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Leitzins auf historischem Tief: Fragen & Antworten

Frankfurt/Main Leitzins auf historischem Tief: Fragen & Antworten

Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft überraschend ihren Krisenkurs und senkt den Leitzins im Euroraum auf das Rekordtief von 0,25 Prozent.

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Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main (Langzeitbelichtung und Zoomeffekt). Foto: Daniel Reinhardt

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft überraschend ihren Krisenkurs und senkt den Leitzins im Euroraum auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Fragen und Antworten zum Thema:

Warum dreht die EZB gerade jetzt an der Zinsschraube?

Die Währungshüter reagieren auf den mickrigen Preisauftrieb im Oktober. Die Inflation im Euroraum fiel auf 0,7 Prozent und entfernte sich damit weit von der Marke von knapp unter 2,0 Prozent, bei der die EZB stabile Preise gewahrt sieht. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Teuerung in den Euroländern noch längere Zeit sehr niedrig bleiben wird - und danach auch nur langsam in Richtung zwei Prozent steigen dürfte. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner erklärt: „Mittlerweile ist die Inflationsrate weit von der EZB-Zielmarke entfernt. Ein schwaches oder gar stagnierendes Nominalwachstum erhöht die Konsolidierungslast in den Peripherieländern und erschwert die Schuldentragfähigkeit zusätzlich. Auch mit Blick auf den Wechselkurs und die immer noch fragile Konjunkturlage im Euroraum ist eine weitere geldpolitische Stimulierung angemessen.“

Warum stemmt sich die EZB gegen den mageren Preisauftrieb?

Die Teuerung in einigen Euroländern ist noch deutlich niedriger als im Schnitt der gesamten Eurozone, in Griechenland sinken die Verbraucherpreise sogar. Das ist zwar zum Teil politisch gewollt, weil verschuldete Staaten ihre Ausgaben kürzen und Unternehmen ihre Preise senken sollen, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Doch Ökonomen wie der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, gehen davon aus, dass die EZB eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum verhindern wollte: „Auch wenn die EZB das nicht explizit gesagt hat: Das Risiko einer milden Deflation besteht. Der Zinsschritt kann also als Versicherung gegen dieses hypothetische Risiko gesehen werden.“

Wem bringen die niedrigeren Zinsen etwas?

Ein Ziel der Notenbank ist es, die fragile Konjunkturerholung zu stärken. Denn niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Das ist gut für alle Schuldner - auch für Staaten, die ihre Schulden nun günstiger refinanzieren können. Die Hoffnung der EZB ist auch, dass mehr Unternehmen Geld bei Banken leihen und damit mehr investieren, um so die Konjunktur anzuschieben. Ob dies gelingt, ist aber umstritten. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, glaubt das nicht: „Angesichts des schon seit längerem sehr niedrigen Zinsniveaus werden die konjunkturellen Effekte der heutigen Zinssenkung der EZB allenfalls sehr gering ausfallen.“ Er erwarte keine nennenswerte Belebung der Kreditvergabe in den Krisenländern.

Welche Auswirkungen sind für die Verbraucher zu erwarten?

Als Kreditnehmer können sich private Haushalte über das billige Geld freuen. Das gilt gerade auch für Häuslebauer. „Für Immobilienkäufer bedeutet der Zinsschritt (...), dass Baufinanzierungskunden von günstigen Zinsen für Immobilienkredite profitieren“, erklärt der Baugeldvermittler Interhyp.

Bekomme ich nun bald noch weniger Zinsen auf meinem Sparbuch?

Zinssenkungen werden in der Regel schnell an die Kunden weitergereicht - erfahrungsgemäß vor allem bei Angeboten wie Tages- und Festgeld. Anleger müssen also mit sinkenden Sparzinsen rechnen. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), warnt: „Niedrigzinsen führen zu dauerhaften Verlusten der Sparer, die quasi einer Enteignung gleichkommen, weil sie bei ihren Anlagen negative Realzinsen hinnehmen müssen.“ Das führe zu erheblichen Lücken in der Altersvorsorge. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft kritisierte, die niedrigen Zinsen gingen massiv zulasten der Altersvorsorgesparer.

dpa

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