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Joachim Löw: „Das ist irgendwie auch Pech“

Marseille Joachim Löw: „Das ist irgendwie auch Pech“

Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Pressekonferenz nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Frankreich.

Marseille. Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Pressekonferenz nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Frankreich.

Frage: Fast 65 Prozent Ballbesitz, aber das EM-Halbfinale gegen Frankreich 0:2 verloren: Was ist schief gelaufen, Herr Löw?

Antwort: Relativ wenig. Ich kann der Mannschaft nur ein Riesenkompliment aussprechen. Weil wir insgesamt die bessere Mannschaft waren. Wir haben wahnsinnig viel investiert, hatten eine machtvolle Körpersprache. Wir sind ein bisschen unglücklich in Rückstand geraten. Das ist irgendwie auch Pech, wenn so ein Ball an die Hand springt.

Frage: Was hat gefehlt?

Antwort: Wir hatten nicht das notwendige Glück. Als wir 2010 und 2012 ausgeschieden sind, hatten uns die Mannschaften etwas voraus. Heute hatten wir den Franzosen etwas voraus. Die Mannschaft hatte einige Ausfälle. Das ist nicht so einfach zu verkraften in so einem wichtigen Spiel, wenn solche Stützen wie Hummels, Khedira, Gomez und dann auch noch Boateng ausfallen. Wir haben alles umgesetzt, waren mutig. Wir haben viel riskiert. Es gibt überhaupt keine Vorwürfe.

Frage: Wie beurteilen Sie die Leistung des italienischen Schiedsrichters?

Antwort: Grundsätzlich sage ich nichts zu Schiedsrichtern. Die Entscheidungen muss man hinnehmen. Man braucht sich nicht im Nachhinein aufzuregen. Es gibt diese Regel. Kopf und Hand gingen Richtung Ball. Ein Spieler kann nicht in einer Zehntelsekunde überlegen, wie er dabei die Hand wegnehmen kann. Es gibt Bewegungen in einem Zweikampf, die sind manchmal nicht zu kontrollieren. Da gibt es keinen Vorwurf.

Frage: Wie haben Sie Bastian Schweinsteiger insgesamt gesehen?

Antwort: Er war gut, hat gerade in der ersten Halbzeit viele Zweikämpfe gewonnen. Er hat das gut gemacht, was er an taktischen Vorgaben hatte. Ich wusste nicht, wie lange seine Kräfte reichen. Wir mussten dann offensive Kräfte nachschieben. Dafür, dass er so lange verletzt war, hat er uns schon geholfen.

Frage: Welche Fehler wurden vor dem 0:2 gemacht?

Antwort: Drei von uns spielen gegen drei Franzosen. Da muss man vielleicht mal den Ball aus der Gefahrenzone schlagen. Man kommt gerade noch an den Ball, der fällt einem Franzosen vor die Füße. Die zweite Halbzeit haben wir noch mal Druck gemacht, aber nicht getroffen. Einmal ist man oben. In einem anderen Spiel kommen Dinge zusammen, die nicht positiv sind: Ausfälle, vergebene Chancen. Natürlich hat Frankreich den Einzug ins Finale verdient, wenn man 2:0 gewinnt. Ich denke, dass Frankreich gegen Portugal gewinnt. Die Portugiesen haben bisher noch nicht überzeugt.

Frage: Weshalb hat Ihre Mannschaft nach der Pause nicht mehr so dominant gespielt?

Antwort: Auch die zweite Halbzeit haben wir kontrolliert. Auf dem Niveau entscheiden manchmal einzelne Aktionen, ein bisschen Glück und Pech. Wenn wir in Führung gehen, haben wir das Spiel so dermaßen im Griff. Wenn man kurz vor der Halbzeit so ein Gegentor bekommt, ist das ein Schock. Alle waren aufgeregt in der Kabine. Dann wurde es schwer, weil Frankreich ein paar schnelle Spieler hat.

Frage: Wie fällt ihr Turnier-Fazit aus?

Antwort: Es war ein gutes Turnier. Wir hatten gute Energie, haben eine gute Vorleistung gebracht, haben einen tollen Teamgeist gezeigt. Es war auch bemerkenswert, wie die Spieler gearbeitet haben, die hinten dran standen. Es gibt eine kurze Analyse. So viele Fehler habe ich jetzt nicht festgestellt. Es war eine tolle Mannschaft.“

Frage: Sie haben einen Vertrag als Bundestrainer bis 2018. Beeinflusst das EM-Abschneiden in irgendeiner Form Ihre Zukunftspläne?

Antwort: Heute Abend kann ich nicht weit vorausgucken, nicht einmal bis morgen früh. Da sitzt der Stachel doch noch tief. Das ist keinen Gedanken wert heute Abend.

Frage: Wie und wann werden Sie das EM-Turnier aufarbeiten?

Antwort: Das ist schwierig zu beantworten. Wir haben im Vorfeld nicht darüber gesprochen, was machen wir, wenn wir verlieren. Zwei, drei Tage nach der Rückkehr in die Heimat werde ich meine Assistenztrainer und vielleicht auch ein paar Spieler kontaktieren. Dann werden wir entscheiden, wie wir das Turnier jetzt aufarbeiten.

dpa

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