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Brennpunkte Kardinal Meisner im Alter von 83 Jahren gestorben
Nachrichten Brennpunkte Kardinal Meisner im Alter von 83 Jahren gestorben
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13:12 05.07.2017
Der damalige Kölner Kardinal Joachim Meisner während eines Soldatengottesdienstes im Kölner Dom. Quelle: Oliver Berg
Köln

Kardinal Joachim Meisner, einer der umstrittensten deutschen Kirchenführer der vergangenen Jahrzehnte, ist tot. Der frühere Erzbischof von Köln sei während seines Urlaubs in Bad Füssing in Bayern gestorben, sagte ein Sprecher des Erzbistums Köln.

Meisner wurde 83 Jahre alt. Immer wieder hatte der konservative Geistliche mit provokanten Äußerungen für Wirbel gesorgt.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte, mit dem eher liberalen „rheinischen Katholizismus“ habe sich Meisner schwer anfreunden können. „Trotzdem waren seine Beiträge immer auch geprägt von großer Menschenliebe, präziser Analyse und tiefem Glauben. Er war ernsthafter Mahner, aber auch ein Mensch mit Humor.“

Der am Weihnachtstag 1933 in Breslau geborene Meisner stand 25 Jahre lang, vom Jahr des Mauerfalls 1989 bis 2014, an der Spitze des größten katholischen Bistums in Deutschland. Er war vom damaligen Papst Johannes Paul II. gegen erheblichen Widerstand als Erzbischof in Köln durchgesetzt worden. Schon als Bischof von Berlin mit Amtssitz in Ost-Berlin genoss Meisner im Gegensatz zu normalen DDR-Bürgern Reisefreiheit.

Meisner galt lange als einflussreichster Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen. Meisner pflegte ein enges Verhältnis sowohl zu Johannes Paul II. als auch zu Papst Benedikt XVI., dem vormaligen Kardinal Joseph Ratzinger.

Dagegen opponierte er bis zuletzt gegen den Reformkurs von Papst Franziskus. So verlangte er 2016 zusammen mit drei anderen Kardinälen in einem offenen Brief Aufklärung von Franziskus über sein Schreiben „Amoris Laetitia“ über Familie und Liebe. Meisner war gegen eine mildere Linie der Kirche gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und überhaupt gegen jede Aufweichung der Lehre. Ein Vertreter des Vatikans bezeichnete die öffentlichen Kritik am Papst als „schwerwiegenden Skandal“.

Vor seiner Berufung nach Köln war der im Nationalsozialismus und in der DDR aufgewachsene Meisner von 1980 bis 1989 Bischof des Bistums Berlin. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erinnerte am Mittwoch an sein Wirken in der geteilten Stadt: „Die Aufrechterhaltung der Kontakte über die Mauer hinweg und die Sorge um die Möglichkeiten kirchlichen Leben im Ostteil unserer Stadt sowie in der DDR verdienen unseren Respekt.“

2014 wurde Meisner aus Gesundheitsgründen auf seinen eigenen Wunsch hin in den Ruhestand versetzt und lebte seitdem zurückgezogen in Köln. Sein Nachfolger als Erzbischof von Köln wurde sein ehemaliger Geheimsekretär Rainer Maria Woelki, der seitdem einen auffallend anderen Kurs fährt. So setzt er sich intensiv für Flüchtlinge ein.

Außenminister Sigmar Gabriel hat Meisner als „prägende Gestalt der deutsch-deutschen Geschichte“ gewürdigt. „Insbesondere während seiner Zeit in der DDR war er eine unverzichtbare Stimme für die Christen katholischen Glaubens und hat sich immer wieder in gesellschaftliche Fragen von Moral und Gesellschaft eingebracht“, teilte der SPD-Politiker mit. Meisners Wirken sei eine bleibende Mahnung, dass es jenseits der Tagespolitik geistliche Voraussetzungen und ethische Richtlinien gebe, die uns als Gesellschaft ausmachten. „Seine kritische Stimme wird uns fehlen.“

Das Erzbistum Köln ist schon über 1700 Jahre alt. Im Mittelalter war der Erzbischof von Köln einer von nur sieben Kurfürsten, die den deutschen Kaiser bestimmten. Heute ist das Bistum mit über zwei Millionen Katholiken das mitgliederstärkste in Deutschland. Es ist berühmt für den Kölner Dom, das meistbesuchte deutsche Bauwerk mit dem Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige.

Das Erzbistum reicht von Essen-Kettwig im Ruhrgebiet bis nach Rheinland-Pfalz. Die meisten seiner Gläubigen sind deutlich liberaler eingestellt als der langjährige Erzbischof, Kardinal Meisner. Das ergab eine Umfrage, die das Erzbistum wenige Monaten vor seinem Ausscheiden aus dem Amt veröffentlich hatte.

dpa

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