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Hintergrund: Was wir wissen, was wir nicht wissen

Höxter Hintergrund: Was wir wissen, was wir nicht wissen

Der Tod zweier Frauen, die nach Angaben von Ermittlern im ostwestfälischen Höxter misshandelt wurden, wirft viele Fragen auf.

Höxter. Der Tod zweier Frauen, die nach Angaben von Ermittlern im ostwestfälischen Höxter misshandelt wurden, wirft viele Fragen auf. Ein Überblick:

WAS WIR WISSEN:

- Das Opfer, von dem die Öffentlichkeit zuerst erfuhr, ist eine 41-jährige Frau aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim. Sie hat ihre Peiniger Mitte Februar über eine Partnerschaftsanzeige kennengelernt. Anfang März sei sie in das Haus des verdächtigten 46-Jährigen und seiner 47 Jahre alten Ex-Frau nach Höxter gezogen, sagen die Ermittler.

- Die 41-Jährige wurde wochenlang festgehalten und schwer misshandelt. Laut Obduktion starb die Frau an Verletzungen, die sie von Schlägen auf den Kopf erlitten hatte.

- Ans Licht kam der Fall, als das Ex-Ehepaar die lebensbedrohlich verletzte 41-Jährige zurück nach Bad Gandersheim bringen wollte. Auf dem Weg dorthin hatten sie eine Autopanne und riefen einen Rettungswagen. Die Frau kam in ein Krankenhaus, wo sie zwei Stunden später am 22. April ihren Verletzungen erlag.

- Die beiden Beschuldigten waren verheiratet, sind inzwischen aber geschieden. Trotzdem lebten sie zusammen in Bosseborn, einem dörflichen Ortsteil von Höxter. Gegenüber den Opfern und bei Nachbarn behaupteten sie, Geschwister zu sein. Beide sind polizeibekannt.

- Schon früher hatte der 46-Jährige mit Partnerschaftsanzeigen den Kontakt zu Frauen gesucht. Laut Staatsanwaltschaft hat er häufiger entsprechende Inserate aufgegeben und nach einer „Frau für eine feste Beziehung“ gesucht.

- Ein zweites Todesopfer ist eine 33-jährige Frau, ebenfalls aus Niedersachsen. Sie heiratete den Beschuldigten im Sommer 2013, kennengerlernt hatten sie sich ebenfalls über eine Anzeige. Nach massiven körperlichen Misshandlungen verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Opfers im Sommer 2014 lebensbedrohlich. Im August starb die Frau. Die Beschuldigten verstauten die Leiche nach Angaben der Ermittler in einer Tiefkühltruhe und zerstückelten den Körper anschließend. Im Kamin sollen die Beschuldigten die Leichenteile verbrannt haben.

- Die Opfer wurden nicht vermisst, weil sie allein lebten oder nur wenige soziale Kontakte hatten. Im Fall der 2014 getöteten Frau wurde die Mutter mit SMS-Nachrichten beruhigt. Erst durch den Anruf der Mordkommission erfuhr die Frau vom Tod ihrer Tochter.

- Ein Frau aus Berlin entkam dem Paar 2013 verletzt. Sie wurde von den beiden Verdächtigen am Bahnhof Braunschweig in einen Zug in die Hauptstadt gesetzt und meldete sich jetzt als Opfer bei der Polizei.

WAS WIR NICHT WISSEN:

- Die wohl wichtigste Frage ist, ob es noch mehr Todesopfer gibt. Konkrete Hinweise darauf haben die Ermittler nicht, sie schließen es aber auch nicht aus. Das Geständnis der beschuldigten Frau gebe darauf keinen Hinweis. Die Spurensicherung muss jetzt den weitläufigen Tatort noch genau untersuchen. Das kann Wochen dauern.

- Wie viele Frauen sich insgesamt auf Kontaktanzeigen des 47-Jährigen gemeldet haben und misshandelt wurden, ist noch unklar.

- Ein Gutachter muss prüfen, ob die Beschuldigten psychische Störungen haben.

- Offen ist, ob die Beschuldigten bereits vor ihrem Umzug nach Höxter Frauen misshandelt haben. Die Ermittler prüfen deshalb jetzt auch ältere Vermisstenfälle auf einen Zusammenhang.

- Woher genau die 2014 getötete 33-Jährige stammt, ist noch unbekannt. Die Polizei will sich zu dieser Frage aus Ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht äußern.

dpa

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