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Image aufpoliert: Frankreichs Liebe zur Équipe tricolore

Marseille Image aufpoliert: Frankreichs Liebe zur Équipe tricolore

Sie haben sich zurückgespielt in die Herzen der Franzosen. Ein langer Weg für die Équipe tricolore: Denn der unwürdige WM-Auftritt vor sechs Jahren hinterließ Spuren. Allerdings wird die neue Liebe auch getrübt.

Marseille. Eines ist Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft schon gelungen: Sie hat die Herzen ihrer Fans zurückerobert. Die Équipe tricolore, dieses stolze Ensemble. Es stand nach WM- und EM-Triumph jahrelang für sportliches Scheitern.

Es machte auch schon das, was in Frankreich oft passiert, selbst während der Europameisterschaft: Es streikte. Vor sechs Jahren war das, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, im Teamquartier. „Knysna hat Narben hinterlassen“, räumte Patrice Evra jüngst einmal ein: „Das wird niemand mehr ändern können. Selbst wenn wir die EM gewinnen würden, das bleibt.“

Evra ist 35 Jahre alt, hat vor allem die Tiefen der französischen Nationalmannschaft miterlebt - und mitverantwortet. Er war damals einer der Anführer des Spielerstreiks. Er war der Kapitän. Vom Verband wurde er danach ebenso wie Bayerns Franck Ribéry erstmal gesperrt. Die Spielführerbinde war er los, die trägt längst Hugo Lloris, der Torwart, der sich 2010 gegen die Arbeitsniederlegung beim Training während der WM in Südafrika ausgesprochen haben soll.

Und Lloris ist irgendwie auch ein Spiegelbild der jetzigen Mannschaft. Stets höflich: Jedes „Bonjour“ bei den Pressekonferenzen erwidert er - wie es auch seine Kollegen im abgelegenen EM-Quartier in Clairefontaine immer taten - mit einem freundlichen „Bonjour“. Nie übermütig und immer respektvoll, auch vor dem Gegner. So wie ihr Trainer, Didier Deschamps. Er hat zum Imagewandel maßgeblich beigetragen. Deschamps ist bekannt für eine harte, aber klare Linie.

Der 47-Jährige verzichtete auf zwei enorm wichtige Spieler: Karim Benzema und Mathieu Valbuena. Der eine soll Komplize bei einem Erpressungsversuch des anderen sein. In einem Kommuniqué hieß es damals zum Rien-ne-va-plus-Beschluss bei Benzema, die Trainer des Verbandes hätten die Fähigkeit des Spielers berücksichtigt, sich für den Zusammenhalt in der Gruppe einzusetzen. Ebenso seine Vorbildfunktion und den Schutz der Gruppe. Sportlich eine gewagte Entscheidung. Aber die Gefahr einer neuen Eskalation war zu groß.

Und so blieb auch eigentlich alles ruhig. Die Aufregung um Paul Pogbas vulgäre Geste beim 2:0 gegen Albanien in Marseille legte sich schnell wieder: Deschamps stellte sich nach außen vor den 23-Jährigen, dem er aber in der Öffentlichkeit bis zum Halbfinale gegen Deutschland noch nicht das Wort erteilte. Pogba brauche einfach Ruhe um sich herum. Und Deschamps schuf Ruhe um sein Team, das dank des ersten Halbfinaleinzugs seit zehn Jahren schon so etwas wie eine Renaissance in den Herzen der Franzosen erlebte.

Bereits beim 5:2-Sieg über Island verzeichnete der TV-Sender M6 mit über 17 Millionen Zuschauern einen Quotenrekord. „Wir sind dabei, eine Dynamik zu erleben wie seit 2006 nicht mehr“, sagte der Sportmarketing-Experte Virgile Caillet jüngst der Zeitung „Le Parisien“ mit Rückblick auf den Final-Einzug bei der WM in Deutschland.

Die Liebe ist aber nicht überall bedingungslos. Es ist das Fehlen von Benzema, der algerische Wurzeln hat, und auch des sportlich nicht berücksichtigen Hatem Ben Arfa, der tunesischer Abstammung ist, das es manch einem dann doch ein bisschen schwer macht mit den Gefühlen. „Es ist eine enttäuschte Liebe“, schrieb die Zeitung „Le Monde“ in einer Reportage. Aber es ist eine. Vor wenigen Jahren herrschte eher Gleichgültigkeit oder gar Wut. „Diese Blauen da machen wirklich Spaß“, befand „Le Parisien“ vor der Partie in Marseille gegen Deutschland.

dpa

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