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Brennpunkte „Guardian“: Britischer Geheimdienst späht Internet aus
Nachrichten Brennpunkte „Guardian“: Britischer Geheimdienst späht Internet aus
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21:52 29.06.2013
Der Amerikaner Edward Snowden hatte erst vor kurzem Details über «Prism», das Überwachungsprogramm der NSA, an die Öffentlichkeit gebracht. Foto: Glenn Greenwald/Laura Poitras/ Archiv
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London

Der Abhördienst GCHQ (Government Communications Headquarters) könne täglich bis zu 600 Millionen Telefonverbindungen erfassen, zitiert die britische Tageszeitung „Guardian“ den in Hongkong untergetauchten IT-Spezialisten Snowden. GCHQ sei „schlimmer als die US(-Kollegen)“. Seit Mai 2012 hätten 300 britische Spezialisten mit 250 Kollegen des US-Geheimdienstes NSA die GCHQ-Daten ausgewertet. Das alles geschehe wohl im Rahmen britischer Gesetze, hieß es.

Neben E-Mails, Einträgen im sozialen Netzwerk Facebook oder auch Telefongesprächen werden laut „Guardian“ für das britische Spionageprogramm „Tempora“ auch persönliche Informationen der Nutzer 30 Tage lang gespeichert. Angeblich sollen insgesamt 850 000 NSA-Mitarbeiter und beauftragte Spezialisten Zugang zu den britischen Überwachungsdaten haben. Nähere Erläuterungen zu dieser riesigen Personenzahl wurden nicht gemacht.

Datenschutz-Organisationen in Großbritannien reagierten schockiert auf den Bericht und forderten eine Überarbeitung der entsprechenden Paragrafen. Großbritannien komme einer „zentralen Datenbank all unserer Internetkommunikation“ gefährlich nahe, sagte Nick Pickes von der Gruppe „Big Brother Watch“. „Diese Frage muss dringend im Parlament diskutiert werden.“

Schatten-Außenminister Douglas Alexander von der sozialdemokratischen Labour-Partei betonte, dass der Geheimdienst GCHQ von Parlament und Ministerium effektiver beaufsichtigt werden müsse. Der zuständige parlamentarische Ausschuss arbeite bereits daran.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich in einer ersten Reaktion höchst beunruhigt. „Treffen die Vorwürfe zu, wäre das eine Katastrophe. Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Alptraum à la Hollywood“, sagte die FDP-Politikerin am Samstag. „Die Aufklärung gehört sofort in die europäischen Institutionen.“ Die Bundesregierung wolle vorerst keine Bewertung zum Bericht über massive Datenüberwachung durch britische Behörden abgeben, sagte ein Regierungssprecher der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Es seien „Unmengen von Daten“, betont der US-Bürger Snowden, der Anfang Juni Details über „Prism“, das Überwachungsprogramm der NSA, an die Öffentlichkeit gebracht hatte.

Die US-Behörden haben ein Strafverfahren gegen Snowden eingeleitet. Wie US-Medien am Freitag unter Berufung auf Gerichtspapiere berichteten, werden Snowden Geheimnisverrat und Diebstahl von Regierungseigentum vorgeworfen. Der 30-Jährige hatte vor seinen Enthüllungen als IT-Spezialist im Auftrag der NSA gearbeitet und zahllose Dateien kopiert. Bei seinem Berlin-Besuch hatte US-Präsident Barack Obama die Datensammlung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA als unverzichtbar für die Terrorabwehr bezeichnet.

Snowden fürchtet eine Verfolgung durch die US-Behörden. Nach Angaben eines mit der Enthüllungsplattform Wikileaks verbundenen isländischen Geschäftsmannes steht in Hongkong ein Flugzeug bereit, das Snowden nach Island fliegen könnte, wo er Asyl beantragen könnte. Man warte nun auf ein positives Signal der isländischen Regierung, sagte der Geschäftsmann Olafur Vignir Sigurvinsson am Freitag.

Die weltweite Aufregung um die Anfang Juni bekanntgewordene US-Datenüberwachung lässt die meisten Deutschen eher unberührt. Eine große Mehrheit fühlt sich laut Umfrage vom NSA-Datenspähprogramm nicht persönlich betroffen. Zwar gehen mehr als 70 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov davon aus, dass die NSA auch auf Telefonverbindungsdaten in Deutschland zugegriffen hat. Aber nur 30 Prozent der Befragten glauben, dass auch ihre eigenen Daten ausgespäht wurden: 9 Prozent halten das für sehr wahrscheinlich, 21 Prozent für ziemlich wahrscheinlich, wie die Meinungsforscher mitteilten.

Bericht Guardian

Interview mit Olafur Vignir Sigurvinsson, Isländisch

dpa

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