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Gießener Hells-Angels-Präsident erschossen

Racheakte befürchtet Gießener Hells-Angels-Präsident erschossen

Rocker werden oft mit kriminellen Machenschaften in der Türsteher- und Rotlicht-Szene in Verbindung gebracht - immer wieder kommt es unter den verschiedenen Gruppen zu Gewalt. In Hessen wurde nun der Chef eines Hells-Angels-Ablegers getötet.

Wettenberg/Gießen. Der Präsident der Hells Angels in Gießen ist auf dem Gelände seines Rocker-Vereinsheims erschossen worden. Aygün Mucuk wurde nach ersten Erkenntnissen der Ermittler von zahlreichen Kugeln getroffen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger, sagte.

Die Hintergründe waren zunächst unklar, von dem Täter oder den Tätern fehlte jede Spur. „Inwieweit das Tötungsdelikt auf interne Streitigkeiten der Hells Angels zurückgeht, können wir zum aktuellen Zeitpunkt schlichtweg nicht sagen“, sagte Hauburger. Mucuk war vor zwei Jahren in Frankfurt bei einer Schießerei zwischen Hells Angels schwer verletzt worden. „Wir müssen in alle Richtungen ermitteln“, sagte Hauburger.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält mögliche Racheakte rivalisierender Gruppen für möglich. Die Vergangenheit habe gezeigt, „dass wir hellwach sein müssen“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün. Die hessische Polizei kümmere sich intensiv um bestehende Bandenstrukturen und sei damit genau auf dem richtigen Weg. Auch in anderen Bundesländern erregen Gewalttaten zwischen Rockern immer wieder Aufsehen - allein in diesem Jahr gab es dabei mehrere Tote und Verletzte.

Die Putzfrau, die in dem Clubheim arbeitet, hatte den 45-Jährigen auf dem Grundstück des Hells-Angels-Charters im mittelhessischen Wettenberg-Wißmar gefunden und gegen 8.30 Uhr Polizei und Rettungsdienste alarmiert. Tatzeitpunkt war der Staatsanwaltschaft zufolge die Nacht zum Freitag oder der frühe Morgen. Genauere Erkenntnisse sollte die Obduktion der Leiche ergeben. Mit Ergebnissen ist erst am Montag zu rechnen.

„Wir werden jetzt erstmal das nähere Umfeld des Getöteten abklären und versuchen, Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen“, sagte Hauburger. Möglicherweise hätten Anwohner Schüsse gehört oder verdächtige Fahrzeuge gesehen.

Ein Großaufgebot der Polizei sicherte am Freitag das Gelände des Vereinsheims, auf dem sich zwischenzeitlich 30 bis 50 Rocker aufhielten. Zugleich lief die Fahndung nach den Tätern, die Beamten kontrollierten dabei mehrere Fahrzeuge und sperrten den Ortsteil Wißmar weiträumig ab. Die Polizei befragte Nachbarn. Unklar war, ob es einen Schusswechsel gegeben hatte und ob Mucuk bewaffnet war. Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst vom Tod Mucuks berichtet, die „Gießener Allgemeine“ von den Schüssen.

Rivalitäten zwischen den alteingesessenen Hells Angels aus Frankfurt und den türkisch geprägten Hells Angels aus Gießen - den sogenannten jungen Wilden - hatten in den vergangenen Jahren mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt. Dabei soll es vor allem um die Gründung der Ortsgruppe Gießen gegangen sein. Dieser Streit hatte vor rund zwei Jahren Schüsse vor einem Frankfurter Club mit insgesamt fünf Verletzten zur Folge. Mucuk, der als Anführer der türkischen Strömung galt, erlitt dabei schwere Verletzungen.

Am Himmelfahrtstag dieses Jahres fielen mitten auf einem belebten Platz in der Frankfurter Innenstadt ebenfalls Schüsse - zwei Männer wurden schwer verletzt. Hintergrund dieser blutigen Rocker-Fehde war nach einer früheren Einschätzung der Ermittler ein Streit zwischen Frankfurter Hells Angels und einem hinausgeworfenen Mitglied. Ein  Tatverdächtiger, der rund eine Woche nach den Schüssen gefasst wurde, sitzt seither in Haft. Nach einem anderen Verdächtigen wird noch immer gesucht.

Nach Einschätzung des Landeskriminalamts umfasst die Rockerszene in Hessen rund 700 Menschen, die vier Gruppen zugeordnet werden. Im Fokus der Ermittler stehen sie vor allem wegen Rauschgiftdelikten und kriminellen Aktivitäten in der Türsteher- und Rotlicht-Szene.

dpa

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