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Brennpunkte „Gott, steh mir bei“: Hunderte Tote nach Tsunami
Nachrichten Brennpunkte „Gott, steh mir bei“: Hunderte Tote nach Tsunami
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12:03 29.09.2018
Patienten werden aus einem Krankenhaus evakuiert, nachdem es in der Region ein starkes Erdbeben gegeben hat. Quelle: Yohanes Litha/ap
Palu

Oben auf dem Parkdeck fühlen sich die Leute einigermaßen in Sicherheit. Einige filmen mit ihren Smartphones hinaus aufs Meer. Zu sehen ist, wie eine mächtige Welle aufs Land zurollt. Langsam zwar, aber mit großer Gewalt.

In dem Augenblick, da sie auf die Küste trifft, ist es mit dem Gefühl der Sicherheit vorbei. Alles wackelt. Eine Frau ruft noch: „Gott, steh mir bei.“ Dann wird das Bild schwarz.

Das war der Moment, in dem am Freitagabend in der Stadt Palu ein Tsunami auf die Westküste der indonesischen Insel Sulawesi traf. Die vorläufige Bilanz, allein aus Palu: mindestens 384 Tote, mehr als 500 Verletzte, Dutzende werden noch vermisst. Niemand glaubt, dass es dabei bleibt. Ähnlich wie hier sieht es vermutlich auch an vielen anderen Orten entlang der Küste aus.

Der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho, sagt: „Wir erwarten, dass die Opferzahlen noch steigen.“ In dem Riesenland aus mehr als 17000 Inseln, das auf dem Pazifischen Feuerring liegt, der geologisch aktivsten Zone der Erde, haben sie mit solchen Sachen Erfahrung.

Der Boden bebt in Indonesien immer wieder. Erst vor ein paar Wochen starben bei einer ganzen Serie von Erschütterungen auf Lombok, der Nachbarinsel von Bali, mehr als 500 Menschen. Auch Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Aber solch einen Tsunami wie jetzt in Palu gab es schon lange nicht mehr.

Bevor das Meer über Land hereinbrach, hatte auf Sulawesi, einer der größten Inseln des Landes, am Freitag zwei Mal die Erde gebebt. Das erste Beben hatte die Stärke 5,9. Am Abend, als es schon dunkel wurde, gegen 18.00 Uhr (Ortszeit), folgte noch eines, viel heftiger, Stärke 7,4. Die Wellen, die dadurch ausgelöst wurden, waren bis zu drei Meter hoch.

Besonders schlimm hat es Palu getroffen: 350.000 Einwohner, an der Westküste, gegenüber von Borneo. Auf Handy-Videos ist zu sehen, wie die Wassermassen ganze Häuser mit sich reißen. Und Menschen, Autos, Motorräder dazu. Auch eine Moschee und eine Shopping Mall sind schwer beschädigt. Eine andere Handy-Aufnahme ist von einem Mann draußen auf dem Meer, auf einem Boot. Er sagt: „Betet für mich, dass ich überlebe.“ Nach allem, was man weiß, hat er es geschafft.

Zuvor schon war bei dem Beben eines der Wahrzeichen der Stadt eingestürzt, die gelbe Ponulele-Brücke, ein recht neuer Bau, erst seit 2006 in Betrieb. Im Hafen von Palu kippten auch mehrere Kräne um. Die Krankenhäuser berichten recht schnell von vielen Dutzend Toten. Der Direktor der staatlichen Undata-Klinik, Komang Adi Sujendra, fleht: „Wir brauchen jede Hilfe, die wir bekommen können.“

So einfach ist das nicht. Durch das Beben sind auch zahlreiche Strom- und Kommunikationsleitungen zerstört. Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist deshalb auch nach vielen Stunden noch nicht abzusehen. Palus Flughafen bleibt bis auf weiteres geschlossen, weil die Beben auch die Landebahn beschädigt haben. Nur Hubschrauber dürfen landen. Das Militär will trotzdem auch Transportmaschinen in die Region schicken.

Außer Palu sind an der Westküste auch mehrere andere Gemeinden in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere die Stadt Donggala weiter oben im Norden. Das Zentrum des Bebens war von dort nur 20 Kilometer entfernt. Tausende Unterkünfte sollen zerstört sein. Auf Fotos sind Dutzende Leichen zu sehen, die am Strand liegen, im Schlamm und in Trümmern. Aber es wird wohl Tage dauern, bis man weiß, wie groß die Katastrophe tatsächlich ist.

Auch deshalb appellierte Indonesiens Präsident Joko Widodo am Samstag an seine Landsleute auf Sulawesi - insgesamt mehr als 17 Millionen -, trotz allem Ruhe zu bewahren. Hilfe sei bereits auf dem Weg. Dann fügte der Chef des 260-Millionen-Einwohner-Landes, der nächstes Jahr wiedergewählt werden will, noch hinzu: „Lasst uns dieses Leid gemeinsam überstehen.“ Auch damit haben sie in Indonesien Erfahrung.

dpa

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