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Hochwasser im Harz - „So schlimm war es noch nie“

Dauerregen Hochwasser im Harz - „So schlimm war es noch nie“

In Gummistiefeln waten Bewohner in Rhüden im Harz durch ihre Keller und räumen auf. Auch in Harsleben bangen viele Menschen nach dem Hochwasser um ihr Hab und Gut.

Goslar/Rhüden. Ein leicht modriger Geruch liegt über dem niedersächsischen Ort Rhüden im Harz. Vor vielen Häusern stehen am Donnerstag ratlos schauende Menschen. Die Bewohner sind gerade dabei, ihre im Keller gelagerten Sachen zum Trocknen nach draußen zu bringen.

Am Mittwoch stand das Wasser - je nach Lage im Dorf - zwischen dreißig Zentimetern und mehr als einen Meter hoch in den Gebäuden. Ungefähr 80 Kilometer östlich von Rhüden liegt Harsleben in Sachsen-Anhalt, hier trat der Goldbach über die Ufer. „Wir haben hier schon öfter mal Hochwasser gehabt“, erzählt Christel Eggert, „aber so schlimm war es noch nie. Auch nicht 1994.“

Damals, beim großen Bodehochwasser, hatten kleine Flüsse weite Teile des Harzes unter Wasser gesetzt. Die Eggerts wohnen an der höchsten Stelle im Ort und hatten bis jetzt immer Glück. Auch diesmal? Das Nachbarhaus stehe bereits unter Wasser, zeigt Günther Eggert. „Am Abend sah es so aus, als würde das Wasser zurückgehen“, sagt Christel Eggert. „Aber dann in der Nacht um 3.00 haben wir aus dem Fenster geguckt und waren entsetzt. Vor dem Haus Wasser, in der Garage alles unter Wasser und unser neues Auto mittendrin.“ Gegenüber von den Eggerts stapeln Helfer Sandsäcke.

Auch Edgar und Ursula Neuhaus können nur zuschauen, wie das Wasser sich ausbreitet. Der Strom sei abgestellt, pumpen könne man also nicht, sagt Ursula Neuhaus. Ihr Sohn Ralf wohnt ein paar Häuser weiter und hat größere Sorgen. „Wenn das Wasser noch weiter steigt, wird mein Wohnzimmer geflutet.“ Während er mit anderen freiwilligen Helfern kleine Säckchen vor den Gartenzaun seiner Eltern stapelt, macht er seinem Ärger Luft. „Hinten, an der Brücke am Hundeplatz staut sich das Wasser! Seit 10 Jahren machen wir auf das Problem aufmerksam, aber es wird immer nur geredet!“

Auch Elke Kleineidam hat bereits leidvolle Erfahrungen mit Hochwasser gemacht, die Inhaberin eines Friseursalons in Rhüden steht in den Trümmern ihrer Existenz. „Das ist jetzt alles kaputt“, sagt sie und zeigt auf die Risse am unteren Rand der Wände. Dort lösen sich Fliesen. Der Salon stand fast 16 Stunden unter Wasser. Vor zehn Jahren wurde das Geschäft in Folge eines Hochwassers schon einmal überspült, allerdings für viel kürzere Zeit. 

„So ein extremes Hochwasser hatten wir noch nie“, sagt die Friseurmeisterin. Der Schaden dürfte sich auf 7000 bis 10 000 Euro belaufen, schätzt die Geschäftsfrau. „Es müsste endlich mal 'was beim Hochwasserschutz getan werden“, fordert Carola Knauth, Mitarbeiterin im Friseursalon. Aus ihrer Sicht hätte schon lange ein schützender Deich errichtet werden können.

Das Team des Salons schrubbt erstmal den Boden und macht sauber, räumt Kaputtes nach draußen, statt Haare von Kunden zu schneiden. In der knapp dreißig Kilometer von Rhüden entfernten Stadt Goslar pumpen Feuerwehrleute rund um die Marktkirche in der Altstadt das Wasser aus mehreren Kellern. Wo in der Altstadt vor rund 24 Stunden noch Wassermassen über die Straßen liefen, gingen am Donnerstagmittag schon wieder Touristen in Sandalen vorbei. 

Auch die Pizzeria „Amaretto“, dessen Besitzer am Mittwoch knietief im Wasser in seinem Keller stand, hat wieder geöffnet. Draußen sitzen hungrige Gäste. „Nur Schlamm“, beschreibt der Gastronom den Blick ins mittlerweile ausgepumpte Untergeschoss. Dort gelagerte Nudeln und Mehl waren durch das Wasser verdorben. „Ich war heute Morgen erstmal einkaufen“, erzählt Inhaber Michele Pantaleo.

dpa

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