon am 28. Juni begangen werden müssen. Umweltschützer fordern ein Umsteuern. Ein Überblick:

Was genau passiert am Erdüberlastungstag?

Forscher berechnen, ab wann die Menschheit mehr Ressourcen in Anspruch nimmt, als die Kreisläufe der Erde innerhalb eines Jahres wieder regenerieren können. Der Tag, an dem das passiert, ist der Erdüberlastungstag, international Earth Overshoot Day genannt.

Wie wird das berechnet?

Das dahinterstehende Konzept ist das des sogenannten ökologischen Fußabdrucks, das vom Global Footprint Network entwickelt wurde, um Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Natur nach Art eines Buchhaltungssystems greifbar zu machen. Es setzt die Eingriffe rechnerisch zu der sogenannten Biokapazität des Planeten in Beziehung, gibt also an, ob die Menschheit mehr Rohstoffe entnimmt und mehr Abfallstoffe an die Umwelt abgibt, als die Erde dauerhaft nachhaltig nachproduzieren und wieder absorbieren kann.

Was fließt in den Abdruck ein?

Der ökologische Fußabdruck ist ein abstraktes Konzept, bei dem der Grad der Nutzung beziehungsweise Übernutzung der biologisch produktiven Fläche der Erde bestimmt wird. Dabei geht es zum einen um die land- oder forstwirtschaftliche Fläche, die nach dem heutigen Stand der Technik nötig ist, um den Lebensstil der Menschen zu gewährleisten. Zum anderen wird die Fläche berechnet, der notwendig ist, um Abfallprodukte zu binden. Eine mitentscheidende Rolle spielt der CO2-Ausstoß. Dabei wird genau berechnet, welche Waldfläche theoretisch nötig wäre, um das Treibhausgas aufzunehmen und wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Weil die Emissionen steigen, vergrößert das den ökologischen Fußabdruck der Menschheit immer mehr. 60 Prozent davon macht CO2 aktuell bereits aus.

Wie nachhaltig ist der menschliche Lebensstil?

Insgesamt überlastet die Menschheit die Biokapazität der Erde derzeit um den Faktor 1,6. Demnach wären 1,6 Erden nötig, um den Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken. Für Industrieländer wie Deutschland ist der Wert aber viel höher, weil sie deutlich mehr Energie und Güter verbrauchen als andere. Hätte die gesamte Welt den Lebensstandard der Bundesrepublik, wären sogar 3,1 Erden nötig. „Wir müssen endlich einen Weg finden, in den natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben und zu wirtschaften“, erklärt Eberhard Brandes, Vorstand der Umweltschutzorganisation WWF, zum Erdüberlastungstag.

Was fordern Umweltschützer für Deutschland?

Der dramatische ökologische „Overshoot“ Deutschlands basiert nach Angaben von Experten vor allem auf den hohen Treibhausgasemissionen durch Energieversorgung, industrielle Landwirtschaft und Verkehr. Zusätzlich verstärkt wird er maßgeblich durch den großen Flächenbedarf vor allem für die Fleischproduktion, die auf den Anbau gewaltiger Mengen von Futterpflanzen wie Soja in Übersee angewiesen ist. Der WWF fordert, Landwirtschaft und Verkehr neu auszurichten. Von „herausragender Bedeutung“ sei auch die Energiewende. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) startete pünktlich zum Erdüberlastungstag eine Kampagne zur Müllvermeidung in Supermärkten und Drogerien. Jeder Deutsche produziere pro Jahr 210 Kilogramm Verpackungsmüll, erklärte sie. Damit sei das Land Spitzenreiter in Europa, die Schweden brächten es auf knapp die Hälfte. Supermärkte und Drogerien seien dafür zentral. Sie müssten Waren unbedingt anders verpacken, um Ressourcen zu sparen.

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