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Großhansdorf, Ahrensburg, Reinfeld: Großalarm in kleinen Gemeinden

Reportage vor Ort Großhansdorf, Ahrensburg, Reinfeld: Großalarm in kleinen Gemeinden

Anti-Terror-Einsatz vor den Toren Hamburgs: Großhansdorf, Ahrensburg, Reinfeld. Die Einwohner drei kleinen schleswig-holsteinischen Gemeinden werden kurz vor Sonnenaufgang Zeugen einer seit Monaten geplanten Razzia gegen mutmaßliche Terroristen.

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Ein Schild mit der Aufschrift «Willkommen Waldgemeinde Großhansdorf», aufgenommen am 13.09.2016 in Großhansdorf (Schleswig-Holstein). Bei Razzien in Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind drei Syrer wegen Terrorverdachts festgenommen worden. 

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Großhansdorf. „Ein Knall in der Stille, es scheppert, Glas klirrt, Hilfeschreie.“ So schildert Thorsten Saemisch die dramatischen Szenen am Dienstagmorgen kurz nach 3.00 Uhr in dem Wohngebiet des beschaulichen 9000-Einwohner-Örtchens Großhansdorf (Kreis Stormarn), nicht weit von nordöstlich von Hamburg. „Als ich rausgeguckt habe war alles ganz hell, ich war völlig geblendet. Strahler machten die Nacht zum Tage, sagt der Anwohner.

Seit etwa einem Jahr gibt es die kommunale Flüchtlingsunterkunft in dem Wohngebiet von Großhansdorf. 16 dunkelrote Wohncontainer in zwei Etagen mit Satteldach. Gegenüber weht vor einem Einfamilienhaus die Deutschlandflagge.

Saemisch sieht mehr als ein Dutzend Einsatzfahrzeuge, darunter „auch drei Mannschaftsbusse“. Hinter dem Containerhaus, im Erdgeschoss, ist eine Fensterscheibe durch eine Sperrholzplatte ersetzt, auf dem Fenstersims liegen Glasscherben. „Hier sind die rein“, sagt der 46-Jährige.

Einer der Bewohner, ein 24-Jähriger aus Syrien, sagt in gebrochenem Deutsch, auf dem Rasen vor dem Haus hätten plötzlich überall Autos gestanden und zeigt auf die Reifenspuren. Er sei völlig geschockt gewesen, überall grelles Licht und Rufe, dass alle drinbleiben sollten. In dem Container hätten ein Libanese und vier Syrer gewohnt. „Es war immer mit allen alles gut.“

Direkt neben der Unterkunft ist eine Polizeiwache, die aber nur tagsüber besetzt ist. Ein Beamter sagt, man sei hier von dem Einsatz völlig überrascht worden. „Uns hat niemand informiert.“ Ein Anwohner, der seine Hunde am Mittag ausführt, schimpft auf die Flüchtlingspolitik. „Ich bin völlig geschockt. Jetzt reicht es mir langsam“, sagt er. Seinen Namen will er aber nicht nennen.

Genau solche Reaktionen befürchtet auch Angelika Woge, die den „Freundeskreis Flüchtlinge Großhansdorf“ koordiniert: „Die Bedenkenträger werden sicherlich mehr und das macht die Arbeit unserer 80 Helfer nicht leichter“. Woge kannte den „netten jungen Mann“, der jetzt aus der Nachbarschaft über Hamburg nach Karlsruhe geflogen worden ist. „Ich hatte ihn im Winter noch persönlich begrüßt und einer Patenfamilie übergeben, die ihn begleitete“.

Zehn Fahrminuten entfernt leben rund 30 000 Ahrensburger und 400 Asylbewerber. Einen davon haben die Anti-Terror-Einheiten im Visier, als sie die Wohnung des Verdächtigen stürmen. Sie liegt gegenüber der Bäckerei, in der Nicole Köhn arbeitet und bei Dienstbeginn den Schrecken ihres Lebens bekommt: Polizisten belagerten die Straße. „Vermummt, aber entspannt“, beschreibt sie die Einsatzkräfte, die nach der Aktion bei ihr einen Kaffee bestellten und meinten, dass „der Auftritt vielleicht etwas übertrieben war, aber schließlich auch abschrecken sollte“.

Der dritte Schauplatz liegt 30 Kilometer weit entfernt. „Das war ja absehbar, dass es irgendwann auch mal Reinfeld erwischt“, sagt eine 37 Jahre alte Verkäuferin verängstigt. Wohingegen ein Feuerwehrmann aus der Stadt abwinkt: „Es gibt überall gute und schlechte Menschen, ich will das nicht auf Flüchtlinge beschränken.“ Das rotverklinkerte Haus für ein bis zwei Familien steht in einer gutbürgerlichen Gegend. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Vorhängen zugehängt.

Am Ende des heißen Sommertags sind die Polizisten auch in Reinfeld alle wieder verschwunden. Im 9000-Seelen-Örtchen sieht es aus, als wäre nichts passiert. Doch die nächtliche Aktion geht nicht spurlos an den Einwohnern vorbei, auch bei einer 69-jährigen Rentnerin nicht: „Diese Festnahme macht mir Angst, weil alles nun so nah dran ist“.

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