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Für immer rätselhaft - Was vom Fall Amanda Knox bleibt

Mord an Meredith Kercher Für immer rätselhaft - Was vom Fall Amanda Knox bleibt

Vor zehn Jahren wurde die britische Studentin Meredith Kercher in Italien ermordet. Die Amerikanerin Amanda Knox wurde dafür verurteilt - und nach einem Justizdrama freigesprochen. Nun plant sie sogar eine Rückkehr nach Italien. Dort ist man wenig begeistert.

Amanda Knox wird im September 2011 in Perugia von Polizistinnen in den Gerichtssaal gebracht.

Quelle: Pietro Crocchioni

Perugia/Seattle. Das gewöhnliche Haus im Grünen in einer hübschen italienischen Universitätsstadt ist immer noch Anziehungspunkt für Sensationslustige: Hier in Perugia wohnten die britische Austauschstudentin Meredith Kercher und die US-Studentin Amanda Knox.

Kercher wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. November vor zehn Jahren vergewaltigt und halb nackt mit durchschnittener Kehle gefunden. Knox wurde für den Mord vier Jahre in ein italienisches Gefängnis gesperrt. Nach einem acht Jahre langen Justizdrama unter maximaler Weltöffentlichkeit wurde Knox 2015 endgültig freigesprochen. Bis heute ist nicht geklärt, wer Kercher umgebracht hat. Denn der einzige, der in dem Fall noch in Haft sitzt, weist die Anschuldigungen von sich.

Knox war von Anfang an im Zentrum des Interesses. Zehn Jahre später hat die heute 30-Jährige einen Weg gewählt, der nicht ohne Fallen ist: Den der größtmöglichen Öffentlichkeit. Die Geschichte von ihrer Verurteilung soll überall gehört werden. Sie engagiert sich nicht nur für Opfer von Justizirrtümern, gibt Interviews und hat ein Buch und eine Doku über ihr Schicksal veröffentlicht. In sozialen Netzwerken postet sie zudem massenhaft private Fotos von sich, ihrem Freund Christopher Robinson und ihren Katzen. Man sieht Knox als Rotkäppchen verkleidet im Schwarzwald, Knox im Zoo und Knox beim Essen und Lesen.

Wie passt das zusammen, wenn jemand jahrelang der Sensationsgier der Öffentlichkeit ausgesetzt war und dies auch immer wieder angeprangert hat und sein Privatleben nun für jeden sichtbar in Szene setzt? Sie wolle endlich wieder ein Leben wie jeder andere Mensch auch leben, sagte Knox, die wieder in den USA wohnt, dem Magazin „People“. „Langsam kann ich wieder zum Rest der Menschheit gehören, weil ich nicht mehr gejagt werde.“ Sie hätte nach dem Mord auch verschwinden können, „und niemand hätte mehr von Amanda Knox erfahren“, sagte sie. „Aber ich denke, das ist der falsche Weg.“

Mit ihrem Freund, einem Schriftsteller, wohnt Knox in Seattle und arbeitet als Journalistin. Sie freue sich darauf, mit ihm ein Baby zu haben, erzählte sie. Hinter Gittern hätte sie diesen Wunsch fast aufgegeben. In einem anderen Interview sagte sie, dass sie auch Todesdrohungen bekomme. Sie könne nichts daran ändern, wenn Menschen sie für eine „Femme fatale“ hielten.

Auch wenn sich das Scheinwerferlicht vor allem auf Knox konzentriert hat: An der Geschichte sind viele Personen beteiligt, die mit dem Fall auch zehn Jahre danach noch nicht abgeschlossen haben. Raffaele Sollecito, der damalige Freund von Knox, wurde zusammen mit ihr verurteilt und freigesprochen. Er kämpft in Italien immer noch um Entschädigung und seinen Ruf. Es bleibe eine „offene Wunde, die sich wahrscheinlich nie schließen wird“, sagte zuletzt sein Vater Francesco Sollecito der Nachrichtenagentur Ansa.

Und dann ist da Rudy Guede, der einzige, der wegen Beihilfe zum Mord noch in Haft sitzt. Beihilfe bedeutet aber, dass noch jemand anderes beteiligt gewesen sein musste - aber wer? Am Tatort wurden Guedes DNA-Spuren gefunden, später wurde der Ivorer in Deutschland festgenommen und sitzt mittlerweile eine 16 Jahre lange Gefängnisstrafe ab. Er hält sich für den Sündenbock. Eine Revision lehnte das Berufungsgericht in Florenz jedoch dieses Jahr ab.

Seine Anwälte versuchen es dennoch weiter beim Obersten Gerichtshof, der am 17. November entscheiden soll. „Nach der Entscheidung des Kassationsgerichts wissen wir, ob der Schuldige - der sicher weder Sollecito noch Knox ist - alleine Rudy ist, obwohl er sicher nicht der Haupttäter der Straftat ist“, sagte sein Anwalt Tommaso Pietrocarlo der Deutschen Presse-Agentur.

In Perugia wurde das Haus, in dem der Mord passierte, mittlerweile verkauft. Die Menschen sind froh, dass ihre Stadt aus dem Scheinwerferlicht verschwunden ist. Der zuletzt von Knox geäußerte Wunsch, eines Tages in die Stadt in Umbrien zurückzukehren, um das Kapitel endgültig zu schließen, kam in Italien nicht gut an. Auch nicht bei der Familie des Opfers: „Die Tat hat starke Spuren in Perugia hinterlassen. Spuren, die immer noch nicht verschwunden sind“, sagte der Familienanwalt Francesco Maresca, „deshalb wäre eine Rückkehr von Amanda Knox unangemessen.“ 

dpa

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