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Impfstoff-Engpass trotz befürchteter schwerer Grippewelle

Medizin Impfstoff-Engpass trotz befürchteter schwerer Grippewelle

Ausgerechnet vor der erwarteten schweren Grippewelle in diesem Winter warten Ärzte in Teilen Deutschlands immer noch auf ausreichend Impfstoff.

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Ausgerechnet vor der erwarteten schweren Grippewelle in diesem Winter warten Ärzte in vielen Regionen immer noch auf ausreichend Impfstoff. Foto: Jens Wolf/Archiv

Berlin. Ausgerechnet vor der erwarteten schweren Grippewelle in diesem Winter warten Ärzte in Teilen Deutschlands immer noch auf ausreichend Impfstoff. In den betroffenen Regionen hoffen die Mediziner, dass das schützende Serum noch rechtzeitig kommt.

Wegen des Engpasses werden Forderungen nach Neuregelungen laut, um Patienten künftig ausreichend impfen zu können.

So haben Ärzte in Bayern und Norddeutschland Probleme, genug Impfstoff zu bekommen. Die dortigen Kassen hatten nach einer Ausschreibung mit dem Pharmahersteller Novartis Verträge geschlossen, nach denen die Patienten mit dem günstigsten Impfstoff, dem Novartis-Präparat Begripal, beliefert werden sollten.

Nach Lieferschwierigkeiten gaben die Kassen in den Problemregionen kurzfristig zwar auch andere Impfstoffe frei. Doch nach Angaben aus Politik und Kassenkreisen soll es bei der Novartis-Konkurrenz nicht genug Vorräte geben. Der Grund soll sein, dass diese Firmen annahmen, sie würden nicht in großem Maß zum Zuge kommen. Die Produktion von Impfstoffen braucht einen längeren Vorlauf.

Von der betroffenen Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH gab es zunächst noch keine Stellungnahme. In anderen Regionen Deutschlands gab es keine Ausschreibungen und infolgedessen auch keine Meldungen über Engpässe.

In der Koalition werden jetzt Forderungen laut, die Praxis zu überdenken. „Bei Impfstoffen müssen wir das Instrument der Ausschreibungen überprüfen“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin.

Der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Peter Wutzler, warnte zudem vor einer schlechteren Versorgung der Patienten durch Exklusiverträge der Kassen mit Herstellern. Die Mediziner müssten die Freiheit haben, die jeweils effektivsten Impfstoffe einzusetzen, statt auf bestimmte Mittel festgelegt zu werden, sagte er der dpa.

„Die Ärzte müssen sich bei der Wahl der Impfstoffe nach der Wirksamkeit richten und sich an der jeweiligen Zielgruppe orientieren können“, sagte Wutzler.

Wutzler betonte, mehrere Anhaltspunkte ließen eine schwere Grippewelle befürchten. „Ich erwarte eine harte Saison“, sagte er. So seien in der Südhalbkugel zuletzt besonders viele Influenza-Tote gemeldet worden. Weite Teile der Bevölkerung in Deutschland seien nicht immunisiert.

Deutschlands Kassenärzte zeigten sich angesichts dieser Situation verärgert über die Probleme mit dem Impfstoff. „Das ist ärgerlich, wenn nicht genügend Impfstoff vorhanden ist“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, der dpa.

Am Donnerstag hatten die bayerischen Hausärzte Alarm geschlagen. Trotz anderslautender Ankündigungen der dortigen Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände sei bei den Hausärzten das ersehnte Serum noch nicht angekommen. Der Hausärzteverband fürchtet, dass der Impfstoff erst Anfang Dezember geliefert wird - und somit für viele Menschen zu spät.

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein hatte berichtet, einige Arztpraxen hätten einen Ersatzimpfstoff erhalten - aber wegen Bedenken wieder zurückgeschickt.

Optimal für die Impfung ist die Zeit von September bis November, da die ersten Grippefälle meist im Dezember auftreten - nach der Impfung dauert es rund zwei Wochen bis zu einem wirksamen Influenza-Schutz im Körper.

Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) will das Problem per Sondersitzung der Landesarbeitsgemeinschaft Impfen abmildern.

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