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Gefährliche Opioide: Schmerzmittel bringen Abhängigkeit und Tod

Chanhassen Gefährliche Opioide: Schmerzmittel bringen Abhängigkeit und Tod

Der Einstieg in die Abhängigkeit von starken Schmerzmitteln ist oft schleichend - manchmal reicht schon eine Routine-Operation und ein unbedacht ausgeschriebenes Rezept. Nun zeigt sich, dass Medikamente auch beim Tod von Musiker Prince eine Rolle gespielt haben.

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Dr. Irfan Dhalla vom St Mike's Hospital (Shown) mit fünf verschiedenen Stärken von Oxycotin in der Krankenhausapotheke.

Quelle: RICK EGLINTON/TORONTO STAR/ZUMAPRESS.com/dpa

Chanhassen. Im Fahrstuhl kollabiert, Todesursache unklar: So lauteten die ersten Meldungen nach dem Tod der US-Musiklegende Prince im April. Doch nun bestätigt sich, was viele ahnten: Der Popstar ist an einer Überdosis eines starken Schmerzmittels gestorben. Laut dem zuständigen Gerichtsmediziner nahm der Künstler versehentlich zu viel Fentanyl - ein besonders riskantes Mittel.

Auch US-Schauspieler Heath Ledger („Brokeback Mountain“) fiel einer solchen Sucht 2008 zum Opfer. Schauspielerin Winona Ryder und Musikerin Courtney Love gestanden ihre Abhängigkeit ein - aber auch Cindy McCain, Ehefrau des Ex-Präsidentschaftsbewerbers John McCain. Sie sind die bekanntesten Betroffenen einer Sucht, die Millionen Amerikaner fest im Griff hat.

Es beginnt häufig mit schmerzstillenden Mitteln nach einer Operation. Manchmal reicht schon die Entfernung der Weisheitszähne, um anschließend von dem wohlig-schmerzfreien Opioid-High nicht mehr loszukommen.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass 2013 zwei Millionen Amerikaner von Opioid-haltigen Medikamenten abhängig waren. Die Verschreibungen der Schmerzmittel haben sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht - ebenso die Todesfälle. 2014 stieg die Zahl der Toten durch Opioid-Schmerzmittel und durch das Comeback des chemisch eng verwandten Heroins auf den traurigen Rekord von insgesamt über 28 400 an.

Die starken Medikamente, in den 80ern fast ausschließlich nach Operationen oder bei Krebs verabreicht, wurden in den 90ern freizügiger verschrieben. Damals hatten einige mittlerweile widerlegte Studien Hinweise geliefert, dass die Suchtgefahr gar nicht so groß sei. Erst 2010, nachdem auch immer mehr Familien und Freunde der Erkrankten unbedarft zu den Schmerzpillen griffen und die US-Bevölkerung 80 Prozent der weltweit verkauften Opioid-Mittel konsumierte, wurde das Suchtproblem erkannt.

Danach wurde der Zugang zu den Medikamenten schwieriger, die Preise zogen an. Auch die Rezepturen wurden verändert, so dass Tabletten nicht mehr aufzulösen waren und in Spritzen gezogen werden konnten - eine Praxis, die die Wirkung der Substanzen noch erhöht. Jedoch hatte der Preisanstieg zufolge, dass seitdem immer mehr Abhängige auf chemisch eng verwandte Heroin umsteigen, weil es, vor allem von Mexiko aus, um ein Vielfaches billiger auf den Markt gebracht wird.

Lange versuchte Präsident Barack Obama deshalb, zusätzliche Gelder in Hilfsprogramme für Opioid-Abhängige zu schleusen und die Bundesstaaten für mehr Zusammenarbeit in der Sache zu gewinnen. Jüngst segnete nun auch das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus eine ganze Reihe von Gesetzesentwürfen ab, die dann an den Senat gingen. Sie versprechen Schmerzmittel-Süchtigen Hilfe. Insgesamt sieht der Haushaltsentwurf für 2017 zusätzliche 1,1 Milliarden US-Dollar dafür vor.

Besonders gefährlich ist das Präparat OxyContin, ein Langzeitschmerzmittel, das deshalb hoch dosiert ist. Während herkömmliche Opioide wie Oxycodon oder Hydrocodon etwa sechs Stunden lang wirken, verspricht ein besonderes Wirkverfahren bei OxyContin zwölf Stunden Schmerzfreiheit. Die „Los Angeles Times“ fand bei der Auswertung US-weiter Verschreibungsdaten jedoch heraus, dass mehr als die Hälfte der Langzeitnutzer von OxyContin nach Einschätzung von Gesundheitsexperten gefährlich hohe Dosen zu sich nehmen.

Viele Abhängige gelangen durch Doktor-Hopping an die erforderlichen Rezepte. Eine allgemeine Datenbank für verschreibungspflichtige Medikamente könnte hier helfen. Viele US-Bundesstaaten haben entsprechende Programme aufgesetzt, aber trotz neuer Richtlinien der CDC nutzt einer Studie zufolge nur die Hälfte der Ärzte diese Möglichkeit. Caleb Alexander, Co-Direktor des Johns Hopkins Center für Medikamentensicherheit, ist Mitautor der Studie: „Die meisten Allgemeinärzte wissen von diesen Monitoring-Programmen, aber viele finden den Zugang zu den Daten zu schwierig.“

Eine lange kaum beachtete Gruppe von Opfern sind zudem die neugeborenen Babys abhängiger Mütter. Erste Kliniken stellen sich auf den wachsenden Bedarf nun mit eigenen, abgetrennten Behandlungsräumen für die extrem zitternden und schreienden Säuglinge ein. Einer Recherche des Senders NPR zufolge hat sich die Zahl der Opioid-abhängig geborenen Babys von 2000 bis 2012 auf 21 000 Kinder pro Jahr verfünffacht. Die Säuglinge müssen in ihren ersten Lebenswochen einen Methadon- oder Morphin-unterstützten Entzug durchstehen. Die Mütter brauchen besondere Hilfe.

In der breiten Öffentlichkeit kommen diese Facetten des Opioid-Problems erst langsam an. Eine Studie zeigt, dass immer noch etwa zwei Drittel aller Zeitungsberichte dazu einen kriminellen Zusammenhang herstellen und hartes juristisches Durchgreifen einfordern. „Wir als Amerikaner sind immer noch anfällig dafür, jede Art Drogenmissbrauch als moralische Verfehlung darzustellen“, sagt Studienautorin Prof. Emma McGinty (Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health).

Der Arzt Stephen Patrick (Vanderbilt University) pflichtet im NPR-Interview bei: „Ich glaube, es ist für uns an der Zeit, die Art und Weise anzupassen, wie wir in den USA Sucht betrachten.“

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