Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Kaum Interesse an Pflegezeit für Familien
Nachrichten Brennpunkte Kaum Interesse an Pflegezeit für Familien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 29.12.2012
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Anfang November bei einer Pressekonferenz in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv
Anzeige
Berlin

Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag unter Berufung auf eine vorläufige Statistik des Bundesfamilienministeriums. Auch die Änderungen in der Pflege, die ab 1. Januar gelten - wie höhere Leistungen für Demenzkranke -, sorgen für Unmut. Kassen und Pflegebranche geht die Reform nicht weit genug.

In Deutschland werden mehr als 1,6 Millionen Menschen von Angehörigen und ambulanten Diensten zu Hause gepflegt. Mit dem Gesetz zur Familienpflegezeit wurde Anfang des Jahres eingeführt, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren können, um Pflegebedürftige in der Familie zu versorgen. Um in dieser Zeit finanziell abgesichert zu sein, zahlt der Arbeitgeber den Beschäftigten ein höheres Gehalt, zum Beispiel 75 Prozent der bisherigen Bezüge. Nach Ende der Pflegezeit müssen die Arbeitnehmer dann so lange zu einem geringeren Gehalt arbeiten, bis der Vorschuss ausgeglichen ist. Auf diese Form der Auszeit besteht allerdings kein Rechtsanspruch.

Die bisherige Nachfrage nach dem Angebot ist den aktuellen Zahlen zufolge dürftig. Das Bundesfamilienministerium warnte aber davor, das Modell voreilig abzuschreiben. Ein Sprecher von Ressortchefin Kristina Schröder (CDU) sagte in Berlin, noch gebe es keine wirklich belastbaren Zahlen zur Nutzung der Regelung. Er räumte zugleich ein, bei der Etablierung des Modells sei ein langer Atem nötig.

Von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Verbänden und aus der Opposition hagelte es jedoch Kritik. Ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sagte der „Süddeutschen Zeitung“, die Zahlen belegten, dass das Gesetz nicht notwendig sei. Der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelte den fehlenden Rechtsanspruch. Auch die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung beklagte, ohne diesen Anspruch sei die Pflegezeit eine Luftbuchung. Der Sozialverband VdK kritisierte, die Regelung sei schlecht gemacht. Die SPD nannte das Modell unbrauchbar und sprach von einem Flop.

Zum Jahresbeginn gehen die jüngsten Reformen in der Pflege an den Start. Demenzkranke Menschen bekommen dann höhere Leistungen. Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung steigt zum 1. Januar von 1,95 auf 2,05 Prozent, bei Kinderlosen auf 2,3 Prozent. Bereits seit Ende Oktober werden neue Wohnformen für Pflegebedürftige stärker gefördert.

Krankenkassen und Branchenvertreter äußerten sich aber unzufrieden und mahnten weitere Reformschritte an. „Wir hätten mehr erwartet“, sagte die Vorsitzende des Ersatzkassen-Verbands vdek, Ulrike Elsner, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die großen Baustellen der Pflege sind nicht abgearbeitet.“ Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, kritisierte: „Die Pflegereform ist nicht der große Wurf.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nordkorea ist nach Einschätzung von Experten für einen neuen Atomtest gerüstet. Nach der Beseitigung von Flutschäden sei das Testgelände im Nordosten so weit wiederhergestellt, dass Nordkorea nach 2006 und 2009 einen dritten Test unternehmen könnte, hieß auf der Website des US-Korea-Instituts an der Johns-Hopkins-Universität.

28.12.2012

Die Deutschen gehen Umfragen zufolge optimistisch ins neue Jahr - vor allem was die persönliche Zukunft betrifft. Sie glauben an den Euro, halten ihre Jobs für sicher und erwarten ein gutes Jahr für sich persönlich, wie eine YouGov-Umfrage im Auftrag der „Bild“-Zeitung ergab.

29.12.2012

Eine aufgeweckte Zweijährige hat fünf deutschen Urlaubern in Österreich bei einem Brand wahrscheinlich das Leben gerettet. Die Kleine war mit ihren Eltern und drei Freunden von ihnen in einem Ferienhaus in Aschau im Zillertal, als das Holzgebäude am Freitagmorgen Feuer fing.

29.12.2012
Anzeige