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Illegales Online-Glücksspiel boomt in Deutschland

Starke Wachstumsraten Illegales Online-Glücksspiel boomt in Deutschland

Ob Poker oder Black Jack: Der Markt für Online-Geldspiele in Deutschland wächst rasant. Und das, obwohl er hierzulande gar nicht zugelassen ist. Anbieter werben nach einer Branchenanalyse zunehmend dafür. Die Länder können sich nicht zu einer Regulierung durchringen.

Online-Glücksspiel ist verboten.

Quelle: Arno Burgi

Berlin. Illegales Glücksspiel in Deutschland und bisher nicht zugelassene Online-Geldspiele sind nach einer aktuellen Studie weit stärker auf dem Vormarsch als der regulierte Markt.

Das Wachstum des gesamten deutschen Glücksspielmarktes um acht Prozent im Jahr 2015 ist „vornehmlich auf die Ausdehnung des nicht-regulierten Marktes zurückzuführen“, wie aus einer Branchenanalyse des „Handelsblatt Research Institute“ hervorgeht. Das Marktvolumen nicht zugelassener Angebote steige jährlich um etwa 30 Prozent.

Der überwiegend aus Online-Angeboten bestehende unkontrollierte Glücksspielmarkt sei mit einem Anteil von 22 Prozent zwar deutlich kleiner, weise aber seit Jahren stärkere Wachstumsraten auf, heißt es in der Studie für den privaten Anbieter Löwen-Entertainment und die staatliche Gesellschaft West-Lotto. Der Online-Markt wachse rasant, es seien vermehrt neue Angebote und Spiele zu erwarten.

Der gut 14 Milliarden Euro umfassende Glücksspielmarkt in Deutschland ist in einen staatlich regulierten, einen nicht-regulierten („grauen“) sowie einen „schwarzen Markt“ aufgeteilt.

In Deutschland sind weitgehend die Bundesländer für die Regulierung von Lotterien, Sportwetten oder Kasinospielen zuständig. Für die meisten Glücksspiele gilt nach wie vor ein staatliches Monopol. Lediglich für private Sportwettenanbieter wurde der Markt geöffnet. Online-Glücksspiel ist verboten, denn der Staatsvertrag sieht keine bundesdeutschen Online-Casino-Lizenzen vor. Nur einige Ausnahmen mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein sind beschränkt zugelassen.

Mitte März hatten die Ministerpräsidenten der Länder eine Reform des Glückspielstaatsvertrages beschlossen. Danach wird die Vergabe von Sportwetten-Lizenzen ab 2018 neu geregelt. Nach dem 2012 vereinbarten Glücksspielstaatsvertrag sollten die Länder eigentlich für sieben Jahre 20 Konzessionen an Sportwetten-Anbieter vergeben.

Dies ist aber nicht gelungen, weshalb jetzt die Länder eine Reform beschlossen haben. Alle Anbieter agieren bisher auf einem „grauen Markt“. Sie unterliegen keiner deutschen Regulierung, dürfen ihre Dienstleistung aber anbieten.

Auf dem regulierten Markt agieren Anbieter mit einer deutschen Lizenz. Das sind etwa die staatlichen Lotterien, erlaubte Sportwetten staatlicher Anbieter, Spielbanken, Geldgewinnautomaten in Spielhallen und Gaststätten oder Pferdewetten.

Der regulierte Markt war 2015 mit Bruttospielerträgen von 10,4 Milliarden Euro der Studie zufolge das mit Abstand größte Segment. Der illegale Schwarzmarkt umfasse Glückspielanbieter ohne eine Lizenz. Er wird auf ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Auf dem nicht-regulierten Markt mit einem Volumen von 2,3 Milliarden Euro agieren Anbieter mit einer Konzession aus einem anderen EU-Staat. Das sind unter anderem private Anbieter von Sportwetten oder Online-Spielen. Etwa vier Fünftel des Volumens im nicht-regulierten Bereich entfallen laut der Studie auf Online-Angebote für Poker, Casinos, Sport- und Pferdewetten oder Online-Zweitlotterien. Online-Casinos dominierten, „obwohl die Zulassung - anders als für private Sportwetten - nach deutschem Recht zu keinem Zeitpunkt gegeben war oder vorgesehen ist“, heißt es.

„Nicht-regulierte Anbieter haben im Vergleich zu regulierten Anbietern ihre Werbeausgaben in den vergangenen Jahren besonders deutlich gesteigert und erschweren Spielern über ihre öffentliche Darstellung die Unterscheidung zwischen zugelassenen und nicht zugelassenen Angeboten in Deutschland“, heißt es weiter. Insgesamt hätten sich die Werbeausgaben der Glücksspielanbieter in den vergangenen fünf Jahren auf 390 Millionen Euro fast verdoppelt.

dpa

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