Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Gorbatschow: Niemandem war der Ernst der Lage bewusst
Nachrichten Brennpunkte Gorbatschow: Niemandem war der Ernst der Lage bewusst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:20 03.05.2016
Anzeige
Moskau

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl vor 30 Jahren wurde dem damaligen Kremlchef Michail Gorbatschow immer wieder zögerliches Vorgehen vorgeworfen.

Jahre später rechtfertigte sich der Friedensnobelpreisträger in einem Interview, das Ausmaß der Atomkatastrophe nicht erkannt zu haben. „Natürlich kann man jetzt im Nachhinein nur bedauern, dass wir das nicht sofort verstanden oder schneller gehandelt haben“, sagte Gorbatschow der russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ im Jahr 2006.

Der heute 85-Jährige sei wenige Stunden nach dem Reaktorunfall am 26. April 1986 frühmorgens geweckt worden. „Damals wurde mir gesagt, dass es zu einem Brand und einem schweren Unglück gekommen sei, doch der Reaktor sollte intakt gewesen sein.“ Er habe daraufhin einen Sonderstab eingerichtet und sei in ständigem Kontakt mit Experten gewesen. „Meine erste Reaktion war Bestürzung: Wie konnte das passieren?“

Erste Informationen zu dem Super-GAU wurden in der Parteizeitung veröffentlicht. „Für einen inhaltlichen, sinnvollen Appell an die Menschen brauchte ich jedoch genauere und gründlichere Details“, sagte Gorbatschow. Deshalb habe er mit einer Stellungnahme und einer Botschaft an das Volk knapp drei Wochen gewartet. „Es ist nun klar, dass dies ein Fehler war.“ Der Reaktorunfall habe ihn persönlich tief erschüttert. „Ich habe dadurch eine neue Wahrnehmung für den Planeten entwickelt“, sagte Gorbatschow.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die Wahrnehmung der Kernkraft international verändert. Am 30. Jahrestag des Störfalls sitzt die Trauer in Kiew und Moskau tief. Ein Atomausstieg wie in Deutschland ist aber kein Thema.

03.05.2016

Die Türkei will nach Angaben von Außenminister Mevlüt Cavusoglu US-Raketenwerfer vom Typ HIMARS an der Grenze zu Syrien stationieren.

26.04.2016

Verdi weitet die Warnstreiks im öffentlichen Dienst am Mittwoch auf die Flughäfen aus. Hunderte Flüge sind abgesagt. Bereits am Dienstag behinderten die Streiks vielerorts den Verkehr massiv.

27.04.2016
Anzeige